Rotorman's Blog

Heulen und Absatzklappern: Schantals
asynchroner Slow-Gait im Bürocontainer

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Auf dem hohen Absatz kehrt: Nervensägen wie Schantal-Gerlinde machen konzentriertes Arbeiten im Großraumbüro unmöglich. Schon eine einzige Tusse auf High-Heels kann die Stampede einer durchgeknallten Büffelherde akustisch locker in den Schatten stellen.

Jagger-Mick, der ungekrönte Gesichtsfaltenkönig des Rock ‘n’ Roll, hatte das Ganze bereits vor 46 Jahren  thematisiert:  “I hear the click-clack of your feet on the stairs…” heißt es in der ersten Textzeile von “Stray Cat Blues”, verewigt auf dem 1968 erschienen Album “Baggers Banquet”. Und dieses Klick-Klack klingt nach, bis heute – wenn auch in einem ganz anderen Kontext. Und das kann einem auch schon mal gewaltig auf den Zeiger und/oder anderes gehen! Irgendwie müsste da auch der „Street Fighting Man“ etwas umgeschrieben werden: Everywhere I hear the Sound of  Schantals Steps down on the  Ground…“ Da gibt es Kolleginnen, die stöckeln auf ihren grundsätzlich nagelbewehrten und Hartleder verstärkten Absätzen durch und über die Flure, dass es bis in die entzündeten Zahnwurzeln nachhallt. Besonders in hellhörigen, nach oben und unten hin nicht gedämmten Billig- Büro-Containern kann sich dieser Tack-Tack-Terror bis zur chronischen Psychose auswachsen. Seine Schweine erkennt das ausgeschlafene Bäuerchen schließlich an ihrem Gang…
Ob im Stakkato-Schritt zur Toilette, in die Kaffeeküche oder einfach zum Schwatz nach nebenan, es knallt und schallt Nerv tötend. Vor allem dann, wenn sich der Fußboden gegen jedwede Schwingung resistent zeigt und mit voller Unnachgiebigkeit dagegen hält. Man/frau kann das Echo durch gekonnte Gewichtsverlagerung noch verstärken, wenngleich dies aber eher der Optik geschuldet zu sein scheint. Die Ladies, zumindest einige, sind ja bis heute der felsenfesten Überzeugung, es sähe besonders aufreizend und sexy aus, wenn sie wie angestochene Erdhörnchen auf Chrystal Meth durch die Pampa kreiseln,  Sidestep-Hüftschwung wie auf einem von Francesco Schettino gesteuerten krängenden Bananendampfer aus Burkina Faso bei Windstärke 10 inklusive.

Reonvaleszente Gesichts-Günter in Filzpantoffeln

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Der Street-Fighting-Man muss neu geschrieben werden: Das nervende Absatzklacken und –klicken der Kolleginnen weckt immenses Aggressionspotential. Grafik: Artemtation

Das haben sie sich irgendwann mal bei Heid Dumms Casting-Komödie “Germanys Next Toptrottel(ine)” abgeschaut, aber da irgendwie etwas falsch verstanden. Zumindest geht die Adaption meistens fürchterlich in die Hose bzw. den Rock. Ein derartiger, dem federleichten Schweben einer kompakten Rüttelplatte zum Verdichten asphaltierter Streuobstwiesen nicht unähnliche Stechmarschschritt könnte, andere Erklärungsvariante, in ihrer akustischen Inkarnation aber auch Kompetenz, Willenskraft  und Zielstrebigkeit ausstrahlen sollen, aber das ist wieder eine andere Baustelle…
Und jetzt verstehe ich auch, warum das Pflegepersonal in Krankenhäusern und anderen medizinischen Versuchsanstalten dazu verdonnert ist, diese gummierten Clogs und Sandalen aus dem Haute-Couture-Labor von Birkenstock zu tragen. Unvorstellbar, wenn die Karbolmäuschen und -Mäuseriche alle auf High-Heels über die Klinik-Flure stöckeln würden. Da würde selbst der friedfertigste Turbo-Rekonvaleszent zum Stier und der Testosteron geschwängerte, feldverwebelte Gesichts-Günter aus Zimmer 44 a liefe Amok – auf Schlappen oder Filzpantoffeln.

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Wie angestochene Erdhörnchen auf Chrystal Meth kreiselnd durch die Büroflure. Inklusive Sidestep-Hüftschwung wie auf einem von Francesco Schettino gesteuerten krängenden Bananendampfer aus Burkina Faso bei Windstärke 10.

Schon eine einzige mit den richtigen Gehwerkzeugen ausgestattete Tusse kann mit relativ geringem körperlichen Einsatz akustisch die Stampede einer durchgeknallten Büffelherde locker in den Schatten stellen. Ich spreche aus leidvoller Erfahrung. Das Großraumbüro tobt vor Begeisterung. Hallo, ich bin die Schantal-Gerlinde. Häääh?  Was ist das überhaupt für ein Name??? Schantal-Gerlinde!! Da hätten damals selbst beim schläfrigsten Bürokraten-Penner im Einwohnermeldeamt alle Alarmglocken läuten müssen. Sonst ist dieser intellektuelle Tiefflieger nämlich viel kleinlicher und pendantischer. Mein Kumpel, ein passionierter Turnier-Florist (war schon mal deutscher  Juniorenmeister in der Aufsteigerklasse für Nitrat-gedüngte Korbblütler) hatte sich mit seiner Namensvorschlag jedenfalls nicht durchsetzen können. Er hätte seinen Erstgeborenen gerne “Tulpen-Heini”  getauft,  was prompt und strikt abgelehnt wurde. Was er bis heute nicht verstehen kann. Denn es gibt doch andererseits auch den Namen Rose-Marie….  Und daran stört sich niemand.

Die kritische Masse beginnt unter dem Kinn

Absatz. Zurück zu selbigem. Also, gegen Schantal-Gerlinde, nach der ich mein erstes Magengeschwür benannt habe, ist ein marschierendes, ins Manöver ziehende Panzergrenadierbataillon der Appenzeller Special Forces ein Sch…Dreck.  Die Jungs in Dreck-Oliv sehen zwar noch bescheuerter aus als die Kollegin, müffeln dafür aber (zumindest von Weitem) nicht so nach Chanel (No. 5). Und das mit der Gleichschritt, links, zwo, links zwo, haben die trabenden Alm-Öhis auch viel besser drauf. Schantal-Gerlinde hat eine Figur wie eine Hundehütte: In jeder Ecke einen Knochen. Die weiß sie aber unter einer  kapitalen Isolier- und Dämmschicht gut zu verstecken. Anders ausgedrückt: Bei ihr beginnt die kritische Masse bereits unterhalb des Kinns. Wäre sie ein Auto, hätte es bestimmt schon längst eine Rückrufaktion gegeben. Neulich hat die Dame allen Ernstes in die Runde gefragt, ob wir sie zu dick fänden? Antwort: Och, jedes gute Stück Fleisch hat auch einen Fettrand….
Bei ihr könnte es sich durchaus um eine verunglückte Reinkarnation von Ginger Rogers handeln. Aber bei ihr heißt das auch nicht Stepp-Tanz, sondern Depp-Tanz. Auch braucht die Gute, um ein Percussion-Inferno zu entfachen, keine die Trittgeräusche verstärkenden Metallplättchen unter den Hufen. Solche hat sie stattdessen als Piercing an der Backe, was natürlich das Risiko beinhaltet, dass das Mädel nach starken, anhaltenden Regenfällen anfängt zu rosten. Und ich dachte dann immer, dass sei ein besonders raffiniert aufgetragenes Rouge. Damit sieht sie aus wie eine lebende Reklame für vollendete Totenstarre.

Im Gegensatz zu Pferden, die über ein Repertoire von maximal fünf verschiedenen Gangarten verfügen (können), hat Chanel, nee, Schantal, nur eine drauf. Das ist eine krude Mischung aus  “Slow Gait”, gerissenem “Tölt” und gestoßenem “Rack”, wobei die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen aber nicht so fließend sind. Die Tempovarianz im oder zwischen Schritt und Galopp ist jedoch ziemlich hoch und dynamisch.

Abrupte Stopps  in abstrakter Bruchdissonanz

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Eleganter und in einem angenehmeren Frequenzbereich als dem von Schantal-Gerlinde: Das von einer flüchtenden Elefantenherde herrührende Dröhnen ist leichter zu ertragen als das permanente, mit Elementen des “Tennessee Walk Horsing“ angereicherte Stöckeln gewisser Bürodamen. Foto: pixabay

Das Bewegungsmuster orientiert sich von seiner asyncronen Rhythmik her am vierphasigen Zweiertakt, beginnend mit einer diagonalen Zweibeinstützphase vorne links, an der sich dann eine laterale rechts anschließt. Wobei es durchaus auch noch Verschiebungen in der Fußfolge geben kann. Das ist aber tagesformabhängig. Zudem ist die Dame stets bestrebt, zur  Kadenzierung kurze, abrupte Stopps in ihre Bewegungsabläufe einbauen. Ein synkopiertes, jähes Innehalten an der Schwelle zur diametralen und eher abstrakt gehaltenen  Bruchdissonanz.

Nicht nur akustisch ähnelt ihr Bewegungsvokabular dem eines Rosses. Auch optisch (von hinten) gleicht sich die dunkelhaarige Bürosteppenschönheit immer mehr dem Bild an, das ein Brauereigaul beim Ziehen eines Wagens voller Bierfässer bietet. Die Kuppen beider Wesen  ähneln sich in ihrer perspektivischen Ausdehnung auf frappante Art und Weise. Wenn der Dimensionszuwachs in dem bisherigen Tempo anhält – er tut das proportional zum Blätterschwund des Abreißkalenders - muss Lady Klapperabsatz künftig alle sechs Monate die Konfektionsgröße ihrer Aldi-Jeans korrigieren – nach oben. Und geht zum Duschen in die Autowaschstraße. Die Post hat ihr schon mal vorsorglich eine eigene Postleitzahl zugewiesen.

Um diesen Hauch von Korpulenz zu kaschieren, trug das Mädel neulich einen weiten, schreiend geblümten Rock. Als selbiger durch eine unbedachte Körperbewegung nach oben rutschte, traten sich tiefe Gräben und Untiefen auf.  Alle anderen im Raum glaubten, es mit Schlaglöchern zu tu zu haben. Doch das Ganze entpuppte sich als Cellulitis im fortgeschrittenen Stadium.

Eigentlich heißt Schantschnalle gar nicht Schantschnalle – sondern Olga. Olga Kalaschnikova. So steht es in ihrem Pass. Der graue Star war der einzige Promi in ihrer Familie, die aus einer zwischen Kaspischem Meer und Altaigebirge gelegenen, autoritär regierten Präsidialrepublik stammt, die sich genau in der Mitte Eurasiens befindet. Wenn das Mädel, das auf alten Fotos immer viel jünger aussieht als heute,  also, wenn das Mädel das Büro betritt, schnellt die Raumtemperatur nach oben. Aber nicht, weil das so ein heißer Feger ist. Der Kleinen ist es nur ständig kalt. Deshalb müssen prompt alle Fenster geschlossen und die Heizungsthermostate nach oben gedreht werden. Die Klimaanlage bekommt dann wieder mal einen freien Tag.

Olga erinnert nicht nur von ihrer Physiognomie her entfernt an Reptil. Auch die Regelung ihrer körpereigenen Temperaturhaushaltes muss ähnlichen Gesetzmäßigkeiten folgen wie bei Schlangen und Eidechsen. Und bei Fischen. Ich glaube, so etwas nennt man/frau “wechselwarm”. Oder war’s “wechselarm”? Wie auch immer: Schuppen hat sie natürlich auch!

Vergorene Stutenmilch am FKK-Strand des Balchasees

Ihr kehliges, gutturales Herumgekichere – vielleicht handelt es sich auch lediglich um Brunftschreie – geht durch Mark und Bein. Das ist bei ihr genetisch bedingt. Damit haben ihre Ahnen, als sie noch als Jäger, Fallensteller und Unternehmensberater für semiprofessioneller Savannenäuber durch die Kaspische Senke torkelten, in grauer Vorzeit die lästigen Sumpfschildkröten vom FKK-Strand des Balchasees gelockt, um diese in Folge mit albinen Saiga-Antilopen zu kreuzen. Dabei heraus kam, wenn alles gut ging, so eine Art gelb und längsgestreiftes Rüsselschwein mit Kniehkehlen an der Vorderseite. Ausgebeint lieferte diese Kreatur den Grundstoff für das kasachische Nationalgericht “Beschbarmak”. Dabei gibt’s ”Plow”, einen ungenießbaren Reismischmach, der mit vergorener Stutenmilch runtergespült wird. Aber wir schweifen vom Mittagstisch davon.

Wo die junge Dame herkommt, soll es, habe ich bei Wikipedia gelesen, im Winter bis minus 40 Grad kalt werden können. Trotzdem sitzt Olga schon bei einer 26  Grad mit Pelzkragen besetztem Mantel vor dem Monitor. Das aber vermutlich nur, um ihre Gelenke für den Stiefeletten-Samba auf Betriebstemperatur zu bringen. Noch hört sich der etwas unbeholfen an. Aber wir arbeiten daran.

Karneval und Hokkaido-Tai-Chi

Neuerdings versucht die Schnepfe zusätzlich Elemente des “Tennessee Walk Horsing” in ihren Gang zu integrieren. Diese Gangart beinhaltet neben einer viertaktigen Grundausauslegung auch akzentuierte Ausdruckselemente wie Kopfnicken und Zähneklicken. Das hat, zumindest aus kernevalistsicher Sicht, durchaus  Stil, vor allem dann, wenn man/frau das zusätzlich noch mit dem Hokkaido-Tai-Chi entlehnten Fragmenten kombiniert. Das daraus resultierende Bewegungsvokabular ähnelt in seiner Summe jener Choreographie, mit der der Epileptiker überraschend (und unfreiwillig) den Breakdance-Wettbewerb in der Dorf-Disco gewonnen hatte. Dabei hatte er sich an der Theke nur eine Cola holen wollen….
Theorie-choreographisch hätten wir das jetzt unter den Füßen. Aber wenigstens schnaubt und wiehert Schantal-Gerlinde nicht. Das ist eher mein Part…

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