Rotorman's Blog

Hirzenhain: keine gute Idee! Zentrales
Klein-Gartengelände soll Bauland werden

Das Kleingartengelände „Auf dem Löhchen“ in Hirzenhain wird nur noch von wenigen bewirtschaftet. Die meisten Flächen liegen brach und verbuschen. Trotzdem: Es gibt kreativere Möglichkeiten der Nutzung als hier vier Bauplätze auszuweisen.

Von Jürgen Heimann

Die Gemeinde Eschenburg möchte auf dem Kleingartengelände „Auf dem Löhchen“ in Hirzenhain im Zuge eines Umlegungsverfahrens vier neue Bauplätze ausweisen. Ob das eine so gute (und vor allem durchdachte) Idee ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Gegen dieses Vorhaben regt sich (teils)  massiver Widerstand. Mehrere Anwohner und Parzellenbesitzer, deren Flächen die Kommune für dieses als „Vorhaben der Innenentwicklung“ deklarierte Projekt zwingend benötigt, sind nicht bereit, sich von ihrem Grund und Boden zu trennen und zu verkaufen. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen. Das Vorhaben dürfte bereits dann scheitern, wenn auch nur ein Grundbesitzer auf stur schaltet. Und  sei es drum, dass seine Liegenschaft allenfalls Badehandtuchgröße hat.

Der „Lu“, wie die Fläche im hiesigen Sprachgebrauch heißt, wird seit Jahrzehnten als Anbaufläche für Gemüse, Kartoffeln, Beeren und Blumen genutzt. In jüngster Zeit freilich nicht mehr so intensiv wie in früheren Dekaden, als Mangel und Armut noch das Handeln der Menschen hier diktierten. Grob geschätzt werden heuer gerade mal zehn Prozent der Fläche noch bearbeitet. Der Rest verbuscht und versteppt. Was, zugegeben, nicht unbedingt schön aussieht. Bei einer Neuauflage des kommunalen Catwalk-Wettbewerbs „Unser Kaff soll schöner werden“ könnte Hihai damit jedenfalls keinen Blumentopf gewinnen.

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Ins Fotoarchiv gegriffen: Als das Kleingartengelände noch in vollem Saft stand. Diese Aufnahme vom “Lu” entstand Mitte der 50-er Jahre.

Aber das kann schwerlich der Grund für die neuesten Nutzungsüberlegungen im Rathaus sein. Welcher aber dann? Einen Baugrundstück-Notstand in Hirzenhain (Ort) zu reklamieren, lässt sich nur schwerlich halten. Wenn es einen solchen tatsächlich geben sollte, machen vier zusätzliche bebaubare Flächen – die Baugrundstücke wären zwischen 830 und 703 Quadratmeter groß – den Bock auch nicht fett. Auf der anderen Seite gibt es in Groß-Hirzenhain genügend Baugrundstücke, nur eben halt nicht  in der „Hauptstadt“ selbst, sondern im Ortsteil Bahnhof. Und zwar in bester Lage und zu erschwinglichen Konditionen, in der Bussardstraße. Motto: „Traumhaft wohnen in Eschenburg“.

Im Ort finden sich solche Grundstücke allerdings auch. Nur befinden sich die in Privatbesitz. Die meisten Eigentümer möchten nicht verkaufen, und wenn, dann allerdings zu wesentlich gepfefferteren Preisen, als die Gemeinde für ihr eigenes Bauland aufruft.

Wie auf dem Präsentierteller

Der Kinderspielplatz unterhalb des Kurzbeuls verdient diesen Namen eigentlich nicht. Hier regiert einfallslose Tristesse. Was zur Folge hat, dass die Einrichtung kaum frequentiert wird. Auf dem zentral gelegenen Kleingartengelände „Auf dem Löhchen“ ließe sich mit etwas gutem Willen eine für die Kids attraktivere Spiel- und Begegnungsstätte realisieren.

Mal abgesehen davon, dass sich Eigenheimbesitzer in spe auf dem „Löchen“ wie auf dem Präsentierteller fühlen müssten. Eingegrenzt wird die Fläche von der Hirzenhainer Straße im Westen, der Straße „Am Kindergarten“ im Osten und einem unbenamten und unbefestigten Verbindungsweg, der letzterer mit ersterer vernetzt.  Das heutige Kleingartengelände ist von allen Seiten gut einsehbar. Von den Häusern der Anrainer schweift der Blick ungehindert darüber und weit darüber hinaus. Dass sich die Anwohner die schöne Aussicht nicht verbauen lassen wollen, ist nachvollziehbar. Jedenfalls weigern sich einige, ihren Beitrag dazu zu leisten, dass das mal so sein wird. Auch wenn sie die in ihrem Besitz befindlichen Flächen gar nicht nutzen bzw. benötigen. Der aktuelle Status Quo ist ihnen wichtig.

Alternative zum vermurksten “Maulaffenplatz“

Das ist die Situation. Wie die Verwaltung unter Beibehaltung ihre Pläne aus dieser Nummer rauskommen will, bleibt erst mal ihr Geheimnis. Aber vielleicht könnte man den (lahmen) Gaul ja auch einmal von der anderen Seite aufzäumen. Spinnen wir doch mal etwas herum! Wenn das Areal schon seinem ursprünglichen Verwendungszweck nicht mehr gerecht wird und entspricht, warum es dann nicht für etwas ganz anderes nutzen? Der „Lu“ wäre eigentlich ideal und prädestiniert, um hier, für die Zeit nach Corona, ein attraktive Gemeinschaftseinrichtung zu schaffen, einen Ort der Begegnung für Alt und Jung. Ein solcher zu werden hat der triste, von Anfang an verwaiste und konzeptionell völlig vermurkste „Maulaffenplatz“  weiter oben im Dorf nie geschafft. Die einzige Infrastruktureinrichtung dort, die Menschen anzieht, ist der Briefkasten. Und auf die Schautafeln diverser Vereine guckt sowieso kaum jemand.

Es wäre zumindest eine Überlegung wert. Auf dem „Lu“  könnte beispielsweise ein Kinderspielplatz, der diesen Namen auch wirklich verdient, angelegt werden. Um vielleicht jene seit Jahren in ihrer phantasielosen Tristesse vor sich hingammelnde Stätte in Kurzbeul-Nähe, die zwar so heißt, aber aus Gründen, die auf der Hand liegen, kaum angenommen wird, zu ersetzen. Oder wie wäre es mit einer kleinen, um einen Teich oder einen Brunnen herum angeordneten Sitzgruppe, die zum Verweilen und zum gemütlichen Plausch einlädt.  Ein paar Schatten spendenden Bäume – gut, die wachsen  nicht von heute auf morgen in den Himmel – stünden dem Ganzen sicherlich auch gut zu Gesicht.

Optionen und Ideen gibt es genug

Bauplätze gibt es in Hirzenhain genug. In bester Lage und zu erschwinglichen Preisen. Beispielsweise in der Bussardstraße im Ortsteil Bahnhof. Die Gemeinde Eschenburg wirbt dafür mit dem Motto „Traumhaft wohnen in Eschenburg“.

Eine kleine in sich abgeschlossene Anlage für Skateboarder mit Half-Pipe, Double-Wave und Jump-Ramp könnte ebenfalls integriert werden. Minigolf, ja, hatten wir schon mal an anderer Stelle, würde aber hier wieder passen wie das Bällchen ins Löchlein. Was auch auf ein mögliches Tretbecken zutreffen könnte. Ein solches gab’s vor Urzeiten ja auch mal in Hihai. Und warum nicht eine kleine Mini -Freilichtbühne für Konzerte, Laienspiel oder Lesungen? Da genügt schon ein Podest. Eine Kletterwand? Ein Trampolin? Eine Boule-Bahn? Vielleicht auch ein kleiner Grillplatz?

Mit ein klein wenig Phantasie ließe sich da sicherlich vieles bewerkstelligen. Aber ich höre schon das Totschlagsargument, mit dem Verwaltungen und Kommunalpolitik seit Jahren Vorschläge dieser Provenienz abbügeln: „Die Botschaft hör‘n wir wohl, allein uns fehlt die Kohle!“ Dann fangen wir mal klein an und sparen an anderer Stelle: Eine Mittelstreifenmarkierung auf dem zwei Kilometer langen Verbindungsweg zwischen Ort und Bahnhof braucht kein Mensch! Autofahrer eingeschlossen. Für den Gegenwert der Pinsel-Orgie ließe sich schon ein Springbrunnen auf dem „Lu“ realisieren. Und damit wäre doch schon mal ein Anfang gemacht.

Da es vielen Ortspolitikern aber offensichtlich an entsprechendem Gestaltungs- und Kreativpotential mangelt, sie aber, um Handlungsfähigkeit zu suggerieren, meinen, auf anderen, durchaus zu vernachlässigenden Nebenkriegsschauplätzen Pflöcke einschlagen zu müssen, wäre es an allen (parteipolitisch) ungebundenen Hirzenhainer Privatiers, sich in diese Diskussion einzubringen. Unser Bürgermeister ist und wäre sicherlich der Letzte, der sich dagegen wehrt. Schaun‘ mer mal.

 

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