Rotorman's Blog

16. Juli 2019
von Juergen
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Vier Hizenhainer haben an einem
Stück Rock-Geschichte mitgeschrieben

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Bildunterschriften:
„Die Fantastischen Vier“:-) Sebastian Schonert, Tim Holighaus, Norman Klennert und Sina Schmidt (v.l.) schrieben in Frankfurt an einem Stück Rock-Geschichte mit. Fotos: Klennert/Schonert

Von Jürgen Heimann

Den Anspruch, die größte Rockband der Welt zu sein, reklamieren ja nach wie vor die Rolling Stones für sich. Doch gemessen an der (ge)wachsenen Konkurrenz nehmen sich Jagger, Richards und Co. ziemlich mickrig aus. Zahlenmäßig zumindest. Die Personaldecke der XXL-Combo, die unlängst die  Frankfurter Commerzbank-Arena beben ließ, war da schon ein kleines bisschen üppiger als die der verwitterten alten Steine. 1002 Musiker, kein Scherz, langten daselbst vor 15.000 Zuhörern in die Saiten und feierten eine kollektive Sound-Orgie. Bombast-Rock im wahrsten Sinne des Wortes. Und zugleich offizieller Weltrekord. Mittendrin: Vier Instrumentalisten aus Hirzenhain.

„Rockin‘ 1000“ war und ist der Name dieses ambitionierten Projektes, dessen Wiege einst in Italien stand und das jetzt erstmals auf deutschem Boden über die Bühne ging. Die zusammengewürfelte Besetzung war international gestrickt: Die Akteure kamen aus  Deutschland, China, Frankreich, USA , Kanada, Thailand, Belgien – und eben aus Eschenburg. Mit so vielen Kollegen hatten auch Sina Schmidt, Tim Holighaus, Norman Klennert und der Lixfelder Sebastian Schonert von der heimischen Band „RolLix“ noch nie zuvor zusammen agiert. Geschweige denn vor einer derart riesigen Publikumskulisse. Da bekam selbst der abgebrühteste Rock’n‘Roller weiche Knie, durfte sich andererseits jedoch in der Masse sicher wähnen.

18 Rockklassiker auf der Set-List

Drumstick-Mikado: Die große Schießbuden-Fraktion ließ es in der Commerzbank-Arena krachen. Rechts ein kleiner Teil der Sechssaiter. 15.000 Zuschauer/-hörer feierten in Mainhatten die größte Rockband der Welt. Fotos: Klennert/Schonert

18 Rock-Klassiker waren auf der Set-List dieses in jeder Hinsicht einzigartigen Konzerts notiert. Und dabei standen unter anderem The Who, Deep Purple, Die  Kaputten, ähm, nee, die Toten Hosen, AC/DC, Bruce Springsteen, Westernhagen, Jan Delay, Race Againts The Machine, Clash,  Nirvana und Oasis Pate. Und, ja, die „Foo Fighters“ auch. Die waren es schließlich gewesen, die dem Projekt einst das Fliegen beigebracht  hatten: „Learn to fly“.

Gib‘ Gas! Jede Menge Spaß

Die Idee dazu war 2015 in Italien geboren worden, in der kleinen südlich von Ravenna am Fuße der Apenninen gelegenen 97.000-Einwohner-Stadt Cesena. Um die Aufmerksamkeit der amerikanischen Rocker zu gewinnen und sie für einen Auftritt vor Ort  zu bewegen, hatten damals tausend Musikanten -  Hunderte Schlagzeuger, Gitarristen, Bassisten und Sänger  – in einem Park der Stadt eben diesen Song intoniert. Eine verrückte Idee, aber ein voller Erfolg. Da konnte das US-Sextett auf Dauer natürlich nicht Nein sagen. Das war die Initialzündung für „Rockin‘ 1000 – That’s live“.  Die Überlegung dahinter: Warum sich nur mit einem Stück begnügen, wenn es auch ein komplettes Konzert sein kann?  Infolge gab es eben solche auch an anderen Orten des Landes, in Frankreich und, wie unlängst, auch in Germanien. Was da abläuft, vermittelt das folgende kurze Video, das 2017 in Val Veny, im Aostatal am Fuße des Moint Blanc entstanden ist:

Man sieht, die Jungs und Mädels hatten jede Menge Spaß dabei.

Das Casting für diese soundgewittrigen Massenaufläufe erfolgt online. Interessenten können sich durch ein Video bewerben, eine Jury entscheidet, ob tauglich oder nicht. So war es auch bei „RolLix“. Die zur Auswahl stehenden Titel hatten sie seit Januar im gar nicht mal so stillen Kämmerlein daheim geprobt. Kleiner Ausschnitt aus der Tagesordnung: „Jumpin‘ Jack Flash“, „Highway to Hell“, „Born to Run“, „Smoke on the Water“, „Won’t get fooled again“, „Hard to handle“, „Don’t look back in Anger“ und „Should I stay or should I go“. Bei der Auswahl der Stücke war darauf geachtet worden, dass diese möglichst von einfacher Struktur und Akkordfolge waren. Komplexere Kompositionen wären in der Kürze der Zeit mit so einer riesigen Formation nicht umzusetzen gewesen.

Das Fußballfeld als Orchestergraben

Vor Ort blieben den Akteuren zwei Probentage, um sich gemeinsam auf den großen Auftritt vorzubereiten. Ein inmitten des Stadions auf einem hohen Podest platzierter Dirigent gab die Einsatzkommandos, das Fußballfeld als solches diente als „Orchestergraben“.  Die Kommunikation erfolgte über ein kabelloses Kopfhörersystem, über das die Musiker Anweisungen und ihre Clicktracks empfingen. Letztere  wurden auch visuell angezeigt.

Eine Herausforderung auch für die Toningenieure

Unter Freunden: Norman Klennert (rechts) mit dem Vater der Bewegung: Fabio Zaffagnini hatte 2015 im italienischen Cesena den Grundstein für „Rockin‘ 1000“ gelegt und tausend Musiker zusammengetrommelt. Fotos: Klennert/Schonert

Im Vergleich zu den vorangegangenen Events dieser Art war das instrumentale Portfolio noch erweitert worden, um Bläser und Streicher. Auch die Tastenfraktion war angemessen repräsentiert, doch dominierten naturgemäß die Gitarren, Tieftöner und Schießbuden.

„Vor allem für die Toningenieure war das Ganze eine echte Herausforderung“, berichtet Norman Klennert. Aber auch die haben wohl einen tollen Job hingelegt. Für die vier Mitglieder von „RoLix“ war das ein unvergessliches Erlebnis. Schließlich haben die Vier an einem Stück Rockgeschichte mitgeschrieben….

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21. Mai 2019
von Juergen
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Unterhaltsamer, spannender Showdown
zum 50. Jugendwehr-Geburtstag in Hihai

Action, Kameradschaft, Einsatz, Motivation: Die Hirzenhainer Jugendwehr feiert 50. Geburtstag. Für Samstag (25. Mai) laden die jungen Brandschützer zu einem geselligen, spannenden und unterhaltsamen Showdown an das Gerätrehaus in der Ortsmitte ein.

Mit der Gründung einer eigenen Nachwuchsabteilung hatten die Hirzenhainer Florianer 1969 eine Art regionale Uraufführung hingelegt. Es war die  erste Jugendfeuerwehr im Gebiet des damaligen alten Dillkreises. Dieses Jubiläum gilt es zu feiern. Den Festakt zum 50. Geburtstag haben die jungen Brandschützer und ihre erwachsenen Mentoren bereits vor einer Woche hinter sich gebracht.  Am kommenden Samstag (25. Mai) nun wollen sie mit der Bevölkerung ihres Heimatortes feiern. Weiterlesen →

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16. Mai 2019
von Juergen
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Jubiläums-Cocktails: Die passenden
Drinks zur 750-Jahr-Feier Hirzenhains

Wohl bekomm’s: Zur 750-Jahr-Feier haben die Hirzenhainer Luftsportler Jubiläums-Cocktails kreiert. Die leckeren Drinks, die so verheißungsvolle Namen wie „Aviator-Sprizz“, „Thermik-Flipp“, „Sanseife-Gespenst“ und „Happer-Burn-Troppe“ tragen, gibt’s erstmals im Rahmen des Fliegerfest zu Pfingsten.

Die Drinks tragen so verheißungsvolle (aber auch ein-und zweideutige) Namen wie „Himmelfahrts-Kommando“, „Aviator-Sprizz“ oder „Thermik-Flipp“. Aber da gibt es auch das „Sanseife-Gespenst“, den „Happer-Burn-Troppe“ und das „Hoarmoarks-Phantom“. Darf man sich jetzt aussuchen, wo die Reise hingeht. In höhere Sphären oder auf die Geisterbahn. Schwindelig werden kann’s einem dabei bzw. davon allerdings auch. Also Vorsicht! Absturzgefahr! Weiterlesen →

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10. Mai 2019
von Juergen
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Vom rätselhaften Tod und der
postmortalen Odyssee eines Grimbarts

Dachse sind faszinierende Geschöpfe Die Tierrechtsorganisation PETA fordert seit langem ein ganzjähriges Jagdverbot. In der Abschuss-Saison 2017/18 sind den deutschen Nimrods 75.000 Exemplare dieser Erdmarder zum Opfer gefallen. Foto: pixabay

 

Von Jürgen Heimann

Ein toter Dachs sorgt derzeit für Aufregung und Verwirrung. In den Zeitungen und den sozialen Medien. Unter Tierschützern und  Jägern, unter Befürwortern und Gegnern der Jagd.  Und er sorgt für Empörung, Wut, Spekulationen, Hass und Anfeindungen. Je nachdem, auf welcher Seite des Grabens die Beteiligten stehen. Die Ausgangssituation: Ein Naturfotograf hatte den Kadaver des Beutegreifers am Sonntag, den 5. Mai, entdeckt. Auf einer Kirrung (Lockfutterplatz) in der Waldgemarkung von Steffenberg-Oberhörlen. Der Kopf des Tieres fehlte. Der Körper auf  der rechten Seite war blutverschmiert. Weiterlesen →

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5. Mai 2019
von Juergen
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Touchdown in Haiger: Songs mit
Tiefgang und klangvoller Raffinesse

Platz ist in der kleinsten Hütte: Timothy James Meaney (Mitte) gab sich am vergangenen Samstag im Haigerer Franziskaner mit seiner Band die Ehre. Neben Tieftöner Alex Lauer (links) und Drummer Ecki Jung gehörten Svenja Kämpfer und Keyboarder Bastian Kämpfer (nicht im Bild) zur aktuellen Besetzung.

Der Mann hat  gefühlte 30 Kilogramm abgespeckt. Rank und schlank kommt er inzwischen daher. Aber ein musikalisches Schwergewicht ist er geblieben. Wir reden von Timothy James Meaney. Jenem US-amerikanischen Songwriter aus Seattle, den es in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen immer mal wieder in die Gegend verschlägt. Für eine Handvoll Konzerte. Und dann ist er wieder verschwunden. Bis zum nächsten Mal. Weiterlesen →

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28. April 2019
von Juergen
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Bettgeschichten aus Hirzenhain
Erich und der Kaiser von Österreich

Erich Schertler auf der Bettkante von Kaiser Karl (kleines Bild). An der Decke seines Museumszimmers wäre auch noch Platz für das ein oder andere Flugzeugmodell.

Von Jürgen Heimann

Nicht jeder kann von sich behaupten, ein leibhaftiger Kaiser hätte schon mal in seinem Bett geschlafen. Erich Schertler kann es. Und wir reden jetzt nicht von unserem korrupten Fußball-Kaiser. Der heißt außerdem Franz und nicht Karl. Ist aber auch nicht gemeint. Dem hätte der pensionierte Oberstudienrat sowieso auch nie die Türe geöffnet. Karl I. war der letzte Kaiser von Österreich. Und, wenn wir in Geschichte richtig aufgepasst haben, nebenbei wohl auch König von Ungarn, Kroatien und Böhmen. Wurde 2004 von Papst Johannes II posthum sogar seliggesprochen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dem Fußball-Franz ähnliches passiert, ist eher gering. Aber man kann ja nie wissen…. Weiterlesen →

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24. April 2019
von Juergen
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Rotes Licht im Landhaus Hornberg
Skandal im Hirzenhainer “Sperrbezirk”

Auch die Bild-Zeitung berichtete in großer Aufmachung über den Hirzenhainer „Sündenpfuhl“. Doch die inhaltliche Darstellung ist mit Vorsicht zu genießen.

Von Jürgen Heimann

Auch Hirzenhain hatte mal ein Rotlichtviertel. Gut, nur ein ganz kleines. Und selbiges und seine freizügigen Bewohnerinnen sollten dem beschaulichen Dorf kurzzeitig bundesweite Schlagzeilen bescheren. Das war vor 37 Jahren. Im Herbst 1982. Verdammt lang her. Zumindest gemessen an der Zeit, die dem schlüpfrigen Etablissement damals existentiell blieb und vergönnt war. Nach wenigen Wochen war hier nämlich wieder Schicht im Schacht. Aus die Maus. Tilt, game over! Der sündige Pfuhl mit dem unverfänglichen Namen wurde trocken gelegt. Das „Landhaus Hornberg“ war Geschichte. Hat aber auch Geschichte geschrieben, solche mit Lokalkolorit. Weiterlesen →

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22. April 2019
von Juergen
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Gesellschaft für bedrohte Sprachen
erforscht den Hirzenhainer Dialekt

Die Gesellschaft für bedrohte Sprachen (GBS) hat Hirzenhain entdeckt und vor Ort versucht, die Geheimnisse des hiesigen Dialektes zu erkunden. Dabeistand den im Auftrag der UNESCO recherchierenden Sprachforschern unter anderem auch Wolfgang Hermann Rede und Antwort.

Von Jürgen Heimann

„Wais mer mol doi Schlerrerfass, ob do noch moin Wettstoa passt!“ Für ungeübte Ohren hört es sich an wie eine krude Mischung aus Sanskrit, Suaheli, Dari und Döner-Germanisch. Wobei jeder zweite Vokal durch einen Konsonanten ersetzt wird, während die Betonung der einzelnen Silben, soweit vorhanden, je nach Wetterlage und Tagesform variiert. Mit anderen Worten: Der Außenstehende versteht nur Bahnhof. Wir reden hier von keiner Geheimsprache, sondern von Hirzenhainer Platt. Das immerhin den Vorteil bietet, dass man sich damit noch in den entferntesten Winkeln dieses Planeten etwas zu Trinken bestellen kann: „Veier Beijer“. Die Order checkt sogar der begriffsstutzigste Strandkaschemmen-Wirt im Westen Neu-Guineas oder dessen Kellner-Kollege im australischen Outback. Weiterlesen →

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14. April 2019
von Juergen
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Die Hirzenhainer lassen
ihre Weltmeisterin hochleben

Empfang

Skeleton-Weltmeisterin Tina Hermann (zweite von links) ist ein Hirzenhainer Gewächs, lebt aber heute im Berchtesgadener Land. Damit die Ausnahme-Sportlerin ihren Heimatort nicht vergisst, überreichten Ortsvorsteher Heiner Baum (links) und SC-Vorstandsmitglied Susanne Hartel ihr m Rahmen eines Empfangs in der Skihütte ein Exemplar der Ortschronik und einen Kalender mit historischen Fotos. Rechts Horst Hermann, der stolze Papa und Ski-Club-Vorsitzende in Personalunion.

Das große Schild am Ortseingang  signalisiert schon seit Wochen, worauf  bzw. auf wen die Hirzenhainer so stolz sind:  auf „ihre“ Tina. Die Ausnahmeathletin ist ein Gewächs des Dorfes, auch wenn die junge Frau inzwischen nicht mehr hier lebt, sondern  in Bischofswiesen im Berchtesgadener Land.  Aber die enge Bindung  in den Ort bleibt.  Die Eltern, die Geschwister, die Freunde  wohnen hier –   und haben sich, wie die komplette Einwohnerschaft auch, über den jüngsten Coup der Erfolgssportlerin gefreut:  den vierten WM-Titel im Skeleton. Errungen bei den jüngsten  Weltmeisterschaften im kanadischen Whistler. Weiterlesen →

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4. April 2019
von Juergen
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Das „Forsthaus Falkenau“ steht
in der Hirzenhainer Hofstraße

Das alte Forsthaus in der Hofstraße. Hier haben im 18. und 19. Jahrhundert Generationen von Förstern und Jäger gelebt. Damals stand es noch allein auf weiter Flur. Heute ist es Heimstatt von Hans-Joachim und Christa Müller. Das Foto zeigt Ewald Hermann, den Vater von “Hannerts Christa“ und deren Großeltern Moritz und Auguste. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1949.

Es war nicht der Förster vom Silberwald, der da einst, lang, lang ist’s her, in der Hirzenhainer Hofstraße Nr. 8 residierte. Der erste seiner Art hieß Hans. Mit Nachnamen Schumacher. Er war  der Gründer einer ganzen Dynastie von Waldschraten, Feldschützen und Grenzjägern, die im Laufe der Jahrhunderte in fürstlichem Auftrag die Waldungen in und um Hirzenhain durchstreiften.

Auf diesen Hans als ihren direkten Ur-Ur-Ur-Ahnen kann sich auch „Hannerts Christa“ berufen,  die das alte, von der Hofstraße aus etwas zurückgesetzte Gebäude heute mit ihrem Mann Hans-Joachim Müller bewohnt. Beide wissen um die Geschichtsträchtigkeit der Stätte.

IMG-20180822-WA0001Wer es nicht weiß, erkennt kaum, dass das Bauwerk 267 Jahre auf dem Gebälk hat. Mindestens. Es ist damit  sogar 23 Jahre älter als das 1775 erbaute und inzwischen leider abgerissene alte Pfarrhaus. Ein solches Schicksal blieb dem Jägerheim jedenfalls erspart. Auch deshalb, weil die Nachfahren des seinerzeitigen Bauherrn es in den Jahren danach immer mal wieder instandgesetzt, erweitert und renoviert haben.

Von außen ist sieht man dem betagten Gemäuer die Last der Jahrhunderte nicht an. Von innen auch nicht. Die Fassade ist in modernem Stil gestaltet, während hinsichtlich der Innenarchitektur nichts mehr an das niedrige, und verwinkelte Damals erinnert.  Aber Achim Müller weiß schon genau, wo die alten Linien,  Bauelemente und Balken aus der Gründerzeit noch versteckt sind. Verborgen unter Putz, begradigten Wänden und Decken. Apropos Balken:  Die Inschrift auf einem solchen, entdeckt während Renovierungsarbeiten vor ein paar Jahren, lässt zumindest vage Rückschlüsse auf die Entstehungszeit zu. Die Jahreszahl 1752 war dort eingeschnitzt, muss aber nicht zwangsläufig das Baujahr markieren. Die Liegenschaft kann durchaus älter sein. Die zu ihr gehörende, daneben stehende Scheune ist es auf jeden Fall.

Weit und breit kein anderes Haus

Achim Müller entdeckte den fürstlichen Gesellenbrief durch Zufall bei Renovierungsarbeiten auf dem Dachboden des ehemaligen Forsthauses in der Hofstraße Nr. 6. Er bewohnt es heute mit seiner Frau Christa.

Sein wir nicht kleinlich und streiten um ein paar Jahre. Überliefert ist, dass das Anwesen zur Zeit seiner Entstehung allein auf weiter Flur stand. Wie es sich für die Wohnstätte eines Försters halt geziemt. Die damalige Ortsbebauung konzentrierte sich um den Bereich um die Kirche, auf Reh- und Johannesgasse. Heute ist das natürlich ein klein wenig anders.

Zurück zu den Schumachern. Den ersten ihrer Art hatte es Anfang 1655 als Berggeselle auf die Hirzenhainer Höhe verschlagen. Weil er sich in den Gruben des Schelderwaldes ein besseres Auskommen versprach als daheim in Clausthal-Zellerfeld im Oberharz. Er heiratete die Hirzenhainerin Veronika Keller und legte damit den Grundstein für ein Geschlecht, das sich in den nächsten Jahrhunderten in hochherrschaftlichem Auftrag  der Bewirtschaftung und Bewachung der fürstlichen Waldflächen widmen sollte. Woher freilich der Hausname „Hannerts“ rührt, lässt sich nur vermuten. In der direkten Erbfolge gab es viele Nachkommen mit dem Vor- oder Zweitnamen Johannes. Möglicherweise ist „Hannerts“ eine Verkürzung desselbigen.

Der erste in der langen Reihe der familiären „Eichenbinder, wie die Forstleute früher auch genannt wurden, war Hans, der II. Ein Sohn des Harz-Einwanderers.Er gilt als erster Förster von Hirzenhain. Der  Letzte seiner Art war Wilhelm-Moritz Schumacher, der von 1800 bis 1871 lebte. Unter seinen Vorfahren fanden sich immer wieder auch solche,  die als fürstliche Grenzjäger auf Patrouille gingen und Wacht hielten.

Grenzjäger waren, so definiert es Wikipedia, „bewaffnete Beamte, die mit der Sicherung der staatlichen Außengrenze betraut waren“. Und Hirzenhain war ja Grenzland. Direkt hinter dem Ort begann das „feindliche Hinterland“.

Prinz Wilhelm von Oranien ließ dem Hirzenhainer Jung-Jäger Johann Wilhelm Schumacher ein exzellentes Zeugnis ausstellen.

Unter den Wald- und Pirschgänger befand sich auch ein gewisser Johannes Wilhelm Schumacher, der 1859 verstarb. Der Mann war beruflich trotzdem etwas aus der Art geschlagen, denn: Er amtierte einige Jahre auch als Bürgermeister von Hirzenhain. Aus seinem Nachlass stammt ein in akurater altdeutscher Schrift gehaltenes Diensttagebuch, dessen Inhalt sich der Familie Müller aber nur rudimentär erschließt. Kaum jemand kann diese Feder heute noch lesen. Trotzdem: Der Wälzer  dürfte lokal-historisch von beträchtlichem Wert sein und beinhaltet, so ist zumindest ansatzweise zu erkennen,  viele interessante Informationen über das Zusammenleben, die Streitereien und besonderen Ereignisse der damaligen Zeit. Eine Transkription wäre eine lohnende Aufgabe, der sich Achim Müller in aller Ruhe nach der 750-Jahr-Feier stellen will. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

Gutes Zeugnis vom Oranien-Prinz

Es war übrigens auch ein altes, vergilbtes Dokument, dass die heutigen Bewohner  des Hauses Hofstraße Nr. 8 etwas tiefer in die Erforschung der Ahnenwelt einstiegen ließ. Bei der Renovierung des Speichers  hatten sie vor Jahren auf einem Dachbalken liegend eine zusammengefaltete Urkunde aus Schweinsleder entdeckt. Dabei handelte es sich quasi um einen Gesellenbrief, 1767 ausgestellt von Johannes Hartmann, dem damaligen Amts-Jäger des Amtes Dillenburg. Verfasst im Namen des „Durchlauchtigsten Fürsten“, des Prinzen Wilhelms von Oranien.  Darin bescheinigte der Ober-Nimrod seinem früheren Azubi Johann Georg Schumacher, einem „Sohn des dermahligen Herschafftlichen Kräntz-Jägers Wilhelmus  Abertus Schumacher“ anerkennend, „die Jägerey sowie alle auch alle übrige dazu gehörige Wissenschaften sowohl des großen als auch des kleinen Weydwercks“ zu beherrschen.  In diesen Zeiten gab es noch keine strikte Aufgabentrennung und Abgrenzung zwischen Förstern und Jägern. Heute schon.

„Hannerts Moritz“ zieht mit einer Wagenladung Heu am Gasthaus Bender vorbei. Ihn hätten amerikanische Soldaten bei Kriegsende fast auf seinem Grundstück erschossen.

Die Hofstraßen-Schumacher-Linie endete, als Anna  Maria Schumacher 1857 Wilhelm-Heinrich Busch das Ja-Wort gab. Die Nachkommenn trugen dann die Namen Busch, Holighaus und Hermann. Auch Christa Müller, die heute mit ihrem Mann Hans-Joachim  das ehemalige Forsthaus bewohnt, ist eine geborene Hermann. Ihr Großvater Moritz, den alle in Hirzenhain nur  den „Hannerts-Moritz“ nannten, war übrigens der, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs  um ein Haar von amerikanischen  Besatzungssoldaten erschossen worden wäre. Die GI’s hatten hinter seinem Haus Schießübungen veranstaltet. Als Moritz dem Lärm auf den Grund gehen wollte und den zwischen Wohngebäude und Scheune durchführenden „Earn“ betrat, flogen ihm die Kugeln um die Ohren. Einige der Einschußlöcher waren noch Jahre später zu sehen.

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