Rotorman's Blog

Probesitzen zwischen Himmel und Erde
Auf imaginären Stühlen zum Europarekord

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Titel Flugzeug

Seit das neue Absetzflugzeug der Breitscheider Skydiver im Einsatz ist, hat es keine einzige Lärmbeschwerde mehr gegeben. Die „Supervan“ ist ein echter Leisetreter. 20 Springer finden in dem Bauch der schnittigen 900 PS starken Cessna 208 Platz. Noch muss der Brummer ob seiner Größe in einem Hangar des Siegerlandflughafens geparkt werden. Aber wenn das neue Sprungzentrum auf der „Hub“ Wirklichkeit geworden ist, findet sich auch auf der Homebase von Skydive Westerwald ein schattiges Plätzchen für den Vogel. Foto: Skydive Westerwald

Von Jürgen Heimann

Noch existiert das neue Sprungzentrum, das die Westerwälder Fallschirmsportler am Rande des Breitscheider Flugplatzes errichten wollen, nur auf dem Papier – und natürlich in den Köpfen der Bauherren in spe. Gut Ding will halt Weile haben. Flächennutzungs- und Bebauungsplan sind erstellt. Jetzt müssen die “Träger öffentlicher Belange” noch ihren Senf dazu geben. Bis alle Stellungnahmen vorliegen, kann auch noch dauern. Die Skydiver gehen davon aus, erst in 2018 mit der praktischen Umsetzung des ehrgeizigen Projektes beginnen zu können. Insofern wird die neue Saison, die, kein Scherz,  am 1. April beginnt, davon noch nicht  beeinflusst.   

Aufwärmübungen im Trockendock

Natürlich waren und sind die überwiegend ereignislosen Wintermonate, in denen der Sprungbetrieb ruht, viel zu lange. Um nicht ganz aus der Übung zu kommen, geht’s deshalb während der trüben Jahreszeit schon mal aufs Trockendock – in den Windkanal der Indoor-Skydiving-Anlage in Bottrop. Aber das ist natürlich kein wirklicher Ersatz für das reale Freifallvergnügen und dient allenfalls zur Überbrückung.

Bottrop

Training im Trockendock: Die tristen sprungfreien Wintermonate überbrücken die Westerwälder Springsportler mit Aufwärmübungen im Windkanal der Indoor-Skydiving-Anlage in Bottrop. Aber am 1. April – kein Scherz – geht es auf und über der Breitscheider Dropzone wieder richtig in die Vollen. Foto: Skydive Westerwald

Die Investition in ein neues Absetzflugzeug, eine Cessna Supervan, in deren Bauch 20 Springer Platz finden, hat sich ausgezahlt. Nicht nur deshalb, weil die Maschine in kürzerer Zeit und spritsparender deutlich mehr Springer befördern und auf Ausstiegshöhe bringen kann als ihre Vorgängerin. Der Brummer ist auch ein echter Leisetreter, was sich darin zeigt, dass es 2016 keine einzige Lärmbeschwerde genervter Anwohner gegeben hat. Somit ist jedem gedient.

Schlagzahl erhöht: Knapp 10.000 mal vom Himmel gefallen

Trotz der wettermäßig durchwachsenen Saison hatten die gut beschirmten Luftsportler ihre Schlagzahl noch mal erhöhen können. Knapp 10.000 Absprünge weist die Vereinsstatistik aus. Eine neue Bestmarke. Im Jahr zuvor waren es 7.365 „Hüpfer“ gewesen. In der Zahl enthalten sind  1.500 Passagiersprünge, was gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015 ebenfalls eine beachtliche Steigerung um 200 Tandems darstellt. Die “Hub” hat sich in den vergangenen Jahren zu einer “Dropzone” entwickelt, deren Bedeutung weit über Hessen hinausgeht. Parachuter aus ganz Deutschland und dem benachbarten europäischen Ausland gehen bzw. fallen hier ein und aus. Die Frequenz dürfte sich mit Bau und der  Inbetriebnahme des neuen Sprungzentrums noch deutlich erhöhen.

Der SDWW-Kader ist auf 110 Mitglieder angewachsen

Der Stammbesetzung selbst hat sich ebenfalls erhöht. Der von Chrissi Richter geführte Verein “Skydive Westerwald” (SDWW) zählt inzwischen 110 Mitglieder. Wobei auch die intensive Ausbildungsarbeit, für die Eric Postlack verantwortlich zeichnet, Früchte trägt. 20 neue Lizenzspringer aus den eigenen Reihen haben den Pool der Aktiven im vergangenen Jahr verstärkt. In sportlicher Hinsicht lassen die Breitscheider Himmelstaucher ebenfalls nichts anbrennen. Zwei der Ihren, Uwe Haagen und Eric Postlack, waren im vergangenen Jahr an der neuen nationalen Weltbestleistung im “Sequential-Formations-Springen” (Large Formation Sequential) über Tschechien  beteiligt. Und der Vorsitzende ist Europarekordinhaber.

Einsatz verdoppelt: Die Rekordjagd geht weiter

Europarekord

Breakdance am Himmel: 22 deutsche Springer „saßen“ den Europarekord im „Sitfly“ aus. Eine noch neue, aber ziemlich schwierige Wettkampfdisziplin, die aus einer Figur des „Freeflying“ generiert wurde. Chrissi Richter vertrat bei dieser Rekordformation die Farben der Breitscheider Parachuter, deren Vorsitzender er auch ist.

Chrissi Richter, der damit automatisch dem Nationalkader angehört,  teilt sich diesen Titel freilich mit 21 anderen Kollegen aus ganz Deutschland. Über dem nordrhein-westfälischen Marl hatten die die bislang größte “Sitfly”-Formation des Kontinents zustande gebracht. Das ist eine relativ junge Wettkampf- und Stil-Disziplin, die sich aus einer Figur des Freeflyings generiert. Die Körperhaltung der Springer ähnelt der beim Sitzen auf einem imaginären Stuhl. Und das Ganze bei mehr als Tempo 250 vertikal. Aber das war erst der Anfang. Im Frühsommer wollen die ambitionierten Deutschen in Spanien noch eins drauf setzen und  den Einsatz mehr als verdoppeln. Dann sollen 50 Rekordjäger kollektiv in der Luft Platz nehmen. Wer zu diesem erlauchten Kreis gehören darf, entscheidet sich im Frühjahr bei einem Qualifikationsspringen in Breitscheid.

Sunset

Licht am Ende des Tunnels: Der letzte Sunset-Sprung der Saison 2016. Aber wie heißt es so schön? Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Bald geht es wieder los. Foto: Skydive Westerwald

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