Rotorman's Blog

Ringelpietz mit und ohne Anfassen
Irrwitzig choreografiertes Speed-Ballett

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Wo bitte geht’s nach Breitscheid? Stefan Gessner feilt beim Luft-Tango an der Promenadenposition. Foto: Marcel Leicher

Erst fing es, witterungsbedingt, früher als geplant und ganz langsam an, aber dann…  Inzwischen sind die Farbtupfer am Himmel fast schon wieder ein gewohnter Anblick, sei es an jenem von Breitscheid,  dem über Lützellinden oder anderswo. Auf den „Dropzones“ dieser Republik herrscht wieder emsige Betriebsamkeit. Die Damen und Herren Skydiver haben ihre „Ranzerl“ aus dem Schrank  geholt, um sich lang entbehrten aero-tischen Vergnügungen  hinzu geben, bei Tempo 250 in 4000 Metern über Grund. Die winterliche Zwangspause war schließlich lange genug. Da besteht jetzt ein gewisser Nachholbedarf.Die neue Saison ist eröffnet. Und die Prognosen der Wetterfrösche für die nächsten Tage sind so übel auch nicht. Das Stimmungsbarometer in den Feldlagern der Schirmsportler steigt entsprechend. Das ist in Breitscheid, dem bedeutendsten Sprungzentrum im Dreiländereck zwischen Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, nicht anders.

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Welchen schlüpfrigen Witz Matthias Kraft (rechts) seinem Teamkollegen Stephan Abel in 3500 Meter Höhe bei Tempo 300 gerade erzählt, wissen wir nicht. Der Fotograf jedenfalls ist aber ganz dicht dran am Motiv. Foto: Stefan Gessner

Auch die Freeflyer von „Skydive Westerwald“ sind inzwischen wieder in ihre Ballettschlappen geschlüpft, um das ein oder andere irrwitzig-choreografierte Tänzchen aufs himmlische Parkett zu legen.

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Selbstfindung: Nach dem dem Verlassen des Flugzeugs müssen sich die Skydiver erst einmal sortieren Foto: Stefan Gessner

Freeflying in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen gilt vielen als  Königsdisziplin des Fallschirmsportes. Die Athleten sind dabei nicht, wie beispielsweise beim Formationsspringen, an eine fixe Fluglage gebunden, sondern können variieren. Sie stehen bzw. fallen auf dem Kopf („Headdown“),   sitzen in der Luft („Sitfly“) oder scheinen aufrecht zu stehen („Standup“). Sieht schon irre aus. Ist aber ein kurzer Spaß. Ganze 35 Sekunden bleiben den Akteuren, um ihr Programm, das zumindest bei Wettbewerben exakt vorgegebenen Bewegungsprofilen folgt, abzuspulen. Als Solist oder im Team.  Sie erreichen dabei vertikale Spitzengeschwindigkeiten von 300 km/h und mehr.

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Ganz entspannt im Hier und Jetzt: Der Freeflyer genießt die Abendromantik über Breitscheid. Foto: Markus Schäfer

Weil sich das Ganze in großen Höhen abspielt, ist das, was die „Freien Flieger“ da so anstellen, vom Boden aus auch kaum auszumachen. Es sei denn, der Beobachter hat Adleraugen wie „Winnitou“, der Aufsichtsratsvorsitzende der Apachen. Aber für weniger geübte Durchblicker gibt es ja Freifall-Kameraleute. Markus Schäfer ist einer von ihnen. Er war ganz dicht dran am Motiv und hat als visueller Chronist das ausgelassene Treiben seiner Breitscheider Kameraden mit der Video-Kamera festgehalten. Seine eindrucksvollen Aufnahmen verdeutlichen, welches Maß an Rasanz und Ästhetik dieser luftsportlichen Disziplin innewohnt – Romantik im Schein der Abendsonne inklusive. Surreal anmutende Szenen und Streiflichter im schnellen Wechsel der  Perspektiven, gewürzt durch ein Licht- und Farbdesign, das nicht von Menschenhand ist. Lebensfreude pur und Hochleistungssport in einem. Eine kleine Zusammenfassung hier:
http://vimeo.com/91641013

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2 Kommentare

  1. Die BILD muss es ja wissen. Oder ist das Bild gemeint? Woraus schließt er, dass die Jungs durch eine geschlossene Wolkendecke springen? Selbige ist kilometerweit entfernt. Es kommt halt immer auf die Perspektive an.

  2. Springen durch eine geschlossene Wolkendecke laut Bild… nicht erlaubt und unnötig gefährlich! Einfach Irre