Rotorman's Blog

„WellKamm“ bei den „creHaartiven“: Mit
der „Haarley“ in den „Madison Hair Garden“

Figaro-Schön Trinken

Wohl nicht ganz ernst gemeint, aber „SpektacoolHair“: Schild in der Scheibe eines Friseursalons in Strelitz.

„CreHaartiv“ und einfallsreich sind sie ja, unsere Damen und Herren Kopfgärtner. Nicht nur im Umgang mit Kamm, Schere, Gel und Heißluftgebläse zeigen die Vertreter aus der Fraktion der Hairstylisten Fantasie und Mut zum Außergewöhnlichen. Bei der Namensgebung ihrer Beauty-Studios und den entsprechenden Werbeslogans wachsen die Figaros und Figarinen – oder wie die sich auch immer nennen – teils über sich heraus.  Warum die Haar-Ladies nicht gerne als Friseuse bezeichnet werden, sondern die Bezeichnung „Friseurin“ bevorzugen, ist mir allerdings nicht ganz klar. Man sagt ja auch “Fritteuse” und nicht “Fritteurin”. Aber das ist wieder eine ganz andere Nummer.

Also, „Salon Heidi“ oder „Ingas Frisurstübchen“ waren gestern. Heute heißen die haarigen Schönheitsfarmen der trendigen Coiffeure „Fair Schnitt“, „Haltestelle Mittelscheitel“, Schnippelfabrik“ („Der goldene Schnitt“), „LockenRoll“, „Haar 2 O“ oder „Schnipp-Schnapp“. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Mühe, dahingehend einmal die einschlägigen Branchenverzeichnisse zu durchforsten, lohnt sich allemal. Eine wahre Fundgrube. Da finden sich Namen, die lassen einem die Haare zu Berge stehen. Apropos: Gerade das Wort „Haare“ (oder Englisch „Hair“)  verleitet zu den abenteuerlichsten Begriffsspielereien. Was dabei heraus kommt, ist nicht immer originell, aber oft genug. Mal bieder, mal kosmopolitisch, mal frech, mal provokativ oder zweideutig. Hauptsache einprägsam.

 HAARald & HAARibert
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Aus der Zeit gefallen: Bei diesem „Barbier von Sevilla“ scheint es noch recht bieder und gesittet zuzugehen. Die Figaros der Moderne hingegen verstehen ihre Salons eher als Erlebniscenter.
Foto: Matthias Stöbener/pixelio.de

Da gibt es die Salons „Haare Krishna“,  und  „Haarakiri“, die „Haarchitektur“ („All inklusice Beauty“), die „GmbHaar, („Perfectly You“) „Das Szenhaario“ („All you can style“) oder die „Haaruzinationen“. Der Salon „ViHaargra“ passt ins Frankfurter Bahnhofsviertel, während der Salon „Haarald“ zumindest Rückschlüsse auf den Vornamen des Chefs zulässt. Das ist auch bei „HAARald und HAARribert“ („Hässlich war einmal“) der Fall. Ob der Besitzer vom Scheren-Point „Haarschisch“ („Für ‚ne gute Tolle runter mit der Wolle“) gerne mal am Joint nuckelt, wissen wir natürlich nicht, könnte aber durchaus sein. Auf  jeden Fall hat der Glatzentischler des Stüblis „cHaarmant“  eine hohe Meinung von sich selbst.  Ja, und da gibt es noch die „Haarpune“ („Außen neu – für innen sind Sie zuständig“), das „Planethaarium“ („Bei uns sind Sie haargenau richtig“), die „barHAARmas“ („Einfach gut abschneiden“) und den „LiebHaarber“ („Dein Lebens-Abschnitts-Gefährte“).  Ich bin sicher: Die bringen jede ästhetische Sollbruchstelle wieder in Form. Motto: Hässlich war einmal….

„Fönen und Klönen“

Noch exzessiver lässt sich mit dem englischen „Hair“ hairumspielen: Da findet man/frau das „CentHair“ („Gegen eine Pechsträhne ist auch Ihr Frisör machtlos“), den „Coiffeur VoltHair“, den Salon „Rund Hair Rum“ („Damit Sie nie gefragt werden, was Ihr Friseur eigentlich von Beruf ist“)  und sogar einen Frisur-Updater mit dem Namen „CharaktHair“ („Schnitt by Schmidt“). Die passionierten Luftfahrtfreunde, die am liebsten mit der „Hairricane“ fliegen bzw. auf „Lufthaarnsa“ stehen,  können sich in der „Hairbase“, auf dem „Hairport“ , bei „Ryan Hair“ oder, wie in Wien, bei „Austrian Hairlines“ den Mecki toupieren lassen: „Forsten Sie Ihren Kopfdschungel auf“!   Mein Haus- und Hoffrisör um die Ecke („Tuning fürs Haar“) ist dagegen eine echte „Hairausforderung“, schneidet und legt aber ganz „hairvorragend“. Die Musical-Fans pflegen sich beim „Haarlight Express“ von  Andrew Lloyd WebHair, bei der “Hair Side Story” („Scher‘ Dich rein!“) und bei “May Hair Lady” („Fönen und Klönen“) die Tolle für den nächsten Theaterabend oder einen Besuch in der „Phil-Haarmonie“ verdrehen zu lassen, während „Gabi mit den Scherenhänden“, „Dirty Hairy“ („Der mit den Haaren spricht“), der „Hair der Ringe“ („Bis(s) zur Haarspitze“) , „Laurel und Haardy“ , „United Haartists“ , der „Hairlander“ („Mein Schnitt – Ihr Hit“) und „Hairy Potter“ („Modds die Haare uff“) eher die Cineasten im Visier haben dürften. Der „Director`s Cut“ muss es dann aber schon sein.

 Hairschaftszeiten!
Figaro-Zeichnung

Der Hairstylist von heute ist ein Allrounder: Handwerker, Künstler, Entertainer.
Foto: Stefan Bayer/pixelio.de

„Hair Gott“ noch mal und „Hairschaftszeiten“! Der Rockfan geht in den „Madison Hair Garden“ oder auf ein „Open Hair“, und findet es dort ganz  „SupHair“. Weil: „There something in the Hair“. Der Fußballfreund fühlt sich in „Fön-Kurve“ am wohlsten, weil die „Atmosphair“ da eine ganz besondere ist. Die betuchteren Kunden und Kundinnen lassen sich in der „Hair Society“ oder beim „MillionHair“ einen „Kaiserschnitt“ machen (diesen Salon-Namen gibt es tatsächlich), während die armen Schlucker  der „Haarbeiterklasse“ sich gerade mal eine Übernachtung in einer schlichten „Hairberge“ leisten können und letztendlich doch bei „Haarz 4“ landen.  Sofern sie eine schwache Pumpe haben,  werden sie auch schon mal in  die  „HairzChirurgie“ eingeliefert, wo noch mit viel „Hairzblut“ onduliert wird.  Was für ein „HaariGalli“! Wohin mit den Locken? „Hairabdamit“! Kollege „Headonist“ hatte unlängst sein „Kamming out“, und der „Haarspalter“ in der „Hairoinfabrik“ ruft „Komm’Hair“ bzw. „Kommt Hairein“. Er begrüßt seine Kunden mit einem herzlichen „WellKamm“.  „Kamm & go“!

 Friseur mit „Haarndrang“

Kann ja sein, dass das ganze „Hin & Hair“ dem ein oder anderen schon zum Halse „hairaus“ hängt.  Aber damit wäre das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Schwingen wir uns also auf die „Haarley“ und fahren noch ein Stück „Weithair”. Es gibt „Haartürlich“ noch viele weitere abgedrehte und ausgefallene Salonnamen. Das ist „Hairkules – Ihr bärenstarker Frisör“ („Hier findet jede Löwenmähne ihren Dompteur“) ja gerade noch ein Underdog.  „Admiral von Schneider“ ist „Haart und Hairzlich“ und schaut sich bestimmt jedes Jahr an Silvester „Dinner for One“ an, während sein direkter, wegen „Spionhaarge“ vorbestrafter Konkurrent oft ziemlichen „Haarndrang“ verspürt.  In „KandaHaar“ soll es derzeit nicht so gemütlich sein, in der „SaHaara“ auch nicht. Da gibt es noch nicht mal ein „Hairtie“. Aber in/im „Fön-X“  („Kein Schnitt zu spät“) oder im Salon „DeliCut“ („Hier müssen Sie Haare lassen“) feiert „VoKuHila“, der Frisurentrend der 70er, derzeit ein „Kammback“.  „Hair we are“!

„Wächst ja wieder“
Fön explodiert

Verdamp lang hair! Fön explodiert? Hier werden Sie geholfen! „Angels Cut“ – Ihr Coiffeur für alle Fälle.
Foto: Detlef Krentscher

Der „Hairzog“ („Hier werden Sie runderneuert“) gelt den Adel und macht seinen Job nach einhelliger Meinung der Blaublütigen ganz „Spektacoolhair“. Das ist für ihn nämlich (die) „Haupt Sache“.  Der Name „Lock Out“ lässt auf einen PC-affinen Hairdresser schließen. „Pomaden-Paule“ (existiert tatsächlich)  soll ein richtiges „Haarschloch“ (gibt’s ebenfalls) und „Haarlunke“ (auch) sein. Das ist schon „Haart am Limit“. „Kamm in“ and  „Be Hairful“! Bei „Pony und Clyde“ („Wir haben Köpfchen, Sie die Haare“) könnte es riskant sein. „Soll und Haarben“ („Wächst ja wieder“)  ist  d e r Treff für Literaturfreunde. Hier gibt’s alle Bücher von Gustav Freytag zum Lockendreh gratis obendrauf.

 „Haart an der Grenze“
Vampir

Auch ein Vampir muss zum Barbier: Wo der Herr rechts freilich frisieren lässt, bleibt sein Geheimnis.

In Berlin findet man den Salon „Haarspree“ („Heute haben es die Frauen nur noch beim Frisör eilig unter die Haube zu kommen“), ebenso den „Mecki Messer“, in Hannover gibt es doch tatsächlich „Rudi’s Locken Puff“. Das studierende Volk lässt sich seine Mähnen im Salon „Kammpus“ drapieren.  Es ist eigentlich „Zum Haareraufen“, zumal es seit dem  letzten  Besuch dort schon „Verdamp‘ lang hair“ ist. Über „Kurz oder lang“ kommt der „Wellenreiter“ um einen Besuch in der “CUTedrale“ nicht herum, wo ihn allerdings nichts als „Scherereien“ erwarten, ob nun „vorhair“ oder „nachhair“.  Das ist wirklich „Haart an der Grenze“.

 „Einfach gut abschneiden“

Lust but not least wären da auch ein „Hairmes“ („Unser guter Ruf ist nicht an den Haaren herbei gezogen“) , ein „Barbiergarten“ („Um ein Haar“), der „Lock-Schuppen“ („Einfach gut abschneiden“) sowie Beauty-Centren, die schlicht und ergreifend  „Üb-hair-fall“ („Wir machen Dir die Haare aus’m Gesicht“) „Haarpartment“ („Wir scheren uns drum“) , „element.Haar“ oder „Cut-Alysator“ („Wir nehmen es haargenau“) heißen. Und da ist es bestimmt auch ganz „Behaarglich“. Wenn ein Friseur seine Klitsche „Schopfgeldjäger“ nennt, darf man sicher sein, hier ‚ne Menge Kohle lassen zu müssen. Getreu der Devise eines saarländischen Glatzenschneiders: „Wir wickeln nicht nur Ihre Strähnen um den Finger!“ Dagegen gibt’s die Dauerwelle beim „Free Seur“ aber gratis.  Sein Motto: „Haar & Spar“.

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Ein Kommentar

  1. Unglaublich. Da warst Du mal wieder so richtig vokabularkreativ!