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“G 16″ in Duisburg: Vokalpower mit Charme
und Witz – Gipfeltreffen der Musical-Allstars

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Aus dem Musical-Olymp ins Theater am Marientor: Dort geben sich am 20. Januar unter anderem) Maaike Schurmans, Steffen Friedrich, Cornelia Drese, David Michael Johnson, Maria Jane Hyde (obere Reihe von links), Chris Murray, Lucy Scherer, Andreas Wolfram, Anna Montanaro, Paul Kribbe (mittlere Reihe von links) sowie Susan Albers, Ethan Freeman, Lori Zeglarski , Rob Fowler und Maricel (untere Reihe von links) die Ehre.

Von Jürgen Heimann

Für die Musical-Fans hierzulande fängt das Jahr 2018 gut an. Auch wenn es dann schon einige Tage auf dem Buckel hat. Am 20. Januar versammeln sich die Bühnen-Größen zum Gipfeltreffen – im ehemaligen Revier von Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski – Gott hab’ ihn selig. Duisburg, das dahingehend auch schon bessere Zeiten erlebt hat, wird für einen Abend zum Mekka der Szene. Die “Allstars” halten Hof – im Theater am Marientor. Große Namen locken. Die Besetzungsliste liest sich wie das Who’s Who des europäischen Musiktheaters.  

So viel geballte Vokalpower auf einem Haufen bekommt man selten zu sehen bzw. zu hören. Der Grund für diesen Promi-Auflauf: Die Gala-Reihe, die besagten und jeweils in wechselnder Konstellation auftretenden Top-Künstlern ihren Namen verdankt, feiert 10. Geburtstag. Und wenn sich die “Musical Allstars” die Mikrofone krallen, ist das keiner jener Null-Acht-Fuffzehn-Events, mit denen diverse Veranstalter und Tourneeanbieter auf der Suche nach dem schnell verdienten Euro seit Jahren den Ruf einschlägiger Konzertproduktionen erfolgreich ruinieren: durch überteuerte Tickets und dilettantische Umsetzungen, durch miese Playbackeinspielungen statt handgemachter Live-Musik. Und mit Akteuren, die hierzulande kein Mensch kennt, die aber angeblich schon in allen großen Inszenierungen in der ersten Reihe gestanden haben.

Irgendwo im Land mühen sich dahingehend jeden Abend wild zusammen gewürfelte Billig-Ensembles in irgendeiner tristen, provinziellen Stadthalle ab. Und was dabei herauskommt, ist meist erschreckend peinlich. Mit dem Ergebnis, dass sich die enttäuschten Besucher schwören: Nie wieder!

Von Anfang an eine Erfolgsgeschichte

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Musical-Allstars: Der Name ist Programm. Zur 10. Jubiläumsgala gibt es eine volle Dröhnung an Vokal-Power.

Arnim Bartetzky, ausgebildeter Kirchenmusiker, Bandleader und gelernter Ton- und Bildingenieur, hatte vor zehn Jahren damit begonnen, diesem sich inflationär ausbreitenden Ramsch Qualität und Niveau entgegen zu setzen. Das “Allstars”-Projekt  war geboren. Sein Baby. Von der Konzeption her durchdacht, von der Performance her höchst professionell. Und was das personelle Portfolio anging, einzigartig. Kein Akteur von Rang und Namen, der in den vergangenen Jahren nicht mindestens einmal temporäres Mitglied des schillernden Ensembles war. Es blieb jedoch stets bei einem, höchstens zwei ausgewählten Terminen pro Saison. Weil es nicht möglich war und ist, eine so hochkarätige Cast über längere Zeit hinweg zu blocken. Die beteiligten Künstler stehen ja zum Teil noch bei anderen großen Produktionen unter Vertrag und werden nicht für Wochen freigestellt. Aber diese Angebotsverknappung wirkt sich auch belebend aus und verleiht dem Ganzen Exklusivität, einen Hauch von Einmaligkeit.

Hochkaräter lassen es krachen

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Ganz offensichtlich keine bierernste Angelegenheit, sondern ein Event mit hohem Spaßfaktor. Arnim Bartetzky (rechts) ist Maître de Plaisir des Ganzen und gibt als Leiter der Musical Allstars-Band den Ton an. Links im Bild Patricia Meeden. Foto: Stephan Drewianka/musical-world.de

Das “Best-of”-Treffen diesmal  kommt als “G 16″ daher. So viele Positionen stehen auf der Besetzungsliste. Und die ist exquisit und vom Feinsten. Maricel, Ethan Freeman, Chris Murray, Anna Montanaro, Maaike Schurmans,  Paul Kribbe, Rob Fowler, David Michael Johnson, Cornelia Drese, Maria Jane Hyde und Lucy Scherer spielen seit Jahren in der musical-ischen League des Musical-Business. Namen, die jedem Freund des Genres geläufig sind und die er mit vielen schönen und packenden Theaterabenden in Verbindung bringt. Susan Albers, Lori Zeglarski, Andreas Wolfram, Steffen Friedrich und Nyassa Alberta komplettierten die erlauchte Riege. Da kann man nicht meckern! Möglicherweise kommen noch einige weitere Gäste hinzu. Für den guten Ton sorgt die achtköpfige und ausnahmslos aus Berufsmusikern bestehende Allstars-Band unter der Leitung von Arnim Bartetzky.

Gleiche Welle, gleiche Stelle

Fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor war an gleicher Stelle die neunte Auflage dieser beliebten Gala-Reihe über die Bühne gegangen – wenn auch etwas kleiner gestrickt. Aber von den begeisterten Fans und der Presse gefeiert. Die Besucher dürfen sich auch bei der Jubiläumsausgabe auf einen ganzen Sack voll unsterblicher Hits aus den schönsten Musicals dieser Welt freuen, neu arrangiert und serviert von Akteuren, die ihr Handwerk beherrschen. Auch weniger bekannte, aber nichtsdestotrotz genauso reizvolle Kompositionsperlen aus dem unerschöpflichen Fundus dieses Genres stehen auf der langen Setlist. Die abzuarbeiten ist in dem gesteckten, aber nach oben hin offenen Zeitrahmen von drei Stunden schon ein ehrgeizige, sportlich-ambitioniertes Zielvorgabe. Tickets zum Preis zwischen 25 und 49 Euro gibt es im Vorverkauf hier:

Locker, ungezwungen, authentisch

Was das Publikum nicht erwarten darf/sollte (und auch nicht tut):  ein aufgeblasenes und überladenes Entertainment-Spektakel mit Special-Effekts, multimedialen Kicks und Zaubereien aus der high-technischen Trickkiste. Stattdessen ein ganz besonderes, außergewöhnliches Konzert in lockerer, ungezwungener Atmosphäre. Bühnenbild? Fehlanzeige. Kostümrausch? Iwo! Alles überflüssig und verzichtbar. In dieser Hinsicht – weniger ist hier mehr – geht es bei den “Allstars” spartanisch und unprätentiös zu. Im Mittelpunkt stehen die Künstler und die Musik, nicht die Show um ihrer selbst willen. Diese konzeptionelle Ausrichtung hat Charme, ist authentisch – und wohl gerade deshalb so erfolgreich. Ein Konzertnachlese auf dem Fachportal musical-world .de aus dem Jahr 2009 mag das belegen und verdeutlichen:

Zwischen Victor Hugo, Helmut Kohl und Horst Schimanski

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Lecker: Ob Chris Murry bei diesem Nahkampf mit Jessie Kessler vor einem Jahr an eine Liedzeile von Marius-Müller Westernhagen („Willenlos“) gedacht hat, bleibt sein Geheimnis: „Sie hatte Klasse, gar keine Frage. Ich fiel ihr ins Dekolleté…“ Die Vokalgranate aus Spree-Athen ist auch am 20. Januar wieder mit an Bord. Foto: Stephan Drewianka/musical-world.de

Der Schauplatz des Festes, das Theater am Marientor, kurz “TaM” genannt, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Dass der 1.540 Sitzplätze fassende Musentempel überhaupt noch steht, verdankt er der schwächelnden Mercatorhalle, bis August 2012 Spielstätte der Duisburger Philharmoniker. Der Bau wurde wegen Brandschutzmängeln geschlossen, ist aber inzwischen wieder in Betrieb. Das städtische Opern- und Konzertorchester brauchte damals ein Ausweichquartier – und fand es vorübergehend  in dem mittlerweile auch technisch umfassend aufgehübschten  “TaM”.

Dessen Blütezeit liegt allerdings schon ein paar Jährchen zurück. 1995 nach den Bauplänen von Helmut Kohl (nee, nicht denen des verstorbenen Altkanzlers) errichtet, beherbergte die Stätte von Januar 1996 bis 1999 die “Elenden”, die Hunderttausende Fans zu Tränen rührten. “Les Misérables” gilt bis heute als eine der packendsten und berührendsten Musicalproduktionen aller Zeiten. In der nächsten Spielzeit  feiert es übrigens am “Deutschen Sommerbroadway” in Tecklenburg als Open-Air-Inszenierung Wiederauferstehung.

Nachdem Victor Hugos Barrikadenkämpfer in Duisburg durch die Insolvenz der Stella AG hatten einpacken müssen, hat das Haus keine große  En-Suite-Produktion mehr erlebt und wird stattdessen für Einzelkonzerte, Rock-Events und TV-Shows genutzt.

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