Rotorman's Blog

Miese Zukunftsprognosen für alte Greise
mit falschen Illusionen in der Sanddüne

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Düsenjet jetzt über einer Sanddüne. Der englische Begriff „Jet“ besagt bereits, dass der Airliner strahl-, also düsengetrieben ist. Und eine Düne besteht grundsätzlich aus Sand. Fotos: Pixabay

Von Jürgen Heimann

Aus aktuellem Anlass: Amerika hat gewählt. Und das Chaos ist vorprogrammiert. Das Zusammenaddieren der abgegebenen Stimmen sollte schlussendlich zeigen, dass sich die Welt falschen Illusionen hingegeben hatte, als sie irrtümlich glaubte, die andere Alternative zur weiblichen Kandidatin hätte keine Chance. Das Ergebnis der Wahl, ein lästiges Ärgernis, lässt für den augenblicklichen Moment und die spätere Zukunft Schlimmes befürchten und es wahrscheinlich (er-)scheinen, dass sich ähnliche Desaster in anderen Staaten noch einmal wiederholen. Die Zukunftsprognosen sind mies. In der Rückerinnerung auf die Präsidentschaftsjahre von Barakse Ubumba, der bei der vorzeitig abgeblasenen Wahlparty seiner demokratischen Parteifreundin nicht persönlich anwesend war, werden viele diese Jahre noch mal als volksdemokratische Sternstunden hochstilisieren.  

Uff! In diesen vertrackten  Satzkonstrukten reiht sich ein Pleonasmus an den anderen. Ein Begriff, über den mein Arbeitskollege, nach dem ich mein erstes Magengeschwür benannt habe, unlängst im Internet gestolpert ist. Dabei hatte er nach einem ganz anderen, ähnlich klingenden Wort gegoogelt :-). Pleonasmen seien “Bedeutungsverdoppelungen” geht er seitdem stolz mit seinen neu erworbenen linguistischen (Er-)Kenntnissen hausieren. So, als würde man von einem alten Greis reden, der in einen buntfarbigen Anzug gekleidet eine runde Kugel durch das dichte Gedränge einer großen Menschenmenge schiebt, die sich entlang einer Baumallee drängt. OK. Habe ich verstanden.

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Wir rechnen uns schwindlig. Wer die Zahlen auf dem Kassenbon von Lidl zusammenaddiert, müsste strenggenommen auf das Doppelte des ursprünglichen Betrags kommen. Foto: Pixabay

Doppelt-gemoppelt hält besser, hat meine Om(m)a immer behauptet. Obwohl es ja eigentlich “doppelt genäht hält besser” heißen muss. Um noch mal auf diesen multiplen Orgasmus, ähm, nee, also diesen “Pleonasmus” zurück zu kommen: Um einen solchen handelt es sich, wenn dem eigentlichen Begriff eine Erläuterung vorangestellt wird, deren Bedeutung in ersterem bereits enthalten ist. Steht zumindest so oder so ähnlich im Duden. Der Begriff käme aus dem Griechischen und bedeute “Überfluss” oder “Übermaß”. Was bezogen auf die Sprache also “eine überflüssige Häufung sinngleicher oder sinnverwandter Begriffe” wäre. Diese “Spasmen” können als Stilmittel eingesetzt werden, zeigen andererseits aber auch, dass der Sprecher/Schreiber nicht genau weiß, wovon er faselt. Meist ist letzteres der Fall.

Augenblickliche Momente und momentane Augenblicke

Einmal Hand in die Hose: Ganz freisprechen von solchen sprachlichen Irrungen und Wirrungen können wir uns, wenn wir ehrlich sind, ja auch nicht. Passiert uns ständig. Zusammenaddieren, siehe oben, ist eigentlich Blödsinn. Addieren reicht aus. Das Wort beinhaltet ja schon, das etwas zusammen gezählt wird. Gilt auch für das Auseinanderdividieren von Zahlen. Eine Allee wird per se und naturgemäß von Bäumen flankiert, sonst ist es keine. Und ein Ärgernis ist nun mal ein Ärgernis, sonst wäre es ja nicht lästig. Das Wort Kandidatin hingegen verdeutlicht bereits, dass es sich bei einer solchen um eine weibliche Bewerberin handelt. Und wenn jemand anwesend ist, dann ist er es auch, persönlich sowieso. Ob nun nur für einen augenblicklichen Moment oder einen momentanen Augenblick. Richtige Illusionen gibt es auch nicht. Die sind schon von ihrer Begriffsbedeutung her trügerisch und somit eher falsch. Sonst wären es ja keine Illusionen. Über runde Kugeln brauchen wir nicht zu diskutieren, da sie in eckiger Ausprägung äußert selten vorkommen, eher überhaupt nicht. Auch wenn jemand eine ruhige schiebt.

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Baumalleen gibt es nicht. Ohne Bäume wären es ja keine Alleen, sondern ganz profane Strassen. Foto: Pixaby

Und ein bunter Anzug ist grundsätzlich farbig. By the way: Sollte ich in einer Menschenmenge, ob dichtgedrängt  oder nicht, tatsächlich mal einem jungen Greis in einem solchen Outfit  begegnen, lade ich diese geriatrische Lichtgestalt zum Karnevalsball ins nächste Hospiz ein. Das gilt für das Hier und Jetzt ebenso wie für die Zukunft, die naturgemäß immer erst später eintritt und sich auch nicht wiederholen kann, selbst einmal nicht. Weder in einer Diktatur noch in einer Demokratie, worunter ja die Herrschaft des Volkes zu verstehen ist. Insofern wäre eine Volksdemokratie völlig überflüssig. Weil da auch die Wählerstimmen gezählt werden, sofern sie abgegeben wurden.

Es gibt tausende andere solcher Beispiele, angefangen von der weltweiten Globalisierung bis hin zur Zukunftsprognose. Wer stattdessen eine Vorhersage für die Vergangenheit abgeben möchte, sollte sich vielleicht untersuchen lassen. Und ehe ich daran gehe, in einem Anfall von Eigeninitiative mein Zimmer in manueller Handarbeit neu zu renovieren, mache ich erst mal einen Testversuch im Heizungskeller und modernisiere die gute Stube anschließend lieber alt. Dazu bedarf es auch der Mitbeteiligung meines hilfreichen Nachbarn nicht, allenfalls seiner Mitwirkung oder Be-Teiligung. Der Kerl soll angeblich handwerklich versiert sein und besitzt auf diesem Gebiet fundamentale Grundkenntnisse, was wohl auch seinen natürlichen Instinkten geschuldet ist. Aber was denn nun? Ist er nun tatsächlich handwerklich gut drauf, oder soll er es nur vermeintlich und angeblich sein? Eventuell, vielleicht auch nicht, aber trotzdem?

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(Glas-) Vitrinen haben grundsätzlich ein mehr oder weniger großes Glasfenster. Sonst wären es ja nur Schränke. Über runde Kugeln brauchen wir auch zu Weihnachten nicht zu diskutieren. Eckige sind äußerst selten. Und auf ein buntfarbiges Outfit können nur abgedrehte Modeschöpfer kommen. Die Adjektive „farbig“ oder „bunt“ allein für sich würde reichen Fotos: Pixabay

Auf jeden Fall ist der Kerl “fachkompetent”. Ich kann mich aber rückerinnern, dass er mal aus Versehen und in einem spontanen Reflex unsere Glasvitrine zerdeppert hat. Diese Erinnerung ist im Rückblick noch ziemlich frisch. Und Schränke dieser Art haben es nun mal so an sich, dass sie mit einem Sichtfenster aus Glas ausgestattet sind. Sonst wären es keine Vitrinen sondern profane Schränke.

Nach getaner Arbeit, wenn alles erfolgreich geglückt ist, haben wir uns einen Kurzurlaub an der litauischen Ostseeküste verdient. Denn: “Wenn ich die See seh’, brauch ich kein Meer mehr”. Dort gibt es herrliche Sanddünen. Nicht etwa solche aus Split oder Erde, sondern wirklich aus Sand. Solche halt, die aus klitzekleinen Mineralkörnern bestehen und ein natürlich verfestigtes Sediment bilden. Das im Hinterland ebenso wie an vorderster Front. Da kann man mit den Zehen wunderbar runde Kreise in den Untergrund drücken. Kreisförmige Figuren zu zeichnen, wäre hingegen ja langweilig und unkreativ. Derweil ist in niedriger Höhe ein Düsenjet im Landeanflug auf Kaunas zu beobachten. Und dabei handelt es sich leider um kein strahlgetriebenes Propellerflugzeug. Ein erster Vorbote auf die bevorstehende Touristensaison. Und der Pilot hat keinen Jetlag, weil er im Bett lag!

 Und wie war das gleich noch mal mit dem Einzelindividuum? Möglicherweise hat es eine multiple Persönlichkeitsstörung. So wie Michael Jackson, der ja ein (un-)berühmter Star war und jetzt als tote Leiche vermodert. Als er geboren wurde, freute sich seine Mutter über zwei Zwillinge. Doch Brandon, der kleine Bruder vom Moonwalker, starb wenige Stunden, nachdem er das Licht des Kreißsaales erblickt hatte. Michael blieb dann der Einzigste aus diesem Wurf.

Weiße Schimmel und kleine Zwerge

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Hippologen behaupten mit Recht, dass es nicht nur weiße Schimmel gibt, sondern beispielsweise auch rote oder graue. Und es gibt Apfel- und Blauschimmel. Rappen hingegen, deren Name sich von den Raben ableitet, sind grundsätzlich schwarz. Und nur das. Fotos: Pixabay

Als berühmtester Pleonasmus gilt der weiße Schimmel, was die Hippologen allerdings nicht gelten lassen. Sie behaupten, dass Schimmel längst nicht immer weiß sind, sondern in der Regel dunkel geboren werden und erst im Laufe der Zeit aufhellen. So gibt es sie in allen möglichen Schattierungen: als Apfelschimmel, Fliegenschimmel, Fuchsschimmel, Rotschimmel und Blauschimmel (nicht zu verwechseln mit Käse), als Grauschimmel, Braunschimmel und sogar als Schwarzschimmel. Ein weißer Schimmel ist also keine Selbstverständlichkeit, ein schwarzer Rappe eher schon. Dessen Name leitet sich übrigens von „Rabe“ ab. Und diese cleveren Fiederlinge sind ja von Hause aus (auch) schwarz.

Auch hinter “kleinen Zwergen” muss nicht zwangsläufig eine Dopplung stecken. Denn alles ist bekanntlich relativ, und keiner wird behaupten wollen, dass alle Zwerge gleich groß (oder gleich klein) sind. Einige dieser Knirpse mögen größer sein als die Kollegen. War ja bei Schneewittchen auch so. Nicht gratis, umsonst und von ungefähr heißt es im Volksmund: “Auch Zwerge haben mal klein angefangen”. Pflanzen sie sich fort wie die Karnickel, spricht man von Fruchtzwergen. Und die Schambehaarung einer Zwergin nennt man Zwerchfell. Aber das nur nebenbei.

Mit Lessing in der Eisdiele

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Wenn Gotthold Ephraim Lessing von „heißer Glut“ fabulieren darf, dürfen wir uns auch mal ein kaltes Eis gönnen. Fotos: Pixabay

Und wenn schon ein Gotthold Ephraim Lessing in einem Gedicht von “heißer Glut” schreibt, sollten wir uns doch wenigstens auch mal ein “kaltes Eis” bestellen dürfen. Aber wie sagten schon die alten Römer? Quod licet jovi, non licet bovi ! Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

Eng verwandt mit den Pleonasmen sind Tautologien. Hat nix mit Choreografien oder Endoskopien zu tun. Wir reden jetzt auch nicht von ihren logischen Ausprägungen, sondern den sprachlichen. Logische Tautologien sind Aussagen, die (von der Logik her) immer wahr und unzweifelhaft sind. Beispiel: „Wenn es regnet, dann regnet es“. Da ist was dran! Oder: “Beim Flachdach ist das Dach flach”! Auch da muss man erst mal drauf kommen. Könnte aber auch heißen: “Teigwaren sind Teigwaren, weil Teigwaren Teig waren”. Da wird’s schon komplizierter. Und der Mathematiker würde es folgendermaßen formulieren: “A = A”, aber das habe ich bis heute nicht verstanden.

Quatsch mit Salsa : Vob der La-Ola-Welle überrollt

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Auch so ein Grenzfall: Zwerge sind zwar per se klein, aber nicht alle sind gleich groß. Exemplare mit viel Nachwuchs nennt man Fruchtzwerge, die Schambehaarung einer Zwergin Zwerchfell.

Sprachliche Tautologien hingegen sind gleichbedeutende Wörter derselben Wortart, also Wortpaare wie “angst und bange”, “ganz und gar”, “immer und ewig”, “nie und nimmer”. Per Definition also “die Wiedergabe des gleichen Sachverhaltes durch mehrere Synonyme”. Klingt gut. Weitere Beispiele: “schließlich und endlich”, “aus und vorbei”, “still und leise”, “voll und ganz”, “nie und nimmer”. Diese “Verdoppelungen zum Zwecke rhetorischer Verstärkung” genießen schon höheres Ansehen bei unseren Sprach-Gurus, gelten als rhetorische Stilmittel und sind daher über jede sprachliche Kritik erhaben.

Aber selbst da lauern Fallstricke. Vor allem dann, wenn nicht ganz verstandene Begriffe oder Fremdwörter mit im Spiel sind. Die “La-Ola-Welle” ist ein Paradebeispiel dafür: “Ola” ist Spanisch und heißt  bereits Welle. Eine La-Ola-Welle wäre dann ja tatsächlich eine “La-Ola-Welle-Welle”. Das gilt auch für die Salsa-Sauce. “Salsa” ist das spanische Wort für Soße. Deshalb könnte man andererseits auch “Quatsch mit Salsa” sagen. Und wenn wir von „ABM-Maßnahmen“, vom “ABS-System” oder einem “LCD-Display” reden, passiert das Gleiche. „ABM“ ist das Kürzel für “Arbeitsbeschaffungsmaßnahme”, “ABS” bedeutet bereits “Anti-Blockier-System” und “LCD” ist Englisch und heißt übersetzt ” Liquid Crystal Display”. Aber das führt jetzt alles doch etwas zu weit…

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