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Rote Bullen, Monster und Rockstars: Das
lukrative Geschäft mit den Energy-Drinks

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Offen

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Da stecken Gesundheit und Kraft drin – oder etwa nicht? Verbraucherschützer fordern auch für den deutschen Markt ein Verkaufverbot für Energy-Drinks an Jugendliche unter 18 Jahren. Foto: Pixabay

Von Jürgen Heimann

Die (positive) Wirkung sogenannter Energy-Drinks ist umstritten. Und dass einem nach dem Konsum der klebrigen Plörre Flügel wachsen, scheint auch nur ein Gerücht zu sein. Zumindest wurde das unter Laborbedingungen noch nie beobachtet. Doch das Geschäft mit der Koffein-Brause, einem der am schnellsten wachsenden Segmente auf dem Getränkesektor, ist ein gigantisches.  

Allein Marktführer Red Bull hat im Jahr 2016 weltweit sechs Milliarden Dosen von dem Zeugs vertickt. Im Jahr zuvor lag der Umsatz der gesamten Branche allein in Deutschland bei 824 Millionen Euro. Von diesem großen Kuchen schnitten sich, wenn auch in etwas geringerem Umfang, die lieben und zunehmend aggressiver auf den Markt drängenden Mitbewerber von Monster, Rockstar und Relentness ebenfalls eine dicke Scheibe ab. Aktuelle und belastbare Zahlen für das vergangene Jahr liegen zwar noch nicht vor. Aber es dürfte kaum weniger geworden sein.

Wenn junge Leute Power tanken

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sind die vermeintlichen Power-Cocktails beliebt. Viele Kids ziehen sich da täglich schon mal drei, vier oder noch mehr in handlichen Dosen schwappenden Einheiten rein – und überschreiten damit selbst die für Erwachsene maximal empfohlene Koffein-Dosis von 200 Milligramm. Die Hersteller reiben sich die Hände. Dank eines cleveren Marketings sehen sie sich auf der Gewinnerstraße, während es für die Kunden im schlimmsten Fall durchaus auch mal (gesundheitlich) abwärts gehen kann. Dabei lauten die Verheißungen ganz anders. Da ist u.a. von erhöhter Leistungsfähigkeit und Konzentrationssteigerung die Rede.

Der Schuss kann auch nach hinten losgehen

Ausdauer

Ausdauer:
Energy-Drinks erhöhen angeblich Ausdauer, Leistungsvermögen und Konzentration. Inzwischen tummeln sich viele Anbieter auf dem heiß umkämpften Markt für „Power-Brausen“. Foto: Pixabay

Bereits 2009 hatten Wissenschaftler in einer vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Auftrag gegebenen Studie vor den Folgen gewarnt. Vor allem die sogenannten “Energy Shots”, also Energydrinks in hoch- und höchstdosierter Form, seien mit Vorsicht zu genießen und “nicht sicher”. Da kann der Schuss schon mal nach hinten losgehen. Die Empfehlung, diese hoch konzentrierten  Gesöff-Varianten  zu verbieten, verhallte ungehört. Ebenso die nach wie vor aktuelle  Forderung der Verbraucherzentralen nach einer Regulierung des Verkaufs. Dabei warnen Mediziner seit Jahren vor den Gesundheitsgefahren, die gerade jungen Menschen drohen. Energy-Drinks können Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und Nierenversagen verursachen, heißt es. Sogar Todesfälle werden mit den Getränken in Verbindung gebracht.

In unserem ansonsten so überregulierten Michel-Land scheinen die Verantwortlichen aber offensichtlich keinen Handlungsbedarf zu sehen. In Lettland und Litauen hingegen ist der Verkauf entsprechender “Wachmacher” an Jugendliche unter 18 Jahren gesetzlich verboten. Die Gesellschaft der Europäischen Kinderkardiologen und Experten der Weltgesundheitsorganisation hatten sich bereits vor Jahren für eine Altersgrenze für Energy-Drinks ausgesprochen.

LIDL und ALDI-Süd in der Kritik

Unscharf

Goldgrube mit Aludeckel. Marktführer Red Bull hat allein 2016 weltweit sechs Milliarden Dosen seiner koffeinhaltigen Brausen abgesetzt.

Die großen Handelsketten hierzulande ficht das nicht an. Die machen ja ein Bombengeschäft damit. Aktuell stehen ALDI-Süd und LIDL in der Kritik. In ihren Filialen in Großbritannien geben die Discounter die zuckrigen Koffein-Bomben inzwischen nicht mehr an Jugendliche ab, in ihrem Stammland Deutschland tun sie das aber unverdrossen. Und sehen keinen Anlass, diese Strategie zu überdenken.

Kein Verkauf an unter 18-Jährige

Die Verbraucherorganisation “foodwatch” hat deshalb eine Kampagne gestartet, die Handelsriesen notfalls dazu zu zwingen. Das geht freilich nicht ohne die Politik und den Gesetzgeber. Eine an Bundesernährungsministerin Juliane Klöckner adressierte Unterschriften- und Email-Aktion soll Bewegung in die Sache bringen. Ob die Dame dafür freilich die richtige Frau am richtigen Platz ist, bleibt fraglich. Schon bei der geforderten Nährwertkennzeichnung für Lebensmittel (Lebensmittelampel) hat die CDU-Politikerin zur Freude der Lebensmittelindustrie unlängst kräftig auf die Bremse getreten.

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