Rotorman's Blog

Airpower: Prächtige Kampfflugzeuge
in durch und durch friedlicher Mission

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Das Schmuckstück der Sammler und Hobbywelt in Buseck: Ein „Starfighter“. Die F 104F hatte Gründer Harald Busse einst im militärhistorischen Museum in Berlin-Gatow gegen einen Reservistenkrug eingetauscht.

Von Jürgen Heimann

Dass KGB und CIA die nur schlecht getarnten Kampfflugzeuge längst entdeckt und als für die nationale Sicherheit ihrer Länder als harmlos eingestuft haben, sei einmal unterstellt. Aus der Luft wirkt die imposante Flotte an fliegerischem Kriegsgerät schon ziemlich gefährlich. Aus der Nähe betrachtet erweisen sich die Exponate als friedliche Ausstellungsstücke, aber auch als echte Eye-Catcher. Ein multilaterales Geschwader, das sich sowohl aus den Beständen des ehemaligen Warschauer Paktes, als auch jenen der Nato rekrutiert. Starten werden die schnittigen Jets nie mehr. Und bald wird auch ihre aktuelle Parkposition Geschichte sein. Die Sammler- und Hobbywelt in Buseck schließt. Ende September ist hier Schicht im Schacht.

Dieses weit und breit einzigartige Sammelsurium an Museums- und Liebhaberstücken unterschiedlichster Ausrichtung und Prägung hat zehn Jahre lang Neugierige, Schaulustige und Staunende angezogen wie die Motten das Licht. Ganze Schulklassen inklusive. Die Besucher kamen nicht nur aus ganz Hessen, sondern auch aus den benachbarten Bundesländern. Teils auch aus dem Ausland. Verfehlen konnten sie ihr Ziel nicht. Das weiträumige Areal liegt gut sichtbar an der Gießener Straße, von der aus der Außenbereich gut einsehbar ist. Und was sich im Indoor-Sektor der Einrichtung, einer ehemaligen Möbel- und Lagerhalle, verbirgt, erschließt sich dem Besucher auch nicht auf Anhieb. Um das zu erkunden, braucht er mehrere Stunden. Am besten einen ganzen Tag. Und hat dann noch immer nicht alles gesehen. Hier kann man die Zeit vergessen, oder in selbiger zurückreisen:

Mit besagter Sammler- und Hobbywelt wollte Harald Busse, der ehemalige Verleger des Sonntag-Morgenmagazins, sein Lebenswerk krönen und sich einen Lebenstraum erfüllen, als er selbige vor einem Jahrzehnt zusammen mit seinem Bruder Bernd aus der Taufe gehoben hatte. Die beiden Gründerväter sind inzwischen verstorben. Harald Busse im Sommer 2017. Seine Familie, die Ehefrau und Tochter Marion Bauer können das aufwändige und zeitintensive Projekt nicht mehr alleine betreuen und stemmen. Sie haben sich deshalb schweren Herzens entschlossen, das Licht zu löschen. Der wertvolle Inhalt dieser 4.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche umfassenden Wunderkiste wird teils direkt, oder auch über Auktionshäuser versteigert. Aus genau wie vielen Exponaten der riesige Fundus besteht, wissen auch die Noch-Besitzer nicht. Es sind Zigtausende. Millionen.

Trachten, Pillen und Castro-Torpedos

Der Kick mit der MIG: Gleich zwei 21er aus der Waffenschmiede von Mikojan-Gurewitsch stehen auf dem Außengelände der Sammlerwelt. Die „Fishbed“ (links) war einer der am meist gebauten Abfangjäger der Sowjets. Rechts eine Fouga-Magister. Das zweistrahlige Schulflugzeug mit dem charakteristischen 110 Grad-V-Leitwerk wurde auch von der Bundesluftwaffe als Trainer eingesetzt. Die Patrouille de France flog über 800 Shows auf diesem Muster.

Was das Ganze für Besucher jeden Alters so interessant und faszinierend machte bzw. macht ist die konzeptionelle Ausrichtung. Und zwar deshalb, weil es eine solche gar nicht gibt. Die Betreiber hatten sich von Anfang an nicht auf ein bestimmtes Fach- bzw. Sammelgebiet festlegen wollen. Das ließ ihnen alle Optionen offen. Und so fand sich hier verteilt auf zwei Etagen zusammen, was eigentlich nicht zusammen passte. Da gibt es Militär- und Feuerwehruniformen und Mützen aus mehreren Jahrhunderten, ländliche und städtische Hochzeitsgarderoben von früher, Waffen, Trachten, landwirtschaftliche Gerätschaften von anno dazumal, Blechspielzeug, Puppen und komplette Landeinrichtungen aus Großmutters Epoche. Beispielsweise die von Tante Emma, oder eine historische Amtsapotheke, eine Schuhmacherwerkstatt und einen Barbiersalon.

Der Entstehungsprozess eines Castro-Torpedos vom Tabakblatt bis zur fertigen Zigarre lässt sich anschaulich zurückverfolgen. Die Abteilung mit Schiffs- und Flugzeugmodellen ist nahezu unüberschaubar und wird in ihrer Vielfalt eigentlich nur noch durch die mit alten Musikinstrumenten übertroffen. Auf einem der vielen betagten Saiteninstrumente muss schon Troubadix geklimpert haben.

Guter Tausch: Ein „Starfighter“ gegen einen Reservistenkrug

Die „Gina“ trägt die Lackierung der berühmten italienischen Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ Von Hause aus ist die Fiat G.91 aber ein Erdkampf.- und Aufklärungsflugzeug, das auch die Bundesluftwaffe einst in großer Stückzahl flog.

Ganz nebenbei beherbergen die Busecker die größte Carrera-Rennbahn Hessens. Aber das ist nur ein Rundkurs unter vielen anderen. Nebenbei verlieren sich ganze Modelleisenbahnlandschaften am Hallenhorizont. Deren Signale für die freie Fahrt ins Legoland stehen auf Grün. Nicht zu vergessen die stattliche Sammlung historischer Reservistenkrüge, die zu den größten des Landes gehört. Einer dieser von Liebhabern besonders geschätzter Becher war es auch, der den Busses den Weg aufs militärische Flugfeld geebnet hatte. Dem militärhistorischen Museum in Berlin-Gatow war der Humpen so viel wert, dass er das kriegerische Trinkgefäß gegen einen veritablen „Starfighter“, eine zweisitzige F-104 F (Trainerversion), eintauschte. Die dann natürlich einen Ehrenplatz auf dem Ausstellungsgelände erhielt.

Schneller Franzose: Eine Mirage III. Als sie noch flog, tat sie das mit 2400 Stundenkilometern.

Der schnittige Jet sollte nicht lange alleine bleiben. Nach und nach kamen andere “Lötlampen” hinzu. Zwei MIG-21 aus Russland, eine Mirage III, eine Dassault Mystére IV A, eine Fouga-Magister und eine Fiat G.91 R3 „Gina“ in der Originallackierung der Frecce Tricolori. Das waren noch Zeiten, als die italienischen Himmelsartisten auf diesem Muster geturnt haben. Die US-amerikanischen Acro-Kollegen, die „Thunderbirds“, sind mit einem „T-Bird“ präsent, eine Lockheed T-33 A, wie sie einst auch die deutsche Luftwaffe in 192-facher Ausfertigung nutzte. Imposante Hubschrauber, Trainer und Agrarflugzeuge runden die Palette ab. Und jedes einzelne, meist von Anekdoten umrankte Stück hat seine eigene, besondere Geschichte.

Als der Hausmeisteraus dem Hubschrauber fiel

Die T-Bird (rechts)wurde einst auch von der US-Amerikanischen „Thunderbirds“ geflogen. Auch bei der German Air Force war die Lockheed T-33 A in 192-facher Ausfertigung im Einsatz. Links ein Mi-8-Helikopter aus russischer Produktion, im Hintergrund eine Dassault Mystére IV A.

Eine solche ist auch die vom Hausmeister, der aus einem Helikopter gefallenen war. So lautete die bei der Rettungsstelle eingehende Erstmeldung. Weshalb die Jungs dort auch mit dem Schlimmsten rechneten. Doch der Pechvogel hatte den freien Fall mit, wie sich herausstellte, einem Armbruch und einem lädierten Bein überstanden. Weil der Drehflügler zu dem Zeitpunkt, als das Malheur passierte und er aus der Luke gestürzt war, am Boden stand. Was er immer noch tut. Der Mann hatte Besucher den Innenraum des Helis gezeigt, wobei sich durch einen dummen Zufall die Hecktüre geöffnet hatte. Er fiel eineinhalb Meter tief nach draußen. Und die Besucherin, die die nur zu Dekozwecken  in der Ausstellungshalle aufgestellte Bordtoilette des A 320 trotz Warnung tatsächlich fürs kleine Geschäft genutzt hatte, fiel aus allen Wolken. Weil sie nämlich die feuchte Bescherung auch selbst wieder aufwischen musste.

Autofahrerin kollidierte mit Helikopter

Schiff ahoi! Die Anzahl maritimer Modelle ist fast unüberschaubar.

Auch die Meldung, der zufolge eine Autofahrerin mit einem Hubschrauber kollidiert sei, ist unlöschlich in den Annalen der hiesigen Polizei verewigt. So was kommt ja schließlich auch nicht alle Tage vor. Und das war der Frau tatsächlich passiert. Nur eben auf andere Weise, als es die Unfallmeldung glauben machte. Die Dame hatte beim Rangieren mit ihrem Pkw auf dem Ausstellungsgelände das Brems- mit dem Gaspedal verwechselt und war mit Karacho in das unschuldig vor ihr abgestellte Fluggerät gekracht. Der Schaden an selbigem war jedoch deutlich geringer als am Auto.

Während der Ausstellungsbetrieb Ende September eingestellt wird, laufen die beliebten Sonderveranstaltungen und -aktionen bis Jahresende weiter – und aus. Dazu gehören die Kinderflohmärkte, der samstägliche Trödelflohmarkt und die Modellbaubörsen. Und zu guter wird noch mal blank gezogen. Am 2. Dezember beginnt die “Nacht der langen Messer”. Die Hobbywelt ist Schauplatz des 25. Hessischen Messersammler-Treffens, des größten seiner Art in Deutschland. Hiuer geben sich dann Messermacher, Zubehörhändler, Bogenbauer, Ausrüstung für Outdoor und Survival die Klinge in die Hand.

Die aktuellen Termin finden sich hier: https://www.suhw.de/

Mit dem Fundus an alten Musikinstrumenten könnte die Sammler- und Hobbywelt mehrere Orchester komplett ausstatten.

 

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