Rotorman's Blog

Die Kraniche sind auf Retour-Kurs
Die erste große Rückreisewelle „rollt“

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Weil das Heimweh beflügelt, fällt das Frühstück aus. Vorbeiflug in der Morgenröte. Die ersten Kranichschwärme sind auf der Heimreise zu ihren angestammten Brutgebieten. Foto Helmut Weller

Es geht Nachhause!! Die erste Rückreisewelle rollt, ähm, nee, fliegt. Nachdem zigtausende von Kranichen im vergangenen Spätherbst auf dem Weg in ihre französischen und spanischen Winterquartiere auch und gerade am Himmel Hessens für spektakuläre Naturschauspiele gesorgt hatten, geht es jetzt auf den klassischen Routen über Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und vor allem Hessen retour. Kurs: Nord-Ost. Die milde Witterung und die damit verbundene Hoffnung, in ihren angestammten Brutgebieten, beispielsweise in Skandinavien oder auch an der Mecklenburg-Vorpommerischen Ostseeküste, wieder ausreichend Nahrung zu finden, hat die stolzen Schreitvögel veranlasst, die Koffer zu packen und den Heimflug anzutreten.
Der gestaltet sich weniger auffällig, da die Schwärme deutlich kleiner sind als bei der Hinreise – noch. Vielleicht handelt es sich ja auch nur um die Vorhut,  oder halt um Kundschafter, die zu Hause vor Ort erst mal die Lage peilen wollen/sollen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die letzten Winterflüchtlinge in den Süden abgereist sind. Vor zwei Wochen, als es im Norden bitterkalt wurde, gab es die vorerst letzte Wanderungsbewegung.
Es wäre andererseits aber auch nicht ungewöhnlich, wenn die hochbeinigen Langstreckenflieger, sollten sie von einer Kältewelle überrascht werden, wieder umdrehen und zurück ins Winter-Asyl flattern. Seit Mitte vergangener Woche ziehen die imposanten Tiere in überschaubaren Gruppen auch wieder über Mittelhessen hinweg. So stehen die Chancen derzeit gut, die „Vögel des Glücks“ am Himmel zu sichten oder zumindest aus der Ferne ihre Rufe zu hören. Beobachter sprechen von täglich etwa 1500 Exemplaren auf der Zugschiene Eifel-Lahntal.
Südlich von Berlin hat sich eine Population von etwa 1500 Tieren diese Mühe erst gar nicht gemacht. Die imposanten Fiederlinge (nur die Harten kommen in den Garten) haben dort, bei Königs Wusterhausen, das nur wenige Kilometer vom neuen Hauptstadt-Pannenflughafenentfernt liegt,  ausgeharrt und inzwischen sogar schon mit der Balz begonnen. Let’s dance! Der berühmte „Kranichtanz“ ist ein beeindruckendes Ritual. Eine flotte Sohle, wenn auch mit inhaltlichen Abstrichen, legen die Verliebten zwar während des gesamten Jahres aufs Parkett, und das zumeist in der frühen Morgendämmerung, die Show ist aber von der choreografischen Intensität her während der „Anbaggerphase“ deutlich ausgeprägter als sonst. Beim Tanzen springen Männchen und Weibchen mit ausgebreiteten Flügeln laufend umher und lassen ihr lautes Trompeten hören. Aber auch Prahl-Gesten, kurvenreiche Sprints,  Einknicken der Beine (wie Schmidtchen Schleicher), Springen sowie das Hochschleudern von Pflanzenteilen gehören zum Programm.  Da könnte „Bauer sucht Frau“ noch was lernen.
Wenn es im Winter mild bleibt, bleiben auch die Kraniche. Das zeigt dieses Beispiel. Durchaus denkbar, dass die Vögel diese Strategie auch an ihre Nachkommen vererben. Das vermutet zumindest der Ehringshäuser Tierfotograf Helmut Weller, der seine Ausrüstung in diesen Tagen wieder auf dem Nachttischschränkchen deponiert hat. Für den Fall, dass es mal schnell gehen muss…

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Auf mächtigen Schwingen Kurs Nord-Ost. Auch über Mittelhessen lassen sich in diesen Tagen die zurückkehrenden Frankreich- und Spanienurlauber beobachten. Die haben keinen Blick für die Schönheiten entlang der Wegstrecke. Sie wollen nur nach Hause. Foto: Helmut Weller.

Das Verhalten der Berliner Kranich-Fraktion könnte Schule machen. Möglichst lange oder überhaupt Standvogel zu bleiben, hat Vorteile. „Man“ spart Energie und ist in der Lage, schon relativ zeitig wieder die besten Brutplätze für sich zu vereinnahmen. Dieser Trend ist ja auch bei den Staren zu beobachten und wird  sich verstärken, sollte es mehrere laue Winter hintereinander geben. Leute wie Weller freut es andererseits natürlich, wenn die Vögel reisen. Dann kommen sie fast an seiner eigenen Haustüre (bzw. darüber) vorbei  – und ihm glücken die prächtigsten Aufnahmen. Ansonsten müssen er und seine Kollegen, um „Grus grus“ und Co. vor die Linse zu bekommen, ein paar hundert Kilometer an Dunkeldeutschlands Ostseeküste pilgern, was sie auch tun.   Doch die Chancen, dass sich Kraniche auch bei uns in Hessen häuslich einrichten, sind so schlecht auch wieder nicht. Biologen schließen nicht aus, dass sie künftig auch wieder zum Brüten im Land bleiben. So sind laut der Staatlichen Vogelschutzwarte Frankfurt in Bayern und im Elsass bereits einzelne Bruten gesichtet worden. Aber auch in der Wetterau, wo viele Kraniche eine Päuschen auf dem Zug in südliche Gefilde einzulegen pflegen, hat man schon einzelne Exemplare zur Brutzeit gesehen, berichtet Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu). Aber sie bestehen auf eine störungsfreie Umgebung. Lärmteppiche, wie sie von Autobahnen oder ICE-Trassen geknüpft werden, sind ihnen ein Gräuel, Fußgänger mit Hunden oder Mountainbiker ebenfalls.

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