Rotorman's Blog

Die “WELT” schenkt der Welt den Nazi-Bären
Görings Terror-Petz marschiert in Belgien ein

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Hermann und sein alter Kumpel und Kriegskamerad Walter, der Nazi-Bär. Da war er noch nicht ganz so fett, also der „Waschi“Bär, nicht der Reichsmarschall. Grafik: Artemtation

Wer, bitteschön, erklärt mir die Welt? Die “WELT” schon mal nicht. Das ist sicher. Und wenn das konservativ-bräsige Springerblatt, das sich immer gerne den Anschein von Seriosität gibt, es denn mal versucht, geht es garantiert daneben. Aber, für eine wissenschaftliche Sensation sind die Schreiberlinge mit unserem blauen Planeten auf dem Titel immer gut. Jetzt haben besonders findige Mitglieder der Redaktion sogar eine neue Tierart entdeckt: den “Nazi-Waschbären”. Gilt unter Zoologen und Biologen als Jahrhundert-Entdeckung. Dafür gibt es bestimmt den Friedens-Hobelpreis…Wie das in diesem großen Verlagsunternehmen üblich ist, nimmt man es auch im Eine-WELT-Laden mit den Tatsachen und der Wahrheit nicht immer so genau. Hauptsache mal einen schnellen, plakativen Schnellschuss fabriziert. Ein paar reißerische Headlines generiert und an die niederen Instinkte der Leserschaft appelliert. Vom großen BILD-Bruder Titeln lernen, heißt schließlich Siegen lernen….Man muss die Vorurteile und Ressentiments der Leser ja bedienen und pflegen – oder auch erst mal wecken. Denn die zahlen ja dafür. Aber es werden immer weniger. Seit 2005 ist die Auflage des Blattes für dumpfe Intellektuelle um 20,2 Prozent gesunken und beträgt heuer 200.577 Exemplare.  Aber das ist immer noch ein großes, fruchtbares Feld, um gezielt einseitige und lancierte Botschaften in den Köpfen der Menschen zu verankern.

Flüchtlinge können sich nicht wehren. Also drauf! Arme, Arbeitslose, Obdachlose und Sozialschwache auch nicht. Knüppel aus dem Sack! Ja, und auf Waschbären kann, darf und soll man/frau auch gefahrlos einprügeln können. Die haben nämlich erst Recht keine Lobby. Ähmm? Ja, diese kleinen knuddeligen Petze, hinter deren lustigen Maskerade sich eine teuflische Fratze verbirgt. Und denen hat jetzt eine besonders Welt-gewandte junge Journalistin der “WELT” mal wieder so richtig gezeigt, wo der Hammer hängt. Genau, der, mit man alle diese gefräßigen invasiven Bestien am besten erschlagen sollte. Die belesene Dame hat sich mal so richtig am Thema abgearbeitet, den schwarz-weiß-designten Killern, wie beabsichtigt, einen Bärendienst erwiesen und dabei den Bären mal so richtig steppen lassen.

Einen bärenstarken Bären aufgebunden

Header02-kleinDabei heraus kam eine  bärenstarke Story!  In den Print- und Onlineausgaben vom 30. September und 1. Oktobern der Postille  schildert uns die Groß-Cousine von Reporterlegende Eugen-Erwin Kisch in den dunkelsten Farben, was wir, seit dieses Republik flächendeckend mit dem propagandistischen kleinen Jäger-Latinum überzogen wird, ja sowieso alle wissen. Die Viecher müssen weg! Sie rütteln an den Grundfesten unseres Daseins. Und sie zerstören nicht nur die Zivilisation, sondern auch das Gleichgewicht in der Natur. Das muss halt hin und wieder auch mal in aller Deutlichkeit gesagt werden. Sonst erlahmt der künstlich aufrecht erhaltene Jagddruck am Ende noch. Ach so: Wir reden jetzt von den Waschbären, nicht den Waidmännern.

Jetzt sollte man selbst von einer Zeitung wie der WELT erwarten können, dass sie Meldungen auf ihre Stimmigkeit hin überprüft und hinterfragt. Aber das ist ja oft nicht nur den Kollegen “meiner” kleinen regionalen Lokal-Klitsche schon zu mühsam. Auch die großen Hunde der Branche pinkeln da mitunter schwer daneben. Da wird die mörderische Horrorstory, der zufolge die gefräßigen Plagegeister jetzt den Spieß umgedreht hätten und ihrerseits Jagd auf ihre Verfolger machen würden, zum x-ten-Male unreflektiert ins Blatt gehoben. In Brandenburg, so zog es vor ein paar Wochen in Endlosschleife durch den deutschen Blätter-und Digitalwald, hätten Amok laufende, undankbare Waschbären in vier Fällen Jagdhunde getötet. Dabei hatten die, also die Bellos, doch nur mit ihnen spielen wollen…

Hunde-TV in den ewigen Jagdgründen

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So möchte (nicht nur) „Die Welt“, dass die Welt ihn sieht: der bösen Waschbär als Nazi-Scherge. Grafik: Artemtation

Gut, jetzt nicht direkt. Deren Besitzer, Jäger, hatten die Waldis ins Wasser gehetzt, wo die pelzige Beute sich gerade den Schweiß vom Pelz wusch. Und da diese Tiere sich nicht kampflos ihrem Schicksal ergeben wollten, wehrten sie sich. Die Wauwaus ertranken. Dumm gelaufen! Der tatsächliche Ablauf des Geschehens hätte sich mühelos durch einige wenige Klicks im Internet herausfinden und verifizieren lassen. Aber wir wollen es mit der akribischen Recherche ja nicht übertreiben. Die armen, gemeuchelten Hunde schauen sich jetzt in den ewigen Jagdgründen die Radieschen von unten an – und nebenbei auf Großleinwand die Waidmann-Klamotte “Halali – oder ein Schuss ins Brötchen”.

Der Bär, den ihren gläubigen Lesern nicht nur besagte Welt-/WELT-Journalistin aufgebunden hat, erinnert so ein bisschen an die unvergessene Räuberpistole aus den gefahrvollen, risikoreichen Pioniertagen des E-Zigaretten-Rauchens. Damals hatte die um ihre Umsätze fürchteten Tabak-Internationale genüsslich die Mär von einem bizarren Unglück rund um die Welt geschickt, bei dem einem e-Smoker durch den explodierenden Akku seiner Stromkippe das halbe Gesicht weggerissen worden sei. Das war der schlagende, unumstößliche Beweis für die Gefährlichkeit des Dampfens. Erst nach und kam heraus, dass das Opfer, übrigens ein Amerikaner, seine ihm Genuss bereitendes Nuckel “frisiert” und mächtig aufgerüstet hatte, und zwar mit einem Heizstab, dessen Power ausgereicht hätte, einen Jumbo-Jet auf Reiseflughöhe zu bringen. So wird  Stimmung erzeugt und Meinung beeinflusst. Und auch die WELT und andere Gazetten können auf dieser Klaviatur virtuos klimpern. Gelernt ist halt gelernt.

Ein Racoon, der selbst Panzer knackt

Aber, jetzt kommt’s, die findigen Schreiberlinge haben die Geschichte vom schrecklichen Terror-Bären um eine neue Komponente bereichert. Das ist nämlich, so stand es Schwarz auf Weiß in der WELT, eigentlich ein “Nazi-Bär”. (Warum der nicht bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen auf der Holzbank saß, ist mir schleierhaft). Der “Stern”, dessen selbiger ja unaufhaltsam sinkt (und von dem die unvergessene Jahrhundert-Enthüllung von den Hitler-Tagebüchern stammt), hatte wenige Tage vorher noch vom “Angriff der Panzerknacker” schwadroniert. Und er meinte damit nicht die Beagle Boys von Disney. Die “Star”-Journalisten wollten damit originell zum Ausdruck bringen, dass sich die verhassten Kleinbären in Brandenburg auch schon mal an den seltenen und nur hier in Deutschland vorkommenden  Sumpfschuldkröten goutieren würden. Und das geht entschieden zu weit! Zumal Wildschwein, Dachs, Fuchs, Marder, Mink, Iltis, Fischotter, Biber, Katze, Ratte, Krähe, Rabe, Elster, Reiher, Kranich, Storch, Möwe, Adler und Fisch ebenfalls Geschmack an diesen Halswendern finden. Aber die dürfen das. Schildkröten gelten unter den Repitilien als Niederländer. Weil sie ihr mobiles Heim immer dabei haben und reklativ langsam sind…

Die ranzige Milch der Leihmütter

Weil aber der Waschbär angebliche nationalsozialistische Wurzeln und die braune Ideologie schon mit der ranzigen Milch seiner Leihmütter aufgesogen hat, schürte die “WELT” folgerichtig “Die Angst vor der Invasion der Nazi-Bären”, die sich jetzt sogar, wie einst die waffenstarrende Deutsche Wehrmacht, anschicken würden, Belgien und die Niederlande zu überrennen. (Sogar fortgepflanzt hätten sie sich da schon. Nicht zu fassen!). Der Versuch, für den Begriff “Nazi-Bär” Titelschutz geltend zu machen, scheiterte indes. Eine “Bärenmarke” gibt es ja bereits. Und das viel länger, als der moderne Bär heutiger Ausprägung in Europa sein Unwesen treibt – seit 1892. Gut, die Tiere mit den smarten Pfoten randalierten in leicht abgewandeltem Design schon im späten Oligozän in den Urwäldern unseres Kontinents und durchsuchten die Mülltonnen von Fred Feuerstein und Barnie Gerölleimer. Aber das ist eine andere Geschichte…

In Kassel, ihrer Hauptstadt, begrüßen sich die SS-Binden tragenden Tiere ja heute schon mit nach schräg oben gerecktem rechtem Arm. Heil Hitler! Und bis zum Waschbären-KZ oder der Massenvernichtung wäre es, um bei diesem unsäglichen Duktus zu verbleiben, dann ja nicht mehr weit. Bei tückischen Bestien hilft nur noch die Endlösung. Das sind ja schließlich auch Feinde des gesunden deutschen Volkskörpers. Volkskörpers. Oh Mann!  Oder: Oh Frau! Der Nachname der Journalistin und das, was sie von sich gegeben hat, erinnert ein klein wenig an die Phonetik und Schreibweise jenes Vorgangs, mit dem die schwallartige Entleerung des Magen- oder Speiseröhreninhaltes entgegen der natürlichen Richtung durch die Speiseröhre und den Mund allegorisiert werden. Die Dame heißt Brech! Nomen est omen.

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Steht im gut, der Hut. Na ja, es ist eine nasse Kappe. Aber sie zeigt, wessen Geistes Kind diese Terror-Petze sind! Grafik: Artemtation

Aber der Waschbär ist nicht die Rache des Braunauer Postkartenmalers, dafür, dass es mit dem Endsieg dann letztlich irgendwie doch nicht geklappt hat. Wie man/frau auf solche Vergleiche kommt, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht hat Frau Kotz damals in der Schule in Geschichte und Biologie nicht richtig aufgepasst. (Zählte dafür aber vermutlich in (Jäger-)Latein zu den Klassenbesten).  Wobei der Terminus “Nazi-Bär” auch noch nicht einmal dem intellektuellen Mist von Frau Kübeln gewachsen ist. Den hat unlängst wieder die britische Boulevardzeitung “Metro” ausgegraben, als sie davon faselte, eben dieser “Nazi-Bär” würde die Deutschen zur Kapitulation zwingen. Und die “Sun” legte dann noch nach: “Nazi-Racoons auf dem Kriegspfad”. Jetzt wird’s langsam martialisch. Dahinter steckt die weitverbreitete Ansicht, Hermann Göring persönlich habe 1934 die Auswilderung der bis dahin nur in Nordamerika heimischen Tiere am Edersee nahe Kassel befohlen. Das glaubte auch 2004 noch der vermeintlich so honorige “SPIEGEL”: “Görings Günstlinge haben Kassel im Griff”.

Aber der Waschbär ist weder eine Erfindung der braunen Germanenbrut, noch wurde er von dieser als Massenvernichtungswaffe erdacht. Und seine Verbreitung kann auch nicht dem faschistischen Adel des Tausendjährigen Reichs in die Schuhe geschoben werden. In der FAZ ist das übrigens sehr schön nachzulesen:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/natur/wie-der-waschbaer-nach-deutschland-kam-13764015.html

Anno 1934 hatte ein Forstamtsleiter in Vöhl am Edersee ein ihm von einem Geflügel- und Pelztierzüchter überlassenes Pärchen in die Freiheit entlassen, “weil diese Tiere unsere Fauna be- und dem Menschen zur Freude gereichen könnten”.  Auch würden sie, assistierte der Förster vom Silberwald, ja sowieso nur Insekten fressen. Der Mann kannte sich mit diesen Tieren genauso gut aus wie Frau WELT-Brech. Die letztendliche Genehmigung zum Auswildern hatte ein Landesforstmeister in Berlin erteilt. Reichsjägermeister Hermann I., der zu dieser Zeit als solcher ja noch gar nicht in Amt und Würden war, hatte mit dem Fall nichts zu tun – und war hier ausnahmsweise wohl mal unschuldig. Der adipöse Pirschgänger wurde ja erst im Juli 1935 zum obersten Wilddieb des Deutschen Reichs ernannt.

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Sehen so Bestien aus? Im Hessischen Vogelsbergkreis kümmert sich Harald Roth um verwaiste Kleinbären, deren Eltern entweder von Jägern erschossen wurden oder unter die Räder gekommen sind. Und nicht selten sind auch mal Säuglinge unter seinen Pflegegästen.

Und dann passierte lange Zeit gar nix. 1945 büxten schließlich rund 25 weitere Exemplare aus einer Pelztierfarm nahe Berlin aus. Ob ein Bombentreffer die Ursache war, oder einen Tierfreund die Bären in den letzten Kriegstagen vor dem Verhungern retten wollte, ist unklar. Letztere begründeten das östliche Standbein der deutschen Gesamtpopulation. Und dann wuchs, wie Helmut “Birne” Kohl es vorgegeben hatte, zusammen, was zusammen gehörte. Nach dem Fall der Grenzanlagen vereinigten sich die westlichen und östlichen Waschbärenzweige – und kamen Mitte der 90er so richtig auf Touren. Jetzt ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis ein cleverer Enthüllungsjournalist deren Ausbreitung unseren Brüdern und Schwestern aus dem früheren Dunkeldeutschland in die Schuhe schiebt. Die hatten die Revolution ja schließlich angezettelt. Das wäre dann die Geburt des “Ossi-Bären”.

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