Rotorman's Blog

Fröhlich bestattet, Matratzen von
Poppmeier, leckerer Kebab von „Yigit“

KLein-Schilder

Wer zählt die Völker, nennt die Namen? Letztere sind bei diesen Servicedienstleistern Programm! Grafik: Christine Jung

Was kreative Namensgebungen und mehr oder weniger ab- und eingedrehte Begriffsschöpfungen anbelangt, kann unseren Friseuren niemand das Wasser oder den Kamm reichen. Siehe auch (http://www.rotorman.de/?p=393) Die Palette ist unendlich und reicht von der „Haltestelle Mittelscheitel“ bis zum „FairSchnitt“. Dazwischen der „Haarspalter“, der „Haarlight Express“, das „PlanetHaarium“ oder der „Lok-Schuppen“. Selbst in „Rudis Locken-Puff“ sind die Tarife deutlich gemäßigter als in den übrigen Etablissements unseres Rotlichtviertels. Wer im harten Wettbewerb bestehen will, muss auffallen, und sei es durch eine einprägsame Hausnummer. Das gilt für alle Lebens- und Dienstleistungsbereiche. Nicht nur Coiffeure sind (Wort)Jongleure. Auf anderen Feldern steckt die Kreativität dahingehend zwar noch in den Kinderschuhen, aber man holt auf – oder macht sich zumindest ernsthafte(?) Gedanken. Auch wenn jene bei manchem mit zunehmendem Alter etwas durcheinander geraten. Aber selbst davon können sich ja die Jüngeren längst nicht mehr frei sprechen.
Nehmen wir das Feld der mobilen Pflegedienste. Das ist in unserer zunehmend überalternden Senioren-Republik ja ein riesiger Wachstums- und Zukunftsmarkt. 2,34 Millionen Pflegebedürftige waren es noch anno 2011, im Jahr 2030 wird diese Zahl Prognosen zufolge auf 3,4 Millionen geklettert sein. Der Erlös der Pflegewirtschaft übersteigt die 30-Milliarden-EUR-Grenze deutlich. Und von diesem Kuchen wollen natürlich viele ein Stückchen abhaben. Also gilt es, nicht nur mit gutem Service, sondern auch mit wohlwollenden Namen zu überzeugen.
Der Tabletten-Express bietet 24-Stunden-Service

Das Gros der Pflegedienste ist  dahingehend aber eher zurückhaltend, nüchtern und altersgerecht. Schließlich will man ja auch keine potentiellen Kunden durch allzu exotische Bezeichnungen oder Wortspielereien verprellen. Und man weiß ja schließlich nie, wie konservativ und humorlos die Patienten oder ihre Angehörigen da gerade drauf sind.  Das Namens-Spektrum reicht hier von „Intensive Care“  über „Medi-top“ und „Medizin mobil“ bis hin zum „Lazarus-Hilfsdienst“, dem „SOS-Pflegedienst“, „doppelherz“ und „Pflegemanufaktur 24“. Hält sich alles noch in Grenzen. „Bettpfanne“ oder “Tabletten-Express” wäre da schon wieder etwas zu frech und respektlos.
Etwas gelöster und lockerer geben sich da schon mal die Huf-Kosmetikerinnen, also die Stylistinnen aus dem Lager der Fußpflegenden. Man nennt diesen Fachzweig auch Pediküre. (Hat jetzt nix mit Petting zu tun). Da blitzt ab und an schon mal der Schalk in den Hühneraugen auf, wenn von „Pilzkultur“, „Happy Feet“ oder „barFuß“ die Rede ist. „Gehwohl“ hingegen klingt da schon eher langweilig. Letztendlich ist aber auch auf diesem Feld unterm Strich auch wenig Originelles zu holen.  Die schönsten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst. Dagegen sehen die professionellen Slogan-Ingenieure und -entwickler so alt aus wie die Klientel von „MediCare“.
Man braucht bloß einmal die Branchenverzeichnisse zu durchforsten, was ja heuer ganz einfach vom heimischen (oder Firmen-eigenen) PC aus geht. Und da liegen die Namensperlen quasi auf dem Internet-Highway. Man stolpert förmlich darüber. Oft steckt unfreiwillige Komik dahinter, meist ist es die unsägliche Kombination eines Gott gegebenen Namens, für den ja schließlich keiner etwas kann, mit einer bestimmten Branche, einem Beruf oder einem Handwerkszweig. Der Zufallsgenerator mag da auch eine gewisse Rolle spielen. Ein Stefan Sargnagel sollte sich also genau überlegen, ob er tatsächlich den Beruf des Bestatters ergreifen soll. Aber dass Namen Schall und Rauch sind, dagegen dürften sich die Sound-und Veranstaltungstechnikerder Firma Trommelfell und Co. vehement verwahren.

Klein-Vermögensberatung

Da ist mein Geld in den besten Händen. Grafik: Christine Jung

Egal, wohin man schaut, überall finden sich (unbeabsichtigte) Wortspielchen voller sprachlicher Blüten, die an die Seele oder das Zwerchfell rühren. Nehmen wir das Feld der Holzverarbeitung. Das Sägewerk Max Handlos bzw. die Drechslerei Fingerab lassen vermuten, dass es in beiden Betrieben mit der Unfallverhütung nicht weit her ist, während es bei der Tischlerei Ralf Morsch offensichtlich gravierende Qualitätsprobleme gibt. Die Betreiber der Schreinerwerkstatt Schlonski & Schluck hätten sich hingegen doch lieber in der Gastro-Branche umtun sollen.

Gehacktes aus der Fleischerei Kotz & Fettkötter

Ob man mit einem Viertel Gehackten in der Metzgerei Schlecht oder einem Pfund Rindergulasch in der Fleischerei Kotz & Fettkötter gut bedient ist, wäre auch ernsthaft zu überlegen. Dann doch lieber Stammkunde bei Fleischermeister Kurt Sülzle. Und in der Bäckerei Guthbrod weiß man schließlich auch genau, was frau bekommt. Das gilt in gleichem Maße für die Backstube Renate Kuchenbecker. Alfons Wurm hat sich stattdessen auf den Obst- und Gemüsehandel spezialisiert.

Sanitärmeister Nothdurft hat den Haustürschlüssel geraucht

KLein-Tierarzt

Kikeriki: Fals der Chef im Hühnerstall mal Schnupfen hat. Grafik: Christine Jung

Im Sanitärfachbetrieb Nothdurft bläst der Chef persönlich die Abflussrohre frei, während sein Konkurrent Otto Klomann in jüngster Zeit deutlich Marktanteile hinzu gewinnen konnte. Ob ich mir im Landgasthof Mösleschmiede einen Tisch bestellen werde, na ja… Aber um das Kebabhaus Yigit mache ich garantiert einen großen Bogen. Mahlzeit! Dann schon lieber der Partyservice Bodo Eisbein. Im Cafe Bück-Dich scheint der heterosexuell orientierte  Hochgebirgskroate eher fehl am Platz und trinkt sein Feierabendbier stattdessen in der Gaststätte Tittentaster. Apropos Saufen: In der Getränkegroßhandlung Rausch findet jeder das passende Stöffchen in ausreichender Menge. Dicker Kopp am Morgen danach garantiert. Bis dahin gilt: „Wer im Suff die Haustür mit einer Zigarette aufschließen will, hat bestimmt den Schlüssel geraucht.“ Immerhin ist Bier trinken allemal ist besser als Quark reden!  Im Getränkemarkt Trunkenbolz kann der versierte Brenner sogar anschreiben lassen. Das Weinkontor Suffa allerdings besteht auf Barzahlung. Wer finanziell nicht so gut disponiert ist, orientiert sich, born to be breit,  vielleicht in Richtung Getränkeservice Diethelm Billig.

Helle Leuchten bei Adam Dunkel

Klein-Hautarzt

Wenn’s mal juckt und kratzt. Grafik: Christine Jung

In der Elektro- und Leuchtengroßhandlung Adam Dunkel bekommt der anspruchsvolle Kunde sogar Spots für den Darkroom oder das Fotolabor, während sich das Gladenbacher Elektrohaus Schlag auf die fachgerechte Abisolierung von Starkstromleitungen spezialisiert hat. Bei Elektro-Dohse sollte man den Finger aus selbiger lassen. Außerdem ist der  Inhaber auch nicht die hellste Birne in seinem Lampengeschäft sein. Ob ich Diplom-Ingenieur Albert Fusch mit Planung und Bauleitung meines neuen Eigenheims betraue, werde ich mir sehr gut überlegen. Der Auftrag für’s Ausschachten geht auf jeden Fall an Tiefbauunternehmer Buddelmeier. Den Rohbau erstellt die Firma Walter Bruchhaus, Rost & Söhne übernehmen die Metallarbeiten. Bleibt nur zu hoffen, dass Ingenieur Horst Morsch, der Baustatiker, wenigstens gut drauf war und richtig gerechnet hat. Aber das werden wir spätestens dann merken, wenn uns die einstürzende Schlafzimmerdecke erschlägt und wir bzw. unsere Hinterbliebenen professionelle Hilfe bei der pietätvollen Entsorgung, sowohl der der Trümmer als auch der meiner eigenen, in Anspruch nehmen müssen. Das Bestattungsunternehmen Kurt Kummer scheint mir da eine ziemlich seriöse Adresse zu sein. Die Firma Pietät Freudensprung hingegen kommt ebenso wenig in Frage wie das Bestattungsinstitut Fröhlich. Denen scheint es irgendwie am richtigen Gespür für den Ernst der Lage zu fehlen. Der Bestattungsunternehmer W. Erb hingegen weckt bei den trauernden Angehörigen völlig falsche Erwartungen. Bei mir ist nix zu holen. Habe alles verprasst!
Aber es erscheint sowieso noch viel zu früh, mich von Bestatter Himml  auf den Weg in diesen bringen zu lassen. Tun wir doch lieber erstmal etwas fürs gute Aussehen und Wohlbefinden. Im Friseursalon Rodemich kann man sich einen modischen Kurzhaarschnitt verpassen lassen, die Massagepraxis Metzger löst schnell, professionell und mit zarter Hand  selbst die schlimmsten Verspannungen in Nacken und Rücken. Im Fußpflegesalon Schweiss wartet derweil Linderung für die strapazierten Pneus, während es bei der Konkurrenz gleich um die Ecke, der Fußpflege Ingrid Moder, Frühjahrsaktions-Rabatt gibt. Die Kosmetikerin Carina Pickel hingegen ist noch ziemlich neu im Geschäft und hat selbst genug davon – nicht nur im Gesicht.

Finanzdienstleister Schwindl: Der Name ist Programm

Sollte ich je in die Verlegenheit geraten, die Dienste eines Rettungstransportunternehmens in Anspruch nehmen zu müssen, dann keinesfalls die von “Alfons Hölle, Krankenfahrten”. Der hat seinen Führerschein nämlich in der Fahrschule Beule gemacht, weil die bei der Gebührengestaltung deutlich günstiger war als die beiden anderen Automobil-Gymnasien vor Ort, die Fahrschulen Lassan und Schrott. Letztere bezieht ihre Fahrzeuge von Auto-Kratzer, zumindest solange, bis sich der Ford-Händler „Oppel“ entschieden hat, welche Marke er denn nun vertreiben will. Bei der Finanzierung der Autokäufe sind der Finanzdienstleister Alexander Schwindl oder die Vermögensberater von Schulden & Partner gerne behilflich. Und sollte man jemals juristischen Beistand benötigen, die Anwaltskanzlei Mörder & Partner übernimmt auch die aussichtslosesten Fälle. Und, Geheimtipp, die besten Matratzen gibt es im Bettenfachgeschäft Poppmeier.

Augenärztin Dr. Schiele verhilft zum Durchblick

Klein-augenarzt

Hier gibt’s den großen Durchblick. Grafik: Christine Jung

Falls es mal zwickt und zwackt, für die kleinen oder großen Wehwechen zwischendurch sind die approbierten Medizinmänner und –frauen zuständig, ob das nun der gemeine Hausarzt oder der spezialisierte Fach-Dottore ist. Die empfehlen sich in Punkto Namensgebung als üppig sprudelnde Quelle der Heiterkeit. Sollte es im anatomischen Kellergeschoss mal drücken, ist der Urologe Dr. Eichel sicherlich erste Anlaufstelle. Und wenn‘s mit der Sehkraft hapert, die Augenärztin Dr. med. C. Schiele hilft schnell und kompetent. Allerdings hat die Dame  ziemliche lange Wartezeiten, weil sie ihren Terminkalender nicht richtig überblickt.  Dr. med Angelika Übelhoer hat sich als Fachärztin für Ohren-Heilkunde einen Namen gemacht, während Dr. med. G. Schupp als Hautarzt und Allergologe erste Wahl sein dürfte. Als Frauenarzt empfiehlt sich Dr. Peter Staender, während Dr. Michael Hengst mal Assistent am Lehrstuhl für Gynäkologie in Berlin war. In Spree-Athen praktiziert eine Nervenarzt- Koryphäe mit dem bezeichnenden Namen Dr. Wolfgang Spinner, ebenso der Allgemeinmediziner Dr. Bernd Frankenstein. Dr. Michael Krumbein aus Bensheim heißt der Orthopäde meines Vertrauens, und wenn mich mal die Gruppe erwischt, lasse ich mich in Wetzlar von Dr. med. Michael Fieber behandeln.
Sollte „Bubi“, der gelbe Wellensittich mit den schwarzen Kehltupfen, einmal schwächeln, hier werden ihm geholfen: Tierarztpraxis Dr. med. vet. Achim Ziervogel. Dessen Kollegin Dr. med. vet. Annete Huhn ist eher für die etwas größeren Federkleidträger zuständig, ebenso die Bad Dürkheimer Tierarztpraxis Fink und Schneeganß.
Die angeführten Beispiele sind übrigens alle  echt, nicht erfunden, sondern mitten aus dem prallen-drallen Leben gegriffen. Noch mehr gefällig? Versicherungsagentur M. Schadenfroh , Reifen Blank GmbH, Erotikstübchen Udo Liebe, POPO Sitzmöbel,  Brennerei E. Durst, G. Poppen, Gummidichtungen, Tatoostudio Pein, Tanzschule Hinkelbein, Schülerspezialverkehr Ingrid Wix , Ballettschule Holzschuh, Dunekacke & Wilms, Importeur für Chinasoßen,  Weizen- Roggen u. Dinkelprodukte Vollhardt  und Gisela von Hinten, Sexual- und Paarberaterin. Das letzte Wort hat  der römische Komödiendichter  Plautus (um 250–184 v. Chr.):  Nomen est omen!

Mehr zum Thema hier: http://www.spiegel.de/spam/spam-schilderbuch-namen-a-1049219.html

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