Rotorman's Blog


Hier kommt die „Bullizei“: Von Polenten,
Praktikanten und keifenden Steckemännern

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Gelungener Spaß, oder, wie einige „Steckemänner“ meinten, Frevel und Amtsanmaßung? Egal, inzwischen hat der Praktikant von Toto & Harry den Dienst quitiert und sein Dienstfahrzeug „entmilitarisiert“. Foto: privat

Der Praktikant hat den Dienst quittiert. Nach nur eineinhalb Monaten auf Streife hat er seinem Revierleiter die Kündigung auf den Tisch gelegt. „Macht keinen Spaß mehr!“. Mit seiner „grünen Minna“, die ja eigentlich blau-silber-farben war und jenen Streifenwagen, mit denen unsere das Gesetz hütende, blauuniformierte Trachtengruppe unterwegs ist, täuschend ähnelte, hatte der junge Mann zuletzt im alten Dillkreis für Aufsehen gesorgt. Ein echter Hingucker. Aber man/frau musste kein Experte sein, um den „Schwindel“ auf den ersten Blick als solchen zu entlarven. War aber gut (und professionell) gemacht. Einen zweiten, von Schmunzeln begleitenden Blick, war das allen/den meisten wert, mindestens.
Keiner wäre auf die Idee gekommen, es handele sich tatsächlich um einen Dienstfahrzeug unserer Ordnungswächter. Dafür war der Spaß zu offensichtlich. Wo an deren Fahrzeugseiten normalerweise auf blauem Grund der silberne Schriftzug „POLIZEI“ prangt, hatte hier der erwähnte „PRAKTIKANT“ gezeichnet. Gut, man hätte vermuten können, es hier mit einer Art Azubi der Sheriffs zu tun zu haben, aber deren Lehrlinge verfügen ja nur ganz selten über eigene und dann noch explizit beschriftete fahrbare Untersätze.

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Hat was! Handwerklich gut gemacht. Aber mal ehrlich: Kein Mensch würde ernsthaft glauben, dass es sich hier um ein richtiges Einsatzfahrzeug der Polizei handelt. Foto: Privat

Dass er mit seinem derart geschminkten Boliden auffallen würde, hätte dem 25-jährigen von vornherein klar sein müssen. War es ihm auch. Aber es gab auch Misstöne, insbesondere solche aus der „Steckemänner“-Fraktion. Der Werkzeugmechaniker wohnt in einem Eschenburger Ortseil. Und wie das so ist auf dem Dorf, die Leute müssen sich aufregen. Vor allem Ältere echauffierten sich über diesen „Frevel“. Ein besonders eifriger Zivilwächter der öffentlichen Ordnung kündigte sogar an, das Ganze rechtlich überprüfen zu wollen und gegebenenfalls Schritte einzuleiten. Welcher Art auch immer.

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In Uckersdorf ist eine Einheit der „Bullizei“ stationiert . So eine Art schnelle Eingeiftruppe zum Einfangen aus dem Vogelpark geflohener Piepmätze.

Nun, dem Mann kann geholfen werden. Die Maskerade war völlig legal und gesetzeskonform, zumal dabei auch keine Hoheitszeichen, wie beispielsweise das Hessische Staatswappen, Verwendung gefunden hatten. Dann hätte die Sache freilich anders ausgesehen. Aber so….   Auf „Tatütata“ und Blaulicht hatte der junge Mann ebenfalls wohlweislich verzichtet. Die blaue Farbe war Original, die Silberne wich in Ton und Schattierung einen Deut von der Vorlage ab. Und das Signalgelb war so „gestrickt“, dass es, im Gegensatz zum richtigen, nachts nicht reflektierte. Damit durfte sich der Polizeipraktikant auf der sicheren Seite wähnen.

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Das Hessische Polizeioldtimer-Museum in Marburg ist voll von historischen grünen und weißen Minnas. Solchen, mit denen die Hern in Grün früher tatsächlich mal auf Streife gefahrfen sind, und solchen, die irgendwelche Spaßvögel nachgebaut haben. Foto CC/Hydro/ http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Und die Ordnungshüter selbst fanden es auch komisch. Der 28-jährige ist mit seinem Streifenfahrzeug durch etliche Polizeikontrollen gerutscht, ohne dabei anzuecken bzw. den Unmut der Uniformierten zu wecken. Im Gegenteil: Die Beamten schossen sogar „Erinnerungsfotos“, um sie in der Wache an die Pinnwand zu kleben. Und solche Maskeradenspielchen sind ja nicht neu. In Uckersdorf beispielsweise rollte ein „Bullizei“-Bus durch die Pampa, ein noch in den alten grün-weißen Polizeifarben lackierter VW-Bus.  Und in Berlin gibt es eine ähnlich bemalten 2CV. Der heißt bezeichnenderweise „Polente“.  Und das Hessische Polizei-Oldtimermuseum in Marburg ist ja voll mit solchen Kuriositäten.

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