Rotorman's Blog

Illu-mativer Wettbewerb: Weihnachtliche
Leuchtpower als private Lichtfestspiele

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Private Lichtfestspiele: Die Deutschen Privathaushalte verbrauchen jährlich etwa 750 Millionen Kilowattstunden Strom für ihre Weihnachtsbeleuchtung. Foto: Kurt Bouda/Pixelio.de

Von Jürgen Heimann

Gegen diese Leuchtpower war der Stern von Bethlehem eine trübe Funzel. Es blinkt und blitzt, scheint und gleißt, flimmert, funkelt, glänzt, glimmert, strahlt und glüht. Und das an allen Ecken und Enden. Untrügliche und nicht zu übersehende Anzeichen dafür, dass, alle Jahre wieder, Weihnachten vor der Tür steht. Für die Deutschen, und nicht nur die, Anlass genug, alle dem Stromsparen geschuldeten Appelle und Überzeugungen in den Dezemberwind zu schießen. Da sind sie nicht knauserig und lassen sich den illu-mativen Spaß eine Menge kosten. Mehr als 250 Millionen EURO sollen die um weihnachtliche Heimeligkeit bemühten Germanskis dafür zusätzlich auf die Tische der E-Versorger blättern. Dagegen nehmen sich die Munitionskosten für die “Kölner Lichter”, Deutschlands größtes Höhenfeuerwerk, oder den “Rhein in Flammen” wie Peanuts aus.  

Die Zahlen variieren allerdings, je nachdem, welche Quelle man befragt. Aber egal. Für unsere Stromanbieter ist es jedenfalls ein blendendes Geschäft. Und wir reden hier erst mal nur von den privaten Ausgaben für die weihnachtliche Leuchtkraft. Die erforderliche Hardware in Gestalt von Lichterketten und -schläuchen, beleuchteten Weihnachtsbäumen, Gartenfiguren, Fenster-Dekorationen und Glühbirnen für Dachgiebel und Hausfassaden will ja auch finanziert und bezahlt sein. Die Branche verzeichnet da konstant zweistellige Zuwachsraten. Hinzu kommen dann noch mal  die entsprechenden Ausgaben von Unternehmen und öffentlicher Hand. Das ist ein Milliardenmarkt.

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Vom Elch geknutscht oder vom Rentier getreten: Ein blinkendes Schlittengespann mit 2800 Lämpchen zieht in fünf Wochen in etwa genau so viel Strom wie ein LCD/LED-Großbild-Fernseher (102 cm) im einjährigen Dauerbetrieb. Foto: Thomas Max Müller/Pixelio.de

Wenn es um die festliche Ausschmückung des persönlich-privaten Umfeldes geht, schalten viele mit dem Anknipsen der Beleuchtung den Verstand aus. Aber man gönnt sich ja sonst nix, oder? Für 82 Prozent der Deutschen ist das zusätzliche Licht zu Weihnachten unverzichtbar und gehört dazu wie Lebkuchen, Krippe, Weihnachtsgans und Lametta. Nix gegen eine beleuchtete Christtanne im Vorgarten, aber müssen es gleich private Lichtfestspiele sein? Die vielleicht von dem Ehrgeiz getragen sind, den Nachbarn an Feuer-, pardon, an Leuchtkraft zu übertrumpfen? Durchschnittlich werden in jedem deutschen Haushalt sechs Leuchtdekorationen eingesetzt. Das wären insgesamt beeindruckende 8,5 Milliarden kleine Lampen, die die Weihnachtszeit erhellen. Macht doch watt ihr volt!

Der Weihnachtsglanz frisst 750 Mio. Kilowattstunden

Im vergangenen Jahr haben die 82,2 Millionen deutschen Privat-Michel 750 Millionen Kilowattstunden für ihre Weihnachts-Illumination verblasen, was dem Jahresverbrauch einer Stadt mit 250.000 Einwohnern entspricht. Ein Wert, der auch 2016 erreicht, wenn nicht sogar übertroffen werden dürfte. Und dies ungeachtet der Tatsache, dass der Trend ja immer mehr hin zur deutlich genügsameren, wenn auch in ihrer Anschaffung kostspieligeren LED-Technik geht. Aber im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungszahl sind die Schweizer dahingehend noch exzessiver. Die 8,3 Mio. Eidgenossen kommen auf einen Weihnachtslichtverbrauch von 40 Millionen Kilowattstunden. So viel wie 10.000 Vier-Personen-Haushalte im ganzen Jahr. Und von unseren amerikanischen Freunden wollen wir gar nicht reden. Mit 6,6 Milliarden Kilowattstunden Christmas-Strom stellen sie als globale Verbrauchskönige den gesamten Jahresbedarf an elektrischer Energie von Entwicklungsländern wie El Salvador (5,4 Milliarden kw/h), Äthiopien (5,3), Tansania (4,81) oder Kambodscha (3,1) noch locker in den Schatten. Ein weiter Weg, seit Glühbirnen-Erfinder Thomas Edison 1880 sein Labor im kalifornischen Menlo Park erstmals mit einer Lichterkette dekoriert hatte.

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Der Zähler dreht sich zur Weihnachtszeit zwar deutlich schneller, doch umgelegt auf die deutsche Gesamtbevölkerung schlägt der illu-mative Festglanz zu Weihachten lediglich mit 2,67 EUR zusätzlich pro Nase zu Buche. Foto: Pixabay

Auf den Weihnachtsglanz entfällt bei uns in “good old Germany” im Durchschnitt etwa die Hälfte der jährlichen Gesamtausgaben für die Beleuchtung in Privathaushalten. Wie die zustande kommen? Ein Beispiel: Eine Lichterkette mit 10 normalen Glühlampen und einer Leistungsaufnahme von 25 Watt zieht bei einer Brenndauer von acht Stunden am Tag in fünf Wochen 70 Kilowattstunden Strom. Zum Vergleich: Ein sparsamer Kühlschrank mit Vier-Sterne-Gefrierfach verbraucht im ganzen Jahr nur knapp das Doppelte. Lichterketten mit kleinen Glühlämpchen sind sparsamer, Lichterschläuche hingegen fressen deutlich mehr.

LED-gestützte Installationen dieser Art begnügen sich in beiden Fällen mit gerade mal einem Viertel des Verbrauchs. Neben den höheren Anschaffungskosten haben sie aber (noch) einen weiteren Nachteil: Sie strahlen ihr Licht sehr gebündelt aus. Wer direkt in das Diodenlicht schaut, empfindet es auch aus einiger Entfernung als gleißend und unangenehm. Licht aus LED ist zwar hell, aber wenig romantisch. Besonders intensiv leuchten farblose Schläuche mit bunten Leuchtdioden. Etwas weniger grell sind eingefärbte Schläuche mit weißen Lämpchen. Aber das soll das effizienteste Leuchtmittel der Zukunft sein, bei dem in den nächsten Jahren noch entscheidende Verbesserungen zu erwarten sind. In Kombination mit einer Zeitschaltuhr lässt sich damit heute schon angeblich viel finanzieller Boden gut machen.

Rentierschlitten oder Großbild-Fernseher?

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Dagegen war der Stern von Bethlehem eine trübe Funzel. Foto: Sabine Nüsch/Pixelio.de

Aber Energiekosten verursachen auch sie, und das, je nach Ausführung, nicht zu knapp. Ein damit beleuchtetes Rentier mit Schlitten im Garten macht sich zwar allemal gut und lässt die Bewohner von nebenan gegebenenfalls sogar alt und dunkel aussehen. Aber: Selbst ein Rentier-Schlitten in LED-Ausführung mit 2.800 Lämpchen verbraucht in fünf Wochen doppelt so viel Strom wie ein LCD/LED-Großbild-Fernseher (102 cm) während eines ganzen Jahres. Auch wenn das von diesem empfangene Programm vielleicht weniger erbaulich ist. Als Alternative täte es sicher auch ein LED-Lichtstern am Fenster oder eine um die Äste eines Baumes gewickelte LED-Lichterkette. Auch damit kommt weihnachtliche Stimmung auf.

Man kann das aber auch ganz anders sehen. In Relation zum gesamten elektrischen Verbrauch gesetzt ist die Weihnachtsbeleuchtung allenfalls ein kleiner zusätzlicher Luxus, angesichts dessen einem das Umweltgewissen keine schlaflosen Nächte bereiten muss. Abgesehen davon, dass auch niemand bislang ausgerechnet hat, wie viele zusätzliche Kilowattstunden an Strom das weihnachtliche Backen von Plätzchen, Lebkuchen und Stollen erfordert, die zu vertilgen ja wiederum Kosten nach sich zieht: Wasser-, Abwasser- und Kanalbenutzungsgebühren.

2,67 Euro pro Kopf für die festliche Illumination

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Eine Nummer kleiner ist auch ganz reizvoll. Foto: Pixabay

Wenn die Zahl stimmt, der zufolge unser christfestlicher Lichterspaß 750 Millionen kw/h verschlingt, wären das auf die deutsche Gesamtbevölkerungszahl (82,2 Millionen Köpfe, Babys und Greise inklusive) umgelegt 9,3 Kilowattstunden mehr. Das entspricht bei einem Kilowattstundenpreis von 28.69  Cents exakt 2,67 EUR. Dafür bekomme ich an der Tanke gerade mal zwei Liter Sprit, mit denen mich mein Skoda Oktavia 24 Kilometer weit trägt, ob ich die Scheinwerfer nun anschalte oder nicht. Oder ich investiere das Geld in eine 200-Gramm-Packung feinster Trüffel-Pralinen bei LIDL. Die kosten aktuell 2,39 EUR. Ich behalte dann sogar noch 28 Cents übrig und kann mir einen schönen Abend in der Schattenkneipe meines Vertrauens machen. Die liegt gleich nebenan und ist fußläufig zu erreichen. Zum Lidl-Markt sind es hingegen 8 Kilometer Fahrt, hin und zurück also 16. Da muss ich ja die Benzinkosten wieder einkalkulieren bzw. abziehen.

Das wären in diesem Falle 1,78 EUR. Für die 89 Cents, die dann übrig bleiben, bekomme ich aber keine Trüffelpralinen mehr. Weder bei LID noch bei ALDI. Nehme ich halt eine 250-Gramm-Schale brauner Kulturchampignons für 0,79 Euronen. und behalte somit 10 Cents über, was gegenüber der Ausgangssituation allerdings  eine Verschlechterung um 18 Cents bedeuten würde. Auch lassen sich mit dem verbliebenen Guthaben in der Kneipe keine großen Sprünge mehr machen. Und weil ich da sowieso noch einen unbezahlten Deckel liegen habe, stecke ich die Münze ins ausge-merkelte Schweinerl, lösche alle Lampen in der Wohnung und schaue mir auf ARTE die Sendung “Weihnachtlicher Lichterglanz in Bamberg” an – natürlich auf einem sparsamen LCD-Großbild-Fernseher. Siehe oben. Das könnte ich ein ganzes Jahr lang ununterbrochen tun und wäre immer noch auf der Gewinnerseite, während mein Rentierschlitten-Nachbar kräftig draufzahlt.

LED ist nicht immer die günstigste Lösung

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Wer eine LED-gestützte Installation einstöpselt, muss in großen Zeiträumen denken und rechnen. Die erhöhten Anschaffungskosten amortisieren sich von Fall zu Fall erst in Jahrzehnten. Foto: Pixabay

Das mit den sparsamen LED-Lampen klingt ja alles gut und schön, aber für die private Haushaltskasse muss das nicht immer die beste, sprich kostengünstigste Lösung sein. Ein  Bau- und Heimwerkermarkt für doppelte Linkshänder lockte vergangenes Jahr einen Tag vor dem Fest der Feste  mit einer 50 %-Rabatt-Aktion auf Weihnachtsdeko. Da gab’s eine 20-Watt-Mini-Glühlampen-Kette für schlappe vier Euro. Für die LED-Version mit 4,5 Watt hingegen wurde kein Preisnachlass gewährt. Dafür wollten die Halsabschneider aber auch gleich 29 Euronen kassieren. Um die Preisdifferenz  (25 EUR) über die Stromersparnis wieder herein zu bekommen, hätte das Ding in Folge 19.364 Stunden ununterbrochen in Betrieb sein müssen. Acht Stunden Leuchtdauer pro Tag in der Adventszeit macht bei fünf Wochen pro Saison 280 Betriebsstunden. Somit hätte ich dann die nächsten 69 Weihnachtsfeste illuminieren können. Bis dahin wären dann auch die Zechschulden in besagter Kneipe verjährt. Man muss halt in großen Zeiträumen denken…

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