Rotorman's Blog

Klein und gemein: Die Kirschessigfliege
bringt Landwirte und Gärtner zur Verzweiflung

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Klein und gemein: Die Kirschessigfliege (links ein männliches, rechts ein weibliches Exemplar) bringt es auf eine Körpergröße von gerade mal 2 bis 3,5 Millimeter, hat aber ein Appetit wie ein Elefant. Fotos: Martin Hauser

Sie ist klein und gemein, und hat einen weiten Weg hinter sich. Von Südostasien über Hawaii und Nordamerika gelangte das gefräßige Biest über den großen Teich, um daselbst an Europas Türen zu klopfen. Das ist noch gar nicht so lange her, sechs, sieben Jahre vielleicht. Und jetzt haben wir den Salat. Wo dieses nur 2 ,5 bis 3 mm große Miststück herumkrabbelt, ist, nomen est omen, alles Essig, Und so ähnlich heißt diese Vertreterin aus der großen Taufliegen-Familie denn auch: Kirschessigfliege.
Winzer, Landwirte und Hobbygärtner hassen sie wie die Pest. Weil der gierige Schädling sie im wahrsten Sinne des Wortes um die Früchte ihrer Arbeit betrügt bzw. bringt. Und Experten befürchten, dass dieser Winzling in dieser Saison zum ganz großen Schlag ausholt. Da steht uns noch einiges bevor. Dagegen ist seine unmittelbarer Verwandte, die Essigfliege, ja sogar noch sympathisch. Die begnügt sich wenigstens mit faulenden oder gärenden Früchten. Aber bei dem Vieh mit dem aisiatischen Migrationshintergrund müssen es natürlich die reifen, gesunden sein. Darunter läuft nix. Die Fliege befällt Früchte von Wild- und Kulturobstarten mit dünner Schale und stellt ein enormes Risiko für Weichobstarten wie Steinobst und Beerenobst dar.

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Hobbygärtners Erntestolz: Brombeeren, Himbeeren, Heidelbeeren. Das ging gerade noch mal gut. Aber wehe, wenn „Drosophila suzukii“ diese üppige Nahrungsquelle entdeckt…. Foto: Pixabay

Galten mein ausschließlich mit Holz heizender Nachbar und weiland der Borkenkäfer als größte Bedrohung für den Wald, hat die Kirschessigfliege diese Rollen für Wild- und Kulturobst übernommen, samt und sonders solches mit dünner Schale. Ob Stein- oder Beerenobst, macht da keinen Unterschied.  (Süß-) Kirschen, daher der Name, stehen auf ihrem Speisezettel ganz oben, aber es dürfen, der Abwechslung wegen, durchaus auch Pflaumen, Stachelbeeren, Brom-, Him-, und Erdbeeren sein. Mit ihrem grenzenlosen Appetit treiben die gelb bis braungefärbten Vegetariern mit den roten Augen Bauern und Gärtner zur Verzweiflung.

40 Prozent Ernteausfälle

Die Kollegen in Südfrankreich, Italien, Südtirol und der Schweiz können ein (Klage-)Lied davon singen, ihre  Brüder und Schwestern  in den deutschen Öchsle-Hochburgen ebenfalls. Auch bei uns nimmt der Schadfraß zu. Am Kaiserstuhl beispielsweise betrug der durch die Fliege verursachte Ernteausfall im vergangenen Jahr stellenweise bis zu 40 Prozent. Und wenn dann  irgendwann einmal der rote Fusel knapp werden sollte, war dieses Terrorinsekt dran schuld. Denn gerade die leckeren, vollfruchtigen dunklen Weintrauben munden ihm besonders. Dornfelder, Pinot, Cabernet Sauvignon, Acolon, Spätburgunder…

Dagegen ist kein Kraut gewachsen

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Da läuft der Kirschessigfliege das Wasser im Mund zusammen: Vollfruchtige Rotweinbeeren mag das Schadinsekt besonders. Folge: Am Kaiserstuhl betrug der Ernteausfall vergangenes Jahr stellenweise 40 Prozent. Foto: Pixabay

Und es ist fast auch kein Kraut gegen die robusten Tiere gewachsen. „Drosophila suzukii“ – hat jetzt nix mit dem Yamaha-Konkurrenten zu tun – befällt, clever wie sie ist, gesunde Früchte nämlich erst kurz vor der Ernte. Offenbar weiß sie, dass zu diesem Zeitpunkt kein Insektizid mehr eingesetzt werden kann. Und das macht sie so schwer bekämpfbar. Von der enormen Schlagzahl bei der Vermehrung einmal ganz abgesehen. Das Spiel geht so: Die begatteten Weibchen legen ihre Eier in den reifen Früchten ab. Pro Tag kann die Kirschessigfliegen-Dame zwischen 7 und 16 Eier legen. Nach zwei Tagen beginnen die geschlüpften Larven im Inneren der Frucht zu fressen. Letztere platzen auf und beginnen zu faulen. Die Vollendung einer Generation ist bereits innerhalb von 8 bis 14 Tagen möglich. Und dann: Neues Spiel, neues Glück. Das kann noch heiter werden….

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Eine Kirschessigfliegen-Puppe hat es sich auf einer Kirsche bequem gemacht. Foto: Martin Hauser

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