Rotorman's Blog

Macht doch Watt ihr Volt: Jetzt kriegen
die Drecks-Säue Strom auf die Rüssel

Sollen sie ruhig kommen. Jetzt gibt’s was auf die Zwölf

Von Jürgen Heimann

So, seit gestern Abend wird zurückgeschossen – elektrisch. Jetzt kriegen die lästigen Borstenviecher eine geballte Volt-Ladung auf den Rüssel. Und es ist Schluss mit Lustig. Da unsere grünen Abiturienten, also die loden-bemäntelten Wald- und Flurschützen mit der Lizenz zum Töten, den Wildschweinen nichts entgegen zu setzen haben, weil letztere eben einen Tick cleverer sind als sie selbst, muss unsereins zur Selbsthilfe greifen. Füchse, Waschbären und Co. befördern die ach so tierliebenden Jäger ja Jahr für Jahr zu Hunderttausenden in die ewigen Jagdgründe (warum eigentlich?), aber bei den Schwarzkitteln  stoßen sie an ihre „handwerklichen“ und (sowieso eng gezogenen) intellektuellen Grenzen.

Dabei könnten die Nimrods gerade in dieser angespannten Situation mal zeigen, dass sie doch zu etwas nutze sind. Versagen dabei aber kläglich. Womit sich mal wieder zeigt: Die selbsternannten und sich selbst als solche feiernden „Heger“ sind die sozial und gesellschaftlich überflüssigste Interessengruppe, die durch unsere Natur trampelt. An dieser Stelle sei noch einmal an die köstliche 1994 erschienene TV-Satire „Halali oder der Schuss ins Brötchen erinnert. Besser lässt sich nicht darstellen, wie diese schießwütigen Revier-Ganoven ticken: Halali oder der Schuss ins Brötchen

Alles um- und durchgepflügt

bty

Deine Spuren im Sand… Da haben die Schweine wieder ganze Arbeit geleistet.

Die kecken wilden Säue – ich rede jetzt nicht von den Jägern -haben auch die Eschenburger Gemarkung über Monate hinweg neu- und umgestaltet. Da blieb stellenweise keine Grasnarbe mehr auf der anderen. Wo sich die grunzenden marodierenden Horden auf der Suche nach proteinhaltigen Leckerlis zum Dinner getroffen haben, sah es anschließend so aus wie in Garzweiler II. Die Mars- oder Mondoberfläche nimmt ich dagegen wie ein von Stardesigner Peter Kräuterbeet entworfenes Gartenparadies aus.

Zweimal innerhalb weniger Wochen haben die gefräßigen Missgeburten unseren schönen, weitläufigen Garten umgepflügt und in einen Acker verwandelt. Jetzt reicht es! Künftig macht ihr nicht mehr Watt ihr Volt. 230 von letzerem jagen jetzt durch die Leitungen des dreiteiligen Abwehr-Zauns. Und die Hoffnung, die angeblich zuletzt stirbt, bleibt bis zum Beweis des Gegenteils bestehen: Familie Wildsau macht künftig einen großen Bogen um unser Areal. Soll sie sich doch beim lieben Nachbarn schadlos halten. Warum die Säue den bislang immer verschont, aber ausgerechnet uns heimgesucht haben, erschließt sich mir sowieso nicht. Drehen wir den Spies also jetzt mal um.

Gegen die Borstenviecher ist kein Kraut gewachsen

Dir wird das Grinsen auch noch vergehen.

All die im real existierenden und im virtuellen Handel angepriesenen Wundermittelchen haben kläglich versagt. Ob das Wildschwein-Stopp aus der Spraydose war, oder entsprechend präparierte Pellets, die den grunzenden Wegelagerern nach Verzehr das große Kotzen beibringen sollten. Darüber haben die borstigen Eindringlinge vermutlich nur müde gelächelt. Versprühte Duftspurnoten, die blöderweise nach jedem Regen erneut gelegt und ausgebracht werden mussten, erwiesen sich ebenfalls als total wirkungslos.

Auch eine Beschallung mit Geräuschen, die Hundegebell, Maschinen- und Motorensound bzw. Flugzeuglärm vorgaukelten, stellte sich als völlig  nutzlos heraus. Vermutlich haben sich die Schweine über diese dilettantischen Vergrämungsversuche schief gelacht, oder sie sogar genossen. That’s Entertainment. Die Ehefrau, also meine, hatte sogar, aus- und aufgerüstet mit einem kompletten 78-teiligen Böllersatz, den wir uns beim letzten Silvesterfest vom zündelnden Munde abgespart hatten, in Tatortnähe genächtigt, um beim leisesten, verdächtigen Geräusch Feuer an die Lunte zu legen.  Das hörte sich dann an, als wäre der 3. Weltkrieg ausgebrochen. Aber gefruchtet hat diese Knall-Orgie letztlich auch nix.

Die Schwiegermutter in  der Falle

Angedacht waren sogar ein paar gut getarnte, auf ihrem Grund mit angespitzten Holzspießen  versehene Fallgruben. Gut, da hätte man erst mal tief graben, buddeln und eine Menge Erdreich bewegen müssen. Ziemlich anstrengend. Aber was, wenn die nebenan wohnende Schwiegermutter beim morgendlichen Radieschen-Einsammeln versehentlich da reingefallen wäre und wir die arme Frau erst nach Wochen gefunden hätten? Nee, ganz schlecht. Keine Option. Andererseits: Wer hätte garantiert, dass die Wildsau, die sich vielleicht anstelle der Schwiegermama in dieser tückischen Falle gefangen hätte, tatsächlich Seuchen- und Strychinfrei gewesen wäre? Wenn doch, wäre der leckere, daraus generierte Braten trotzdem nur eine ungenügende Entschädigung für zuteil gewordenes Leid gewesen, auch wenn er rachelüstern wohl doppelt so gut geschmeckt hätte wie das fade Zeugs vom örtlichen Metzger.

Gut vernetzt. Vielleicht hilft’s ja…

Deshalb ziehen wir jetzt andere Saiten auf und setzen dabei natürlich auch auf eine kontinuierliche Energielieferung durch die EAM. Doch mit der Elektrizität ist das ja auch so eine Sache: Mit Hochspannung aufstehen, mit Widerstand zur Arbeit gehen, den ganzen Tag gegen den Strom schwimmen, geladen nach Hause kommen, an die Dose fassen und dann eine gezischt bekommen. Aber wir schweifen vom Thema davon.

Jetzt werden andere Saiten aufgezogen

Ja ihr Borsten-Heinis, da guckt ihr jetzt blöd aus der Wäsche. Macht doch Watt ihr Volt.

Abends wird der Schutzwall scharf geschaltet, tagsüber deaktiviert. Aber was ist, wenn die Dreckssäue das Verfahren irgendwann durchschauen? Die sind ja nicht blöd. Die kommen dann ganz entspannt beim Hellen, wühlen sich durch den Garten und halten nachts ihren Verdauungsschlaf. Derweil der ein oder andere (natürlich nicht angeleinte) Wuffi, der seinem Herrchen oder Frauchen beim Gassigehen in Ortsrandlage den Stinkefinger gezeigt und sich verselbstständigt hat, jaulend  am Stromkabel klebt, zittert und zuckt wie ein Epileptiker bei Vollmond? Getreu dem Motto: Sind des Terriers Locken braun, lehnt er am Elektrozaun, wenn er mit den Augen rollt, will er sagen, zu viel Volt.

Aber davon, also von Volt, gibt es künftig bei uns reichlich. Da wollen wir ja nicht an der falschen Stelle sparen. Schau‘ mer mal. Halali!

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