Rotorman's Blog

Skydiving: Über der Breitscheider
„Hub“ gehen die Sterne wieder auf

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Der Stern formiert sich – bei Vertikal- Tempo 250. Leztendlich fehlte aber ein Quentchen bzw. ein Springer zur Vollendung. Dreizehn Skydiver sind auf diesem Foto zu sehen. Vierzehn hielten schließlich Händchen, der 15. verpasste knapp der Anschluss. Foto: Skydive Westerwald.

Einen Versuch war’s wert. Und um ein Haar hätte es auch geklappt. Die Saison ist noch jung. Trotzdem greifen die Breitscheider Skydiver bereits nach den Sternen. Als solche bezeichnet man Formationen, bei denen sich Fallschirmsportler im freien Fall zusammenfinden und an den Händchen halten. Das fragile Konstrukt muss mehrere Sekunden Bestand haben, ehe „separiert“ wird, man in Freundschaft auseinander geht und jeder seinen eigenen Weg nach unten findet.
Dabei setzt die zur Verfügung stehende „Hardware“ dem Bestreben nach immer besseren Marken natürliche Grenzen. In diesem Fall ist es das Absetzflugzeug. Wenn das, so wie im aktuellen Fall, nicht mehr als 15 Aussteiger fasst, ist auch die Formation bei dieser Zahl gedeckelt. Derzeit behelfen sich die Westerwälder Luftsportler mit einer zweimotorigen Do 28, die neben dem Piloten exakt so viele Passagiere mitnehmen kann, nämlich 15, so diese  auf keinen erhöhten Sitzkomfort Wert legen.

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Flieger verpasst: Die Do-28 ist nur temporär in Breitscheid stationiert und wird in Kürze durch ein neues Absetzflugzeug ersetzt. Der Herr im Vordergrund verlässt sich auf seinem weiteren Weg nach unten lieber auf die eigenen Schwingen. Foto: Skydive Westerwald

Die wuchtige Maschine ist aber nur temporär auf der „Hub“ im Einsatz. So lange, bis das neue Flugzeug, eine Cessna 208 „Grand Caravan“, endlich am Breitscheider Himmel erscheint. Das schnittige Luftfahrzeug hatten die Springer unlängst aus dem ostafrikanischen Tansania nach Deutschland überführt. Es wird derzeit in einer Wert in der Lausitz umgebaut und modifiziert. Die Cessna kann 20 Sprungathleten transportieren, womit zugleich die Zacken für das am nächsten anzupeilende „Gestirn“ vorgegeben wären. Diese Marke hoffen die Buben und Mädels von Skydive Westerwald auf alle Fälle in diesem Jahr noch knacken zu können. Bislang war bei einem Zehner-Kreis Schluss mit lustig. Mehr gab die gute alte „Pilatus Porter“ auch nicht her.  Und gleich mehrere Flugzeuge dieser Größe nach Breitscheid zu beordern, wäre auch in finanzieller Hinsicht zu aufwändig

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Mode und Equipment im Wandel: „Walters Vögel“, in Breitscheid stationiert, hatten bereits anno 1972 europaweit den ersten 10-Kreis am Himmel geflogen. Das war damals eine Sensation. Heuer ist Walter Eichhorn, der Namensgeber der legendären Freifallertruppe, mit seinem Sohn Toni als erfolgreiches Kunstflugteam unterwegs. Foto: Peter Böttgenbach

Bereits anno 1972 hatte ein gewisser Herr Eichhorn mit seiner „verrückten“, „Walters Vögel“ genannten Truppe einen solchen 10er-Stern hingelegt, den weiland ersten Europas. Das galt damals als Sensation. Homzone dieses zu seiner Zeit erfolgreichsten Deutschen zivilen Springerteams war Breitscheid. Heutzutage ist der inzwischen 78-Jährige immer noch am Himmel unterwegs. Wahlweise mit seiner T6 oder einer  Extra 330 LT. Gemeinsam mit seinem Junior Toni, einem gestandenen, aktiven Lufthansa-Kapitän, bildet er eine der besten europäischen Equipen im Formationskunstflug.

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Was guggst Du?: Da muss man/frau schon genauer hinschauen. Das eigentliche Geschehen spielt sich zwischen 4000 und 3000 Höhe Meter am Himmel ab. Ohne Fernglas oder leistungsstarkes Objektiv ist es da schlecht. Foto: Sven Vollert

Zum Vergleich: Der aktuelle Fallschirmformations-Weltrekord liegt bei 400 Springern. Erzielt über dem Thailändischen Udon Thani ist er seit 2006 ungebrochen. Und die weltweite Bestmarke in der  Nationenwertung beträgt 214. Die hatten deutsche Skydiver im Oktober vergangenen Jahres über Arizona ge- und erflogen. An diesem Weltrekord waren auch zwei Breitscheider Springer beteiligt: Eric Postlack und „Zwirbelbart“ Uwe Haagen. Allein elf großbäuchige Flugzeuge waren damals erforderlich, um die Damen und Herren Skydiver in die Luft zu bringen.
Hierbei macht es allein die Masse. Im Wettbewerb liegen die Akzente jedoch woanders. Vierer- und Achter-Formationen sind beim sogenannten „ Relativ Work“ (RW) die gängigsten Größen. Hier kommt es dann darauf an, in einem exakt vorgegebenen Zeitfenster  vorher möglichst viele festgelegte Figuren zu absolvieren.

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