Rotorman's Blog

Bon Appétit im Ossiland! Dunkle
Küchenkapitel aus Dunkeldeutschland

Von Jürgen Heimann

Und immer dann, wenn man denkt, es ginge nimmer schlimmer,  weil das Ende der geschmacks-perversen Fahnenstange längst erreicht sei, kommt ein PR-geiler und natürlich von BILD hofierter Dödel daher, der aufzeigt, dass dahingehend nach oben immer noch viel Luft ist. Der Knabe heißt Thilo Junghans, hat 29 Jahre auf seinem kahlen Schädel und ist Betreiber des grenzwertigen Leipziger „Spezialitäten“-Restaurants „Sankt Benno“. Der Mann hätte seinen zwielichtigen Fresstempel lieber nach der Heiligen Elisabeth benennen sollen. Die Dame gilt ja als Schutzpatronin der Kranken und (geistig) Armen.  Junghänschen, die Glatze  (besser eine solche als gar keine Haare auf dem Kopf), hat seinen Gästen in der Vergangenheit werbewirksam schon Büffelhoden und Hahnenkamm aufgetischt. Und jetzt tritt er an, sein Publikum mit einem besonders ausgefallenen Menü zu verwöhnen – mit Waschbären-Schmorbraten. Der schräge Ossi-Koch aus Dunkel-Deutschland hat seine Kreation(en) inzwischen sogar ja als Marke schützen lassen: „Radikal regional“.

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„BILD“, das Intellektuellenmagazin für geistige Tieflieger, feiert den Leipziger Koch als innovativen Erneuerer der germanischen Küche. Foto: Screenshot

Gut, dass der Knabe einen  Lattenschuss hat, ist offensichtlich. Einen, wenn nicht gleich mehrere, haben ja auch die Schmierfinken aus der Redaktion  der Four-Letter-Word-Postille, der „BILD“. Das auflagenstarke Kloaken-Blatt aus dem Axel-Springer-Verlag feierte die Idee des Leipziger Küchen- und Kochdeppen denn auch nicht unerwartet als Innovation der Haute Cuisine. Alfons Schuhbeck würde da glatt in die Ecken und in den Kochtopf kotzen.

Plastisch und anschaulich lässt uns das Boulevard-Blatt für intellektuelle Hartz-IV-Empfänger an der Zubereitung des Bratens teilhaben. Das Sechs-Kilo-Exemplar habe er von einem befreundeten Jäger bekommen, teilt uns der Koch augenzwinkernd mit. Wobei sich die Frage stellt, wie man mit einem Vertreter einer Zunft, der das Töten unschuldiger Lebewesen (nicht nur sexuelle) Freude zu bereiten scheint, überhaupt befreundet  sein kann. Familie und Verwandte kann man sich ja nicht aussuchen, Kameraden und Kumpels hingegen schon. Aber Pack schlägt sich und verträgt sich schließlich.

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Bei dieser Glatze würde ich noch nicht mal Pommes aus dem Tiefkühlregal ordern. Foto: Screenshot

Erst habe er dem Waschbären mal die Pfötchen abgehackt, eröffnet der Küchenbulle seine chronologische Schilderung. Denn: “Abstreicheln konnte ich die ja nicht!” Dann: Nachdem das Tier zerlegt war, würzte der Mann Vorder- und Hinterläufe, Kamm, Mittelstück und Rücken mit Wacholder, Piment, Honig, Salz, Pfeffer und Weißwein. Die Bauchlappen briet er gleich für sich selbst an. Erster Eindruck: „Wie Wildhase, nur der Wildgeschmack ist nicht so penetrant. Aber zäh ist das Kerlchen. Das wird sich nach vier Stunden im Ofen ändern. Dann ist das Fleisch schön zart.“ Bon Appétit! Zum Bärenfleisch kredenzt er Speck-Rosenkohl und Topinambur, ein Wurzelgemüse. 29 Euro nimmt der Extrem-Koch für die Portion. „Das ist mir der kleine Racker dann doch wert…“ Mir nicht!!!! Mögen seine Gäste, die sich solches servieren lassen, am ersten Bissen ersticken!

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Nur Perverse können auf den abwegigen Gedanken kommen, ein solches Wesen in den Bräter zu stecken.

Immerhin hat Junghans der Jägerschaft damit einen unschätzbaren (Bären-)Dienst erwiesen. Diese bewaffnete deutsche Minderheit, die Jahr für Jahr Hunderttausende “Racoons“ abknallt, sucht ja immer noch verzweifelt nach einer stichhaltigen Begründung dafür. Dem Tierschutzgesetz zufolge darf man ja ein Wirbeltier nicht ohne zwingenden Grund töten. Und ein solcher liegt für das massenhafte Abschlachten der niedlichen Kleinpetze bis heute nicht vor. Würden sich Waschbären aber als Fleischlieferanten für die gehobene Küche etablieren, hätten die Nimrods endlich eine Rechtfertigung für ihr Tun. Unbestätigten Gerüchten zufolge ist Schmalhans inzwischen vom Deutschen Jagdverband mit der Hubertus-Medaille in Gold mit Eichenlaub und Schwertern ausgezeichnet worden.

Offenbar haben den kirren Herd- und Küchen-Guru die heftigen Reaktionen auf seine innovative Idee selbst überrascht. Ein Video-Beitrag zum Thema, von dem er meinte, ihn bei  Youtube einstellen zu müssen, hat der Mann wieder gelöscht. Und auch auf seiner Facebook-Seite fehlen inzwischen alle entsprechenden Verweise. Auf der weltweit agierenden Online-Petitions-Plattform „change-org“ läuft derzeit eine Unterschriftenaktion gegen diese pervertierte Art der „Kochkunst“: http://www.change.org/p/thilo-junghanns-zeigen-sie-respekt-vor-tieren-nehmen-sie-den-waschb%C3%A4ren-umgehend-von-der-speisekarte

 

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