Rotorman's Blog

Todeszellen mit Telefonanschluss: NRW
lässt die Baujagd auf Füchse wieder zu

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Freiwild mit ungewisser Zukunft: Für Fuchswelpen gibt es kein Pardon. Sie dürfen ohne zeitliche Einschränkungen eliminiert werden. In Nordrhein-Westfalen wird die Kunstbaujagd inzwischen wieder landesweit toleriert. Foto: Helmut Sütsch

Von Jürgen Heimann

Die Verschnaufpause, die die inzwischen abgelöste rot-grüne Landesregierung den Nordrhein-Westfälischen Füchsen seinerzeit eingeräumt hatte, war nur von kurzer Dauer. Noch während seiner Amtszeit hatte der grüne Umweltminister Johannes Remmel das in vielen Bereichen als vorbildlich geltende Ökologische Jagdgesetz Schritt für Schritt selbst wieder ausgehöhlt. Und zwar dahingehend, dass er das strikte Verbot, die Reinekes (und Dachse)  in ihren Bauten zu bekämpfen, wieder aufweichte. Unter bestimmten Voraussetzungen wurde die umstrittene Praxis in einigen Regionen weiter toleriert – und sogar gefördert. Im Kreis Gütersloh machten die Häscher besonders eifrig von dieser Möglichkeit Gebrauch. Hier warten über 340 Kunstbaue auf Mieter und somit potentielle Todeskandidaten. Die Zahl dürfte sich jetzt noch weiter erhöhen. Immer mehr Landkreise appellieren an das gute Herz der Jäger, sie von der räuberischen Brut zu erlösen.   

Zuletzt durften die Lodenfreunde diese grausame Methode auf etwa der Hälfte der bejagbaren Flächen anwenden. Künftig können sie dies mit gewissen Einschränkungen landesweit tun. Sie wissen, was sie an der neuen CDU-Umwelt- und Landwirtschaftsministerin im Laschet-Kabinett haben. Die Dame ist ja auch wegen der unsäglichen Zustände im schweinischen Massenzucht-KZ ihrer Familie ins Gerede gekommen. Momentan läuft es für ihre wild um sich schießende Klientel sowieso bestens. Gerade eben haben Christina Schulze-Föcking und ihr Kollege Herbert Reul aus dem Innenressort einem langgehegten Wunsch der ihnen in herzlicher Zuneigung verbundenen  Jägerschaft entsprochen und verkündet, dass diese künftig bei ihren selbstlosen Einsätzen Schalldämpfer benutzten darf. Dagegen hatte sich die Vorgängerregierung immer gesträubt. Die Entscheidung, die ab sofort gültig ist, sei auch der Gesundheit geschuldet, also jetzt nicht der der Tiere, sondern der der Jagdausübenden. Weil und damit die dann den Detonationslärm nicht mehr (so laut) hören. Sofern sie den Knall überhaupt noch hören. Wie die derzeitige Landesregierung tickt und wie sie drauf ist, hat Lovis Kauertz, der Präsident der Organisation „Wildtierschutz Deutschland“, in einem Kommentar aufgezeigt. Besser und treffender kann man es eigentlich nicht auf den Punkt bringen. Zu dem  Beitrag geht es hier:

Wenn der Waldi zweimal klingelt…

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Unschuld vom Lande:Was Menschen dazu treibt, diesen faszinierenden Wesen das Lebenslicht auszublasen, könnte man durchaus auch mal den Psycho-Doktor fragen. Foto: Helmut Sütsch

Aber zurück zur Baujagd: Die zur Regel gewordenen Ausnahmegenehmigungen, die die Unteren Jagdbehörden auf Antrag erteilen können und von dieser Möglichkeit bisher auch reichlich Gebrauch machen, beschränkt sich allerdings auf die Kunstbauten. Also auf künstliche von Jägern selbst angelegte und als Behausungen getarnte Fallen, die ihren buschschwänzigen Opfern eine trügerische Idylle vorgaukeln, in denen sie sich vor Verfolgung sicher wähnen. So sicher, dass sie hier eine Familie gründen und ihre Jungen aufziehen. Zumindest so lange, bis der treue, tapfere Jagd-Waldi klingelt und den Frieden stört.

Räumungsklage mit tödlichem Ausgang

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Was man als treusorgender Jagdhundehalter bei der Baujagd alles dabei haben sollte. Für den Fall, dass sich der böse Fuchs nicht kampflos ergibt. Screenshot aus einem Jägerforum.

Das Ganze funktioniert so: “Raubwildscharfe” Jagdhunde, die zuvor an einem gefangenen Lebendobjekt üben durften, werden in den Fuchsbau geschickt, um die Räumungsklage zu überreichen. Die hier lebenden Jungtiere werden eliminiert, ihre Eltern ins Freie gescheucht. An den Ausgängen warten mit durchgeladener Knarre bereits die Flintenmänner und -frauen. Sie haben dann meist leichtes Spiel. Aus diesen kurzen Distanzen schießen selbst halbblinde Geriatrie-Helden, die vielleicht schon unter Reichsjägermeister Herman Göring auf die Pirsch gegangen waren, eher selten daneben. Dass deren vierbeinige Kombattanten mitunter ihren letzten Wuff tun, weil sich ihnen beim „Einschliefen“ mutige (oder verzweifelte) Füchse entgegenstellen und es auf einen blutigen Kampf ankommen lassen, wird bzw. wurde billigend in Kauf genommen. Das sind Kollateralschäden. Wo gehobelt wird, fallen schließlich Späne.

Wer sich in Gefahr begibt, kommt (miunter) darin um. Stand ja so ähnlich schon schon in der Bibel, zumindest in einem apokryphen Teil des Alten Testaments. Oft werden Hund und/oder Fuchs bei ihrer Auseinandersetzung aber auch nur schwer verletzt. Dann wird der kläffende Fifi gesund gepflegt und der böse Räuber erschossen. Das hätte er auch einfacher haben können… Herrchen weiß natürlich um die seinem Köter drohenden Gefahren. In den einschlägigen Foren ist nachzulesen, was die Akteure deshalb für den “Fall X”  an Erstem-Hilfe-Equipment mitschleppen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Die entsprechende Ausstattung würde auch einem Notarztwagen oder der Notaufnahme des Kreiskinikums alle Ehre machen. Was beweist, dass Jäger durchaus zur Empathie mit gewissen Mitgeschöpfen fähig sind…. So die denn auf der richtigen Seite stehen und zu den Guten gehören.

Gutmenschen und Goldene Palmen

Aber das Ganze macht offensichtlich Spaß. Den Füchsen zwar nicht so, aber den Jägern. Und den wollen sich die von keinem zur Weltverbesserung neigenden Gutmenschen verderben lassen. Einschlägige Videobeiträge, die diesen besonderen Kick dokumentieren, gibt es im Internet zuhauf. Da kracht und bumst es wie in einem Western. Dramatische Musikuntermalung, Spannungsaufbau, Slow-motion-Sequenzen. Das im Sprung getroffene Tier segelt, von feinem, blutigen Sprühregen garniert, in Zeitlupe zu Boden. Tusch! Der erfolgreiche Schütze strahlt vor Glück. Tataa! Und Abspann. Gut, eine “Goldene Palme” oder einen “Oscar” gibt es für diese entartete “Filmkunst” jetzt nicht. Aber man sollte sich das mal antun, um zu erahnen, wessen Geistes Kind die handelnden Personen sind:

Denen haben es die tapferen Jäger jetzt aber mal richtig gegeben! Ich kann mir nicht helfen, aber solche Machwerke ekeln mich an.

Die “pflegeleichten” Kunstbaumodelle, die es aktuell im Handel gibt, minimieren sowohl die Risiken fürs Hundchen als auch die Überlebenschancen  der „Zielpersonen“. Es sind simple, aber ausgeklügelte Konstruktionen, die ihren Untermietern zunächst  eine Menge Komfort bieten. Sie sind trocken, warm und ohne Zugluft und auf Wunsch des Kunden sogar mit einem Telefonanschluss ausgestattet, einem „Baumelder“. Der ruft den Waidmann auf dessen Mobiltelefon an, sobald es sich ein Fuchs im Inneren bequem gemacht hat. Eine echte, gebührenfreie Hotline. Please hold the line! “Unsere Annahmeplätze sind leider alle belegt. Wenn Sie zum (Ab-)Schuss kommen wollen, drücken sie die Zwölf!” Die Benachrichtigung ist kostenlos.

Am einzigen Ausgang gibt’s die Kugel

Haben sie die Wahl, ziehen Füchse solche Quartiere allemal natürlichen Behausungen vor. Sie sind so ausgelegt, dass sich der direkte Kontakt zwischen Jäger und Gejagtem auf ein Minimum reduziert, was die Chancen für den Bello, das Kommandounternehmen heil zu überstehen, wesentlich erhöht. Zumal das Opfer, weil’s drinnen so eng ist, auch keine entsprechende Verteidigungsposition einnehmen kann. Die Beute wird lediglich aufgescheucht. Die F(l)achmänner sprechen in diesem Zusammenhang von “Sprengzeiten”. 10 bis 30 Sekunden dauert es, dem Vieh Beine zu machen. Und diesem bleibt nur ein einziger Fluchtweg.

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Screenshot von der Internetseite eines führenden Anbieters von Fuchskunstbauten. Die Konstruktion ist ebenso simpel wie effektiv. Der Fuchs hat kaum eine Chance, wenn der Jagdwaldi zu Besuch kommt. Ihm bleibt nur ein einziger Fluchtweg, und an dessen Ausgang lauert dann der Schütze. Vermutlich hört das Tier dann den Knall nicht mehr. Der Jäger aber auch nicht. Er darf künftig in NRW Schalldämpfer benutzen.

Der draußen lauernde Schütze muss lediglich diesen Ausgang im Auge behalten und nicht, wie bei natürlichen Bauten, gleich mehrere. Das erleichtert vieles. Und kurze Zeit später ist die Höhle schon wieder einsatzbereit.  Ob der verwendeten Materialen hinterlässt der Hund kaum Witterung im Bau. Dass sich ein Dachs da hinein verirrt, ist eher unwahrscheinlich. Dafür sind die Röhren zu eng. Dachse aber können Jagdhunden richtig gefährlich werden. Auch dieses Risiko ist somit ausgeschaltet.

Die sportliche Weidwerk-Disziplin der Baujagd darf, wie erwähnt, nur in bzw. an künstlichen und eigens zu diesem Zweck angelegten Kunstbauten praktiziert werden. Nicht in natürlichen Unterschlüpfen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wenn die Landesregierung in diesem Tempo weiter macht, wird es das auch. Warum man diese Unterscheidung freilich trifft, ist nicht ganz klar. Vielleicht sind die Verantwortlichen der Ansicht, Füchse, die sich ins gemachte Nest setzen und sich in von Menschenhand errichtete Behausungen verirren, hätten ob ihrer eigenen Dummheit nichts Besseres als den Tod verdient. Während solche, die sich die eigenen Wände selbst errichten, aus Anerkennung für ihre Mühen verschont werden.

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Wie der gesetzlich festgeschriebene Elternschutz für Füchse ausgehebelt werden kann, hat Fachreferentin für Tierschutz und Wildbiologie des Bajuwarischen Landesjagdverbandes den lieben Kollegen bereits 2013 in der Zeitschrift “Jagd in Bayern” anschaulich erläutert. Mitunter muss man den Schützen halt etwas auf die Sprünge helfen.

Gut, das klingt jetzt absurd. Aber absurd ist auch die Begründung der landeseigenen Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung (FJW) in Bonn. Diese Einrichtung ist dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz angegliedert, das wiederum als technisch-wissenschaftliche Fachbehörde dem Ministerium untersteht. Und wie wissenschaftlich und fundiert man in diesem Hause arbeitet und forscht, zeigt die Begründung der FJW, warum sie eine landesweite, flächendeckende Fuchstötung in Bauen für dringend erforderlich und zwingend erachtet.

Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube…

Ganz einfach: weil diese Killer, deren Population zudem ständig zunehme, schließlich für den Rückgang vieler Niederwildarten verantwortlich seien. Deshalb müsse man ihnen stärker als bisher auf die Pfoten klopfen. Mit solchen und ähnlichen gebetsmühlenhaft vorgetragenen Totschlagsargumenten gehen bestimmte Interessengruppen seit vielen Jahren (erfolgreich) hausieren, ohne dass sie dadurch an Plausibilität gewonnen hätten. Das ficht die Demagogen aber nicht an. Steter Tropfen höhlt das (Wild-)Schwein, oder so ähnlich. Man kann es ja mal versuchen. Vielleicht glaubt’s ja einer. So wie man das in der Düsseldorfer Regierung tut. Der starke Arm der Jägerlobby reicht weit – und natürlich auch bis dorthin. Demnächst gibt’s als Dankeschön sicherlich den goldenen Schalldämpfer mit Eichenlaub. Siehe oben.

Zwischen Propaganda und Experten-„Kompetenz“

Dass nun auch eine Fachbehörde dieser märchenhaften Jäger-Propaganda aufsitzt und sie sich zu eigen macht, ist traurig genug. Auf jeden Fall lässt das an der Kompetenz gewisser „Experten“ zweifeln, vornehmlich solcher in Staatsdiensten. Diese vom Steuerzahler finanzierten Biologen sind  – natürlich – objektiv, neutral und keiner Interessengruppe verpflichtet. Dass sie nebenbei die “Bonner Jägertage” organisieren, lassen wir mal als kleinen Ausrutscher durchgehen. Ach ja, die Falknerprüfung kann man vor den engagierten Damen und Herren auch ablegen.

Es existiert auch nicht nur eine einzige wissenschaftlich belastbare Forschungsarbeit, an der man die oben genannten steilen Thesen festmachen könnte. Das gilt samt und sonders für die kühne Behauptung, eine intensivere Fuchsjagd würde sich stabilisierend auf die Bestände gefährdeter Arten auswirken. Das ist ebenso Quatsch wie die Darlegung, mit Jagd könne man die Fuchspopulation deutlich reduzieren. Das Gegenteil ist der Fall, wie Wissenschaftler und Wildbiologen belegen können. Je vehementer diesen Tieren nachgestellt wird, desto höher ist ihre Reproduktionsrate. Sie gleichen die Verluste durch mehr Geburten und/oder verstärkte Zuwanderung aus. Das hat die Natur so eingerichtet. Und das kann man auch bei anderen Wildarten beobachten, beispielsweise bei Familie Schwarzkittel. Dort, wo Hase, Rebhuhn und Co. aufgrund anderer Faktoren (Nahrungsmangel, Lebensraumvernichtung usw.) aber bereits mit dem Rücken zur Wand stehen, können Beutegreifer wie der Fuchs die Situation allenfalls verschärfen. Aber ihr Appetit ist nicht die Ursache für den Schwund.

Nebenbei bemerkt, sind es oft die Jäger oder andere sich angeblich dem Naturschutz verpflichtet fühlende Personen, die die Räuber geradezu mit der Nase draufstoßen. Um Gelegeverluste zu dokumentieren, werden die entsprechdenden Nester nämlich regelmäßig überprüft. Und es dauert nicht lange, dann haben die cleveren Füchse den Bogen raus. Sie brauchen nur den Menschenspuren zu folgen, um an den gedeckten Tisch zu gelangen. Was wieder einmal beweist, dass sie intelligenter sind als gewisse aufrecht gehende Zweibeiner. Schlauer zumindest als jene, die sich diese Untersuchungsmethodik ausgedacht haben.

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Vermutlich hat auch dieser Jungfuchs nicht mehr lange zu leben. Es gibt Menschen, die ziehen große Befriedigung daraus, ihm und seinesgleichen eins auf den Pelz zu brennen. Foto: Helmut Sütsch

Nun sind in den vergangenen zehn Jahren allein in NRW über eine halbe Million Reinekes erlegt worden. Da fragt man sich, wie die Rotpelze es trotzdem schaffen, personell immer noch eine Schippe drauf zu legen. Die Antwort darauf siehe oben. Oder warum sich die angeblich doch von ihnen so bedrohten Niederwildarten nicht erholen, wo doch ihr Hauptfeind so vehement und erfolgreich bekämpft wird.

Heuchelei und Artenschutz

Die (vermeintliche) Sorge der bewaffneten Feld- und Flurschützen um Feldhase, Fasan und Rebhuhn wirkt nur vordergründig rührend, ist jedoch pure Heuchelei. In der Jagdsaison 2015/16 haben die nordrhein-westfälischen Pirschgänger 54.199 Feldhasen massakriert, 4.277 mehr als in der Saison zuvor. Vor fünf Jahren starben landesweit noch 127.000 Langohren durch Jägerkugeln, vor 10 Jahren waren es gar 170.000. Auch unter den Fasanen haben die NRW-Nimrods ziemlich gewütet. In der vergangenen “Spielzeit” waren die Grünröcke dahingehend allerdings ungewohnt zurückhaltend und knallten “nur” 37.321 Exemplare davon ab. Gegenüber einer Abschussquote von 100.000 vor fünf und sogar 176.000 vor zehn Jahren ist das ein nachgerade bescheidener Wert. Und von den 523 Rebhühnern, die 2015/16 über die Klinge sprangen bzw. über den Regenbogen flatterten, sehen wir mal großzügig hinweg.

92.950 Westfalen haben eine Lizenz zum Töten

Wie passt das zusammen? Die Zahlen verdeutlichen, dass diese gefährdeten Arten trotz ihres Rückgangs nach wie vor beliebte Ziele sind und gerne unter Feuer genommen werden. Trotzdem will man uns krokodilstränenreich weismachen, es sei eigentlich der böse Fuchs, durch den der Kollaps drohe. Und von dem man sich natürlich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen will. Hallo?  Die Jäger sind zwar nicht allein für den Artenrückgang verantwortlich. Das wäre der zweifelhaften Ehre zu viel. Aber sie trifft immerhin eine Teilschuld, wenn sie denn treffen. Andere Faktoren bzw. Ursachen spielen nämlich eine ebenso große Rolle: intensive Landwirtschaft, Monokulturen, der Verlust von Lebensraum, das Schwinden der Nahrungsgrundlagen. Aber wir brauchen ja einen Sündenbock, auf dem man alle Schuld abladen kann. Wer wäre dafür besser geeignet als der Fuchs? Damit es den 92.950 nordrhein-westfälischen Jagdscheininhabern – davon sind 64.184 Damen und Herren mit der Lizenz zum Töten im Landesjagdverband organisiert – auch künftig nicht langweilig wird.

„Mutterschutz“ und Welpentod

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Mamis und Papis temporäre „Lebensversicherung“. Füchse dürfen in NRW (und auch in Bajuwarien) vom 31.März bis zum 15.Juli nicht bejagt werden, sofern es sich um Elterntiere handelt, die Junge zu versorgen haben. Für den Nachwuchs gilt diese Schonklausel hingegen nicht. Ist der erfolgreich eliminiert, dürfen auch Mami und Papi abgeschossen werden. Foto: Helmut Sütsch

Um dem vorzubeugen, trommeln sie seit Monaten und fordern eine zeitliche Reduzierung der Schonzeiten. Aber die lassen sich schon jetzt aushebeln bzw. umgehen. Die Bayern zeigen seit Jahren, wie man das macht. Im Weißwurst-Territorium gibt es vergleichbare Regeln wie in Nordrhein-Westfalen. Altfüchse, die an der Aufzucht ihres Nachwuchses beteiligt sind, dürfen vom 1.März bis zum 15.Juli offiziell nicht bejagt werden. Für sie gilt „Mutterschutz“. Doch das Gesetz lässt Spielraum. Besagte Einschränkung wird nämlich hinfällig, wenn keine Jungen vorhanden sind, um die sich die Alten kümmern müssen. Man braucht halt nur die Welpen zu beseitigen und hat dann freie Schussbahn. Für Baby- und Jungfüchse gilt die Schonklausel nämlich nicht. Für sie ist immer Saison. Schießt man die  Minis also zuerst über den Haufen, was jederzeit legal ist, dürfen anschließend auch Mama und Papa ins Visier genommen werden. Aber nur dann. So einfach ist das.

(Jagd-)Gesetzliche Schlupflöcher

Auf dieses Schlupfloch hatte Dr. Claudia Gangl vom Bayerischen Landesjagdverband die lieben Kollegen bereits 2013 dezidiert hingewiesen – in ihrer Funktion als Fachreferentin für Tierschutz und Wildbiologie. Die besondere Betonung  in der Aufgabenbeschreibung für diese weidfrauliche Stabsstelle liegt übrigens auf dem Begriff „Tierschutz“. Wie sich der BJV auch rühmt ein “anerkannter Naturschutzverband” zu sein. Die beschriebene Praxis wird zwar durch keine dezidierte Ausführungsbestimmung gedeckt und sogar von einzelnen Kommentatoren als nicht gesetzeskonform bezeichnet, ist aber gängig und wird toleriert und akzeptiert. Wer entsprechend verfährt, hat nix zu befürchten, sofern er reinen Tisch und keine Gefangenen macht. Bleibt aus Versehen aber auch nur ein Kleines am Leben, ist das wie eine Lebensversicherung für Mama und Papa – theoretisch. Wenn Jäger dann trotzdem ein Elterntier erlegen, kann das sie den Schein kosten – theoretisch. Ein Lump, der Schlechtes dabei denkt.

Nun gelten in NRW (bisher noch) explizite und über den in Paragraf 22 Abs. 4 des Bundesjagdgesetzes verbrieften Elternschutz hinausgehende  Schonzeiten für Alttiere, was im krachledernen Seppl-Land nicht der Fall ist. Sie sind zeitlich deckungsgleich mit denen der Mutterschutzphase und gelten per se für alle Senior-Reinekes, auch wenn sie keine Kids haben. Das wurmt die hiesigen  “Heger” natürlich  mächtig. Diese lästige Einschränkung zu kippen, ist ihr nächstes Ziel. Mit Hilfe von Frau Schulze-Föcking dürfte das aber früher oder später gelingen.

Man kann sich Füchsen auch auf andere Weise nähern – ohne Wumme  in der  Hand.  Mit Respekt, Empathie  und Sympathie – und einer Kamera beispielsweise. Der bekannte Tierfilmer Helmut Sütsch hat einen Narren an den rotberockten Wildhunden gefressen. Er ist  regelmäßig Gast in ihrer Kinderstube. 

 Joints oder Jägermeister?

Aber die Plausibilitäts- und Sinnfrage stellt sich schon. Wer diese in sich widersprüchlichen Bestimmungen in Paragrafen gegossen hat, muss unbegrenzten Zugang zu exzellentem Stoff gehabt haben. Auf so etwas kann man mit klarer Birne nämlich nicht kommen. Da werden einerseits  Elterntiere für mehrere Monate deshalb unter Schutz gestellt, damit sie ihre Jungen aufziehen können, während eben diese Jungen gleichzeitig als Freiwild gelten und jederzeit getötet werden dürfen. Diese Logik erschließt sich einem vermutlich auch erst nach mehreren Flaschen Jägermeister.

 

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5 Kommentare

  1. In welchen Zeitalter leben wir eigentlich?
    Im düsteren Mittelalter?
    Wie ist so etwas möglich?

  2. Grausamkeit in Perfektion

  3. Was kann man nur tun, um so ein Unrecht gegen wehrlose Geschöpfe zu verhindern???

  4. Perverse Verbrecher sind das. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen muss.

  5. Wieviel schmiergeld war erforderlich damit es wider erlaubt wird ihr korrupten voĺlfosten die Fuchs jagt gehört verboten und Jäger sind überflüssig da bei der jagt nur gesoffen wird und auf alles geballert wirt was sich bewegt auch Katzen u.Hunde werden erlegt von Psychopatische Hobby Jäger.

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