Rotorman's Blog

Die Wildblumenwiese als botanisches
und faunistisches Multi-Kulti-Paradies

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Wie das blühende Leben: Wildblumenwiesen sind echte Hingucker. Foto: Pixabay

Von Jürgen Heimann

Der Garten- und Blumenfreund darf sich entspannt zurücklehnen und die Natur ihren Job machen lassen. Die kann das nämlich sowieso viel besser als er selbst. Ihm obliegt lediglich eine kleine Anschubinitiative, dann kann der den Dingen ihren Lauf lassen. Beete und Wiesen aus bunten Feld- und Wildblumen liegen seit einigen Jahren voll im Trend. Die üppig blühenden Resultate, die gerade in diesen Wochen wieder vielerorts zu bestaunen sind, stehen quantitativ in keinem Verhältnis zum Aufwand, der vergleichsweise gering ist. Und ökologisch sinnvoll ist das Ganze obendrein.  

Gut, das ist jetzt nix für Snobs, die ihren heiligen, stupiden  Zierrasen mit der Nagelschere stutzen und auf dem Tiger-Wutz zu jeder Zeit an seinem Handicap feilen könnte. Monotone, akribisch getrimmte Grünflächen dieser Art umgeben (fast) jedes Haus. Wie langweilig, wie tot. Steht der Wurzelimperator hingegen etwas über den genormten Dingen, pfeift partiell auf den ihm anerzogenen Ordnungs- und Reinlichkeitssinn und lässt es einfach geschehen, entfaltet sich eine verschwenderische bunte Pracht, die nicht nur dem Auge gut tut, sondern auch der Seele. Und vielen nützlichen Kleingeschöpfen, die es sich hier bequem machen und alles vorfinden, was sie brauchen, ebenfalls. Ob das nun Wild- und Kulturbienen, Hummeln, Schmetterlinge, Marienkäfer, Schweb- oder Florfliegen sind. Käfer, Ameisen, Eidechsen, Heuschrecken, Igel, Falter oder Würmer. Und viele Vögel können sich im hohen Gras verstecken. Sie alle erfüllen den Begriff des biologischen Pflanzenschutzes mit Leben und finden hier Unterschlupf und Nahrung.  Auf einer solchen Blumenwiese ist immer etwas los. Hier tobt und pulsiert das wilde Leben.

Fertige Mischungen bieten breites Varianten-Spektrum

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Im Handel gibt es fertige Saatmischungen, aus denen blühende Paradiese erwachsen. Foto: Pixabay

Im Handel gibt es spezielle, auf unterschiedliche Bodenarten abgestimmte fertige Mischungen, die ein breites Varianten-Spektrum abdecken und somit das Entstehen artenreicher Pflanzengemeinschaften ermöglichen. Dabei sollte man aber möglichst auf regionales Saatgut und ökologisch produzierte Sämereien zurückgreifen. In solchen botanischen Multi-Kulti-Refugien gedeihen Klatsch- und Seidenmohn ebenso wie Kornblumen, der Natternkopf, Lein in Weiß und Rot, der Bienenfreund oder die Gelbe Saat-Wucherblume. Allesamt typische Vertreter für einjährige Blumenwiesen, bei denen ein schneller, sichtbarer Wachstums- und Blütenerfolg in der Regel garantiert ist und auf dem Fuße folgt. So entstehen echte Hingucker. Und dann weiß man: Der Sommer ist da!

Schöpfen aus dem Füllhorn der Natur

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Auch Insekten und andere Kleintiere finden hier alles, was sie zum Leben brauchen. Foto: Pixabay

Dann gibt es noch die mehrjährigen Blumenwiesenmischungen, bei denen das prächtige Ergebnis zunächst etwas auf sich warten lässt, weil sie Gras als Untersaat enthalten, das im ersten Jahr dominiert. In Folge gedeiht es dann aber umso nachhaltiger. Nach und nach setzen sich dann die konkurrenzstarken Margeriten, die Schafgarben, Lupinen, Schlüsselblumen und Storchschnabel durch und gewinnen die Oberhand. Das gilt auch für würzig duftende Kräuter wie Wiesensalbei oder Wilder Majoran. Die optionale Palette ist fast unüberschaubar. Weiße Lichtnelken oder Wiesenglockenblumen machen da eine ebenso gute Figur wie Hasenglöckchen, Honigklee, Seifenkraut, wolliges Honiggras, Lerchensporn, Acker-Wachtelweizen oder die Witwenblume. Schnittlauch oder Traubenhyazinthen lockern Fünf bis zehn Gramm Saatgut je Quadratmeter reichen völlig aus.

Optimale Standorte für Blumenwiesen sind nährstoffarme und trockene Böden in voller Sonne. Je magerer die Erde, umso besser. Ein guter Zeitraum für die Aussaat sind die Monate März bis Mai. Und die Anlage eines solchen Paradieses ist auch keine Hexerei. Worauf zu achten ist, steht hier:

Pflegeleicht und anspruchslos

Rasenmäher

Gegen die botanischen Multi-Kulti-Refugien nimmt sich profaner Zierrasen aus wie totes Land. Ganz davon abgesehen, das letzterer ein Vielfaches an Pflegeaufwand beansprucht, während man die wild blühenden Flächen getrost sich selbst überlassen kann. Foto. Pixabay

Pflegeleicht sind diese naturnahen, blühenden Kunstwerke obendrein. Im Gegensatz zum englischen Rasen, der regelmäßig gedüngt, gemäht und bewässert werden muss und der  gegebenenfalls auch die Bekämpfung unerwünschter Kräuter und Moose verlangt. Abwehrmaßnahmen gegen Rasenkrankheiten inklusive. Weitere Kulturmaßnahmen kommen hinzu. Übrig bleibt eine artenarme, gleichmäßig niedrige und meist immergrüne Vegetationsdecke, die allerdings den Vorteil hat, dass sie fast jederzeit begehbar und für Sport und Spiel geeignet ist. Das sind Blumenwiesen nicht. Im Gegensatz zum Rasen kann man diese Flächen aber nahezu sich selbst überlassen. Einmal Ende Juli nach dem Aussamen und dann vor dem ersten Frost auf Streichholzlänge kürzen genügt völlig. Und dann geht es in der nächsten Saison automatisch von vorne los. The same procedure every year…

Lustwandeln im Blütenmeer

Gemalt

Wie gemalt. Foto: Pixabay

Es empfiehlt sich, bereits bei der Anlage einige Korridore auszusparen, auf denen es sich später lustwandeln lässt. Sie sollten Rasenmäherbreite haben, um sie bequem freischneiden zu können. Diese Passagen  ermöglichen es, im Sommer durch die Wiese zu spazieren, ohne Schaden anzurichten. Eine Blumenwiese  sollte so wenig wie möglich betreten werden, da die meisten Blumen ziemlich trittempfindlich sind und sich, geraten sie unter die Hufe, nur schwer wieder davon erholen. Aber den Zierrasen meines Nachbarn darf man ja auch erst betreten, wenn man sich vorher die Schuhe ausgezogen und die Füße gewaschen hat. Ansonsten ist er “off limits”.

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