Rotorman's Blog

Eingeknickt: Hessen hebt Schonzeiten
für Waschbären und Füchse wieder auf

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Waidmannsdank

Eingeknickt: Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und seine grüne Umweltministerin Priska Hinz kuschen vor der starken Jägerlobby.

Von Jürgen Heimann

Ein Gastgeschenk ist, folgt man einer netten Einladung, in den meisten Fällen obligatorisch. Und da soll noch mal jemand behaupten, unser gebleichter Landesvater wüsste nicht, was sich gehört. Weiß er eben doch. Und deshalb wird Volker Bouffier, wenn er an diesem Wochenende anlässlich des Landesjägertages zu den Klängen des Nimrodmarsches in der Lorscher Nibelungenhalle Einzug hält, auch nicht mit leeren Händen kommen. Sein Präsent dürfte den Geschmack der Empfänger voll treffen. Und es kostet den Ministerpräsidenten (und seine grüne Umweltministerin) auch noch nicht einmal viel. Höchstens Glaubwürdigkeit.  

Um was für eine angenehme Überraschung es sich handelt, hat die Hessische Landesregierung schon vorab verraten. Sie erklärt die gesetzlich festgelegten Schonzeiten für Waschbären, Füchse, Minke und Marderhunde für beendet. Und zwar, und das ist ganz kurios, um angeblich gefährdete Birkhühner auf der bayerischen Seite zu schützen.Das ist mehr als eine Geste des guten Willens. Eher, wenn man so will, ein Kotau vor einer mächtigen Lobby. Da darf man schon mal einknicken. Die Beschenkten werden das entsprechend zu würdigen wissen und mit Genugtuung quittieren. Vielleicht, so das Kalkül, auch bei der nächsten Wahl. Die Hessischen Politiker versuchen sich in an die Lodenfront gerichteten Ergebenheitsadressen gegenseitig zu übertrumpfen. Um Sympathien unter dieser buhlen ja inzwischen und mit Nachdruck (fast) alle Hessischen Parteien und par(l)a-mentarischen Randgruppen. Wie und warum, ist hier nachzulesen. Neben der CDU auch die blau-gelbe Drei-Pünktchen-Riege – und natürlich die Sozis, die sich verstärkt als Pro-Jagd-Partei zu inszenieren versuchen. Deren taffer jagdpolitischer Sprechblasen-Generator, MdL Heinz Lotz, hat die richtungweisende Entscheidung aus dem Ministerium schon mal sicherheitshalber als Erfolg für sich reklamiert. Schließlich beruhe sie auf einer von ihm höchst selbst formulierten Forderung. Und dafür will er auf dem Jägertag auch gelobt werden.

Steter Tropfen höhlt den Stein: Ein Anfang ist gemacht

Birkhühner-Rhönlandschaft

Birkhühner in der Rhönlandschaft. Die Hähne erkennt man an ihrem halbmondförmigen, intensiv-roten Fleck über dem Auge. Die zu den Fasanenartigen zählenden Hühnervögel sind in Deutschland so gut wie von der Bildfläche verschwunden. Es gibt nur noch ganz wenige Exemplare. Der Mensch hat den Lebensraum der anspruchsvollen Tiere restlos zerstört. Dafür soll jetzt der Waschbär büßen.

Bitte, geht doch. Steter Tropfen höhlt den Stein. Gut, die neue Regelung gilt jetzt nicht landesweit, sondern ist erst einmal auf die Hessische Rhön beschränkt. Aber ein Anfang wäre damit zumindest schon mal gemacht. Damit dürfte einer weiteren Erosion der neuen, 2015 in Kraft getretenen und von den Regierenden bislang so lippen-bekenntnisreich gegen alle weidmännischen Widerstände verteidigten Hessischen Jagdverordnung Tür und Tor geöffnet sein. Wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen. Stottern ist dabei aber ausdrücklich erlaubt. Und es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Schutzregelungen in Gänze auf dem Altar parteipolitischen Taktierens geopfert werden.

Nibelungentreue in der Nibelungenhalle

Mag sein, dass der Name der Location, in dem die bewaffneten Heger am Wochenende tagen, die Entscheidung der Landesregierung irgendwie mit beeinflusst hat. Nibelungenhalle nennt sich diese repräsentative Stätte. Es gibt ja auch die Nibelungentreue. Laut Definition ein Begriff, der bedingungslose, emotionale und potenziell verhängnisvolle Loyalität beschreibt. Von einer solchen ist das Verhältnis zwischen den Nimrods und dem Wiesbadener Kabinettsvorsteher geprägt. Unvergessen, als man im Herbst 2015 gemeinsam Seite an Seite, die Reihen fest geschlossen, einen bundesweiten Shitstorm über- und durchstand, der sich an einer Einladung Bouffiers zur Gesellschafts-Promi-Jagd im Groß-Gerauer Forst entzündet hatte. So etwas schweißt zusammen.

Im Zweifel gegen die Angeklagten

Monster

Bad-Boys: Für Waschbären, aber auch die Füchse, Marderhunde und Minke gibt es auf der Hessischen Rhönseite kein Pardon mehr. Den Tieren soll verstärkt nachgestellt werden. Damit möchte man verhindern, dass 10 Birkhühner auf der bayerischen Seite in Bedrängnis kommen. Foto. Pixabay

Waschbären dürfen, so steht es geschrieben, landesweit zwischen dem 1. März und dem 31. Juli offiziell nicht bejagt werden. Für Füchse ist die Schonzeit vierzehn Tage kürzer. Das gilt bzw. galt aber nur für Hessen. Bei den Bajuwaren kennt man solche Rücksichtnahmen nicht, bei den Freunden in Thüringen auch nicht. Nun ist die Rhön nicht der Nabel der Welt. Ein kleiner, überschaubarer Bereich dieses in Gänze von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannten und  im Grenzbereich von Hessen, Bayern und Thüringen gelegenen Mittelgebirges gilt aber als ein letztes, “bedeutendes” Refugium für eingebürgerte Birkhühner. Immerhin drängen sich in einem dafür ausgewiesenen 12 Quadratkilometer großen Areal laut einer Bestandserhebung vom April dieses Jahres sage und schreibe 10 Exemplare dieser Spezies: 6 Hähne und vier Hennen.

Das (auf der bayerischen Seite zu findende) Paradies für die Raufüßler wäre perfekt, gäbe es da nicht auch dort eine Waffenbrüderschaft zwischen den bösen maskierten Klein-Petzen und den listigen Reinekes, die ihnen, getrieben von purer Mordgier, in Scharen nachstellen und auch noch deren Gelege fressen. Das sollen, kleiner Grenzverkehr, auch solche aus Hessen sein. Die Übeltäter will die Regierung in Wiesbaden jetzt zurück pfeifen. Ob, und wenn ja wann tatsächlich mal eines dieser fasanenartigen Geschöpfe mit Migrationshintergrund einem der schwarz-weißen oder rotpelzigen Killer zum Opfer gefallen ist, kann niemand nachprüfbar sagen oder belegen. Auch die vorgeblich von großer Sorge um das ökologische Gleichgewicht geplagten „Tierschützer“ vom Verein „Birkwild-Hegering“ nicht, die den Fall ins Rollen und die Ausnahmegenehmigung erwirkt hatten. Deshalb muss der Verdacht ausreichen. Motto: Im Zweifel gegen die Angeklagten. In besagtem Hegering haben sich die Revierinhaber des Naturschutzgebietes “Lange Rhön” organisiert.

Der Erlass fußt auf einer wackligen Faktenlage

Die Rhön

Der größte Teil der im Grenzbereich von Hessen, Thüringen und Bayern gelegenen Rhön ist von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Auf einem kleinen Areal auf der bayerischen Seite leben 20 aus Schweden angesiedelte Birkhühner. Um die zu schützen, hat die Hessische Landesregierung die Schonzeiten für Waschbären, Füchse, Marderhunde und Minke aufgehoben. Foto: Pixabay

Wenn es um Wohl und Wehe ihrer “Flaggschiff- und Leitart” (Originalton) geht, hört für sie sowieso jeglicher Spaß auf. Dann wird zurück geschossen. Deshalb waren die Biosphärenschützer und ihre jagenden Freunde auch nicht müde geworden, dem Gesetzgeber  in Hessen die Lage vor Ort in den düstersten Farben und Tönen zu schildern. Und rannten damit offene Türen ein. Im hiesigen Umweltministerium hat man/frau den Einflüsterungen dann auch letztlich (blauäugig und vertrauensvoll) Glauben geschenkt – und darauf mit dem Erlass einer entsprechenden Ausnahmegenehmigung reagiert. Sie ist bis Ende August befristet. So wird Politik gemacht. Wenn in Hessen Entscheidungen, die von vielleicht wesentlich größerer und folgenreicherer Tragweite für Staats- und Gemeinwesen sind, auf Grundlage einer vergleichbar dünnen Faktenbasis getroffen werden, kann einem eigentlich nur angst und bange werden.

Der schwarze Peter wird weiter gereicht

Bei den 20 um ihr Leben fürchtenden Birkhühnern handelt es sich überwiegend um Importe aus Schweden. Sie sind als eigenständige Population auf der für sie reservierten und begrenzten Fläche auf Dauer nicht lebensfähig. Und bei der von Inzucht dominierten Reproduktion klemmt es auch. Da können die Männchen noch so exzessive Balztänze aufführen. Aber es sind noch nicht einmal Fressfeinde, die dem selten gewordenen und anspruchsvollen Federvieh mit den charakteristischen weißen Flügelbinden so zusetzen. Schwerer dürften die touristische Belastung und die fortschreitende Landschaftskultivierung wiegen, die die Einbürgerung erschweren. Der Mensch hat es in den zurückliegenden Jahren geschafft, die Lebensräume dieser Vögel komplett zu zerstören, reicht den schwarzen Peter aber jetzt weiter. Ausbaden sollen es der Waschbär und anderes Kroppzeugs.

Von seiner wildbiologischen und ökologischen Relevanz her ist das von der Wildlandstiftung Bayern getragene Rhön-Projekt sowieso nur Blendwerk. Ein Leuchtturm-Maßnahme, mehr nicht. Eine Insellösung mit martialischer Grenzschutzsicherung. Aber eine, für die es saftige Zuschüsse gibt, von der EU ebenso wie vom Land , aus Bayern und von den Jagdverbänden. 800.000 Euro fließen dafür pro Jahr allein aus Brüssel und München. Und, ganz wichtig: Das in Bedrängnis geratene Birkhuhn ist ja auch noch das Wappentier der Firma Rhönsprudel. So was verpflichtet.

Die ausgeleierten Totschlagsargumenten wirken immer noch

Das (ausgeleierte) Totschlags-Argumente von der Verfolgung von Bodenbrütern durch unersättliche Prädatoren wird ja, ob nun relevant oder nicht, bei solchen Anlässen häufig aus der Schublade gezogen. Um im gleichen Atemzug das hohe Lied vom Artenschutz anzustimmen. Daraus wird dann eine Legitimation für das massenhafte Abschlachten anderer ungeliebter Tiere abgeleitet. Solchen, die ihren Verfolgern nicht ins Konzept und ins Weltbild passen. Vergleichbares lässt sich beispielsweise auch beim “Auerwildprojekt Schwarzwald” beobachten. Dort sterben seit 2014 Jahr für Jahr Tausende Füchse, Marder und Dachse für einen guten Zweck. Um nämlich 300 Raufußhühnern das Überleben zu sichern. Deren Rückgang allerdings ganz andere Ursachen hat. Und auch die baden-württembergische Landesregierung spielt mit bei dieser schäbigen Schmierenkomödie. Und das nicht nur in einer unbedeutenden Nebenrolle.

Eine Frage der Verhältnismäßigkeit

Xena-klein

Dumm gelaufen: Dieser kleine Waschbär ist doch tatsächlich in eine „tierschutzgerechte“ Schlagfalle getappt! Die kleine „Xena“ konnte sich zwar befreien, büßte dabei aber ihre Nase und ihre Oberlippe ein. So etwas verbuchen die bewaffneten Naturschützer dann als Kollateralschaden.

Im Falle der Europäischen Sumpfschildkröte ist es nicht anders. Davon gibt es in Brandenburg, und nur noch dort, gerade mal 70 bis 100 Exemplare. Und die sind, wenn auch eingezäunt, natürlich ebenfalls ihres Lebens nicht mehr sicher. Die Gefahr geht, logisch, vom Waschbären aus. Deshalb muss er, der Sündenbock par excellence, ja auch sterben. Zu Hunderten, zu Tausenden. Das nennt man dann Verhältnismäßigkeit. Wollte man die wahren Verantwortlichen für den Bestandsrückgang zur Rechenschaft ziehen, müsste man zunächst mal die Katholiken erschießen – und die Autofahrer , auch solcher anderer Konfessionen, gleich mit. Beim regionalen Fußvolk des Heiligen Vaters galten die kleinen gepanzerten Reptilien früher als beliebte Fastenspeise und wanderten zu Zigtausenden in die Kochtöpfe. Zudem kamen Legionen beim Überqueren von Straßen unter die Räder. Von den folgenschweren menschlicher Eingriffen in den Lebensraum dieser Geschöpfe ganz zu schwiegen. Die da sind und waren: Trockenlegung von Sümpfen und Feuchtgebieten, Gewässerkorrekturen, Zersiedelung der Landschaft und Zerstörung der Eiablageplätze.

Zigtausende Tiere sterben, um 200 zu retten

Auch die 40 Schwarzstorch-Brutpaare in Brandenburg wollen vor den Nachstellungen des aus Amerika stammenden invasiven Monsters geschützt sein. Ebenso die 20 Uhus. Das sind jetzt unterm Strich akut 200 vermeintlich gefährdete Tiere. Damit diese unbehelligt bleiben, haben allein die Brandenburger Nimrode in der vergangenen Schützenfest-Saison vorsorglich 26.258 Waschbären, 6.988 Marderhunde, 4.262 Dachse und 28.401 Füchse exekutiert. Da wird, wie beispielsweise in Niedersachsen geschehen, jedes geplünderte Schwarzstorchennest zum nationalen Katastrophenfall hochstilisiert. Dass sich der Täter, wie im Landkreis Gifhorn der Fall, als Seeadler entpuppte, erfährt man in Folge nicht. Auf welch wackligen Füßen die in diesem Zusammenhang wie ein Mantra propagierten Thesen vom Artenschutz stehen, lässt sich an der Situation in den Nationalparks von Mecklenburg-Vorpommern ablesen. Dort ruht die Jagd auf Waschbären seit 2010. Die Ergebnisse der jährlich im Müritz-Nationalpark vorgenommenen Brutvogel-Monitorings zeigen, dass die Anzahl der Brutpaare, gerade auch die der seltenen Arten, trotz hoher Waschbärenbestände zunimmt.

Schornsteinfeger und Zeitungsboten

BILD-update

Auf diese Schlagzeile wartet die Republik.

Nun vergnügt sich das knuffige Bären-Biest in freier Wildbahn am liebsten in Laubwäldern, während das Rhön-Birkhuhn überwiegend in Nadelbaumbeständen und in Vorwäldern zu finden ist. Aber egal, es kann sich und seine Eier dort noch so gut verstecken, der „Schupp“ findet die Beute. Zumal er es, glaubt man den Experten in den Redaktionsstuben unserer Medien, ja sowieso vorwiegend bzw. ausschließlich auf seltene und bedrohte Tierarten abgesehen hat. Gerade die seien ein gefundenes Fressen für ihn und seinesgleichen. Behauptet zumindest Christina Koorman, eine versierte Investigativ-Reporterin der Märkischen Presse, die sich nebenbei ehrenamtlich als autodidaktische Wildbiologin versucht. Die Dame hat das nach umfänglichsten Recherchen und entbehrungsreichen Feldversuchen so enthüllt. Die Zeiten, in denen die Frau den Knall gehört hat, liegen aber offenbar auch schon lange zurück. Genau wie beim Hessischen Lotz-Heinz aus Steinau an der Strasse. Siehe oben. Wäre der sozialdemokratische Knall-Experte doch bloß beim Schornsteinfegen geblieben! Und Frau Koorman würde, ihren Talenten entsprechend, sicherlich auch als Zeitungsausträgerin eine ganz passable Figur machen. Dann könnte sie nicht weiter so einen Unsinn verbreiten

Die Klein-Petze stehen eher auf Fastfood

Man muss sich nicht nächtelang durch die einschlägige Fachliteratur quälen um zu erfahren, dass Waschbären eher auf „Fastfood“ stehen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kerlchen sind faul, bequem und Allesfresser. Sie verputzen, was ihnen gerade vor die Schnauze kommt. Das Angebot bestimmt die Nachfrage. Zu über 43 Prozent sind das wirbellose Tiere (Insekten, Regenwürmer, Schnecken, Spinnen), in etwa 41 Prozent der Fälle schieben sich die Badboys Pflanzliches (Obst, Nüsse, Mais, Eicheln) zwischen die Kiemen. 15 Prozent ihrer Nahrung besteht aus Wirbeltieren, wovon lediglich 1,8 Prozent Federn haben bzw. aus Vogeleiern bestehen. In 4,8 Prozent der Fälle schaufeln sich die Horror-Bären Amphibien auf den Teller. Und wissen natürlich, blöd wie sie sind, in den seltensten Fällen, ob ihre Beute auf der roten Liste steht oder nicht.

Wo Fakten verbogen und “Argumente” konstruiert werden

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Heinz Lotz, der jagdpolitische Schornsteinfeger der oppositionellen SPD, reklamiert die Aufhebung der Schonzeiten als Erfolg für sich.

Die jetzt vorgenommene Aushebelung der Jagdverordnung und Aufhebung der Schonzeiten ist so durchsichtig konzipiert, dass sich der Verdacht geradezu aufdrängt, hier sei lediglich verzweifelt nach einem Grund gesucht worden, um die weiland mit viel tierschützerischem Vorwand-Getöse und Tamtam durchgesetzten Regelungen aufzuweichen. Die Pirscher brauchen eine Legitimierung, um den verhassten Beutekonkurrenten endlich mal wieder zeigen zu dürfen, wo der Hammer hängt. Die 2016 vom Landesjagdverband Bayern erstellte Gefährdungsanalyse hingegen gibt das im Falle des Rhön-Reservates allerdings nicht her. In der Erhebung taucht der Waschbär als potentieller Birkhuhn-Feind gar nicht auf. Er müsse aber gejagt werden, weil er sich bis in die letzte Ecke der Rhön ausgebreitet hätte und eine Gefahr für geschützte Tierarten darstelle, tönt Ewald Sauer von der Verwaltungsstelle des Biospähren-Reservats denn auch vollmundig. Er muss es ja wissen… Zumindest tut er so. Aber die Tatsachen sprechen gegen ihn und seine steilen Thesen. Die Tierrechtsorganisation PETA hat zusammengetragen, welche haarsträubenden Ammenmärchen über die Racoons in Umlauf sind und was aus wissenschaftlicher Sicht davon zu halten ist. Der Faktencheck steht hier:

Öko-Jäger sprechen von “Mobbing”

Aber nicht alle sehen das so. Der Ökologische Jagdverein Hessen beispielsweise pflegt da eine wesentlich differenziertere Betrachtungsweise. Und er nennt das Kind beim Namen, wenn er von „Waschbären-Mobbing“ spricht. Seit Monaten betrieben die traditionellen Jagdverbände eine massive Dämonisierung dieser Tiere, heißt es in einer Stellungnahme der Organisation. Selbstgestrickte Zahlen sollten die anwachsende Invasion eines räuberischen Fremdlings, der über kurz oder lang die vertrauten Arten der Kulturlandschaft liquidieren würde, belegen.

Die Fallenjagd salonfähig machen

Der renommierte Wildbiologe Dr. Ulf Hohmann von der Forschungsanstalt für Waldökologie des Landes Rheinland-Pfalz, einer der führenden Waschbär-Experten in Deutschland, sieht in der ausdauernden Diffamierungskampagne vor allem auch eine politische Strategie. Ziel sei es, die Fallenjagd für unverzichtbar zu erklären und (wieder) salonfähig zu machen. Deshalb, weil es in vielen Bundesländern Bestrebungen gäbe, diese “elegante” Art des Tötens zu reglementieren. Was natürlich nicht im Interesse der „Heger“ ist. Zumal die einen dieser nachtaktiven „Racoons“ nur ganz selten zu Gesicht und vor die Flinte bekommen. Deshalb erscheint es erfolgversprechender, die verhassten Viecher mit Süßigkeiten anzulocken, in Lebend- oder Totschlagsfallen festzusetzen und dann, falls noch erforderlich, zu „erlösen“. 40 solcher Fallen warten inzwischen in der Hessischen Rhön auf Gäste. Die Häscher werden nicht müde, dies als eine “tierschutzgerechte” Methode anzupreisen.  Auf den einschlägen Webseiten und natürlich auf Youtube brsüten sich die “Heger” mit ihren Erfolgen. So wie hier:

Warten auf die Knaller-Headline

„Das muss sein“, rechtfertigt der Sauer-Ewald vom reservierten  Sphärenbios diese Methode. Man vermöge sich gar nicht vorzustellen, was diese Tiere alles anstellen könnten. Die sind nämlich noch schlimmer und brutaler als die Knallgürtel tragenden Götzenkrieger vom IS. Und damit wäre jetzt die BILD am Zuge. Die Headline, dass ein Waschbär eine hilflose Rentnerin entführt und vergewaltigt hat, ist eigentlich längst überfällig. Diese Nachricht muss aber schon von der Intellektuellen-Postille mit den vier großen Buchstaben kommen. So kreativ, sich das auszudenken, ist noch nicht einmal die Pressestelle des Deutschen Jagdverbandes!

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